Investmentfonds

Wette auf steigenden Ölpreis bringt Hedge Fonds satte Gewinne

25.08.2004
, 14:21
Der Ölpreisanstieg läßt die Gewinne von Hedge Fonds sprudeln: Peter Thiel von Clarium Capital Management hat das Geld seiner Investoren mehr als verdoppelt, indem er auf steigende Ölpreise setzte - gegen den Rat der Wall Street.
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Peter Thiel hat das Geld seiner Investoren mehr als verdoppelt, indem er auf steigende Ölpreise setzte - gegen den Rat der Wall Street. Jetzt profitiert der Chef der Hedge-Fondsgesellschaft Clarium Capital Management LLC davon, daß der Ölpreis auf annähernd 50 Dollar je Barrel geklettert ist. Thiel rechnet damit, daß Ölfutures in zwölf Monaten auf 60 Dollar steigen, 2010 sieht er den Ölpreis bei 100 Dollar. "Der Welt geht das billige Rohöl aus", sagt er. "Die weltweite Ölproduktion wird irgendwann zwischen jetzt und 2008 ihren Höhepunkt erreichen."

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Ölanalysten bei Lehman Brothers, Deutscher Bank und Man Financial prognostizieren dagegen immer noch fallende Ölpreise. Anfang des Jahres, als ein Barrel Öl etwa 33 Dollar kostete, lag die durchschnittliche Prognose von 27 von Bloomberg befragten Analysten bei 26,81 Dollar je Barrel für das Jahr 2004.

Im Juli bei Öl eingestiegen

Hedge Fonds haben in den vergangenen zwölf Monaten immer stärker auf Öl gesetzt. Die Kaufpositionen großer spekulativer Investoren liegen so stark über den Leerpositionen wie seit 18 Jahren nicht mehr, zeigen Daten der Commodity Futures Trading Commission. "Hedge Fonds sind im Juli definitiv eingestiegen, und seitdem reiten sie auf der Welle mit", berichtet Jay Camhi, Händler bei Ssaris Advisors LLC in Stamford, Connecticut.

Am Freitag markierten Rohölfutures mit 49,40 Dollar je Barrel ein Rekordhoch seit Beginn des Öl-Handels an der New York Mercantile Exchange 1983. Seit Juni ist der Ölpreis 30 Prozent geklettert. Der Oktoberkontrakt auf Öl verteuerte sich am Mittwoch im elektronischen Handel an der New York Mercantile Exchange 0,6 Prozent auf 45,48 Dollar je Barrel, nachdem der Preis zuvor über drei Tage nachgegeben hatte.

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Investments in Rohölkontrakte zur Lieferung in den Jahren 2005 und 2006 haben Thiel nach eigenen Angaben fast jeden Monat Gewinne gebracht, seit er seinen Hedge Fonds 2002 gegründet hat. Auch andere Hedge- Fndsmanager haben mit Wetten auf höhere Ölpreise Gewinne eingefahren. T. Boone Pickens erklärte im Mai, daß der Ölpreis in diesem Jahr 50 Dollar je Barrel erreichen werde, weil die steigende Nachfrage, vor allem aus China und Indien, das Angebot übersteigt. Der von Pickens verwaltete Energiefonds hat von Jahresbeginn bis zum 19. August 259 Prozent an Wert gewonnen.

Wette auf sinkende Preise führt zu Verlusten

Wer dagegen auf sinkende Preise setzte, stand auf der Verliererseite. Barton Biggs, geschäftsführender Teilhaber bei Traxis Partners LLC, räumte in einem Brief an die Investoren ein, daß sein Hedge Fonds unter anderem deswegen von Januar bis Juli sieben Prozent verlor, weil er auf sinkende Ölpreise setzte. Biggs, der zuvor Investmentstratege bei Morgan Stanley war, erklärte, daß er einen Preisrückgang erwartete, weil das Angebot stieg und die Konjunktur abflaute.

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Die Ölanalysten konzentrieren sich zu sehr auf kurzfristige Entwicklungen, erläutert Thiel, wie beispielsweise Lieferunterbrechungen im Irak. Das Problem, so Thiel, ist weit ernster: die Ölförderung kann mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt halten. Saudi-Arabien, die Nummer eins bei der Ölförderung weltweit, und andere Produzenten fördern so viel Öl wie sie können, berichtete die Internationale Energieagentur (IEA) in diesem Monat. Die IEA erwartet, daß die Ölnachfrage in diesem Jahr 82,2 Millionen Barrel erreicht, verglichen mit 54 Millionen Barrel im Jahr 1986. Die IEA rechnet damit, daß die Nachfrage im nächsten Jahr weitere zwei Prozent auf 84 Millionen Barrel ansteigt.

Auf langlaufende Ölfutures setzen

Thiel würde in Ölkontrakte mit Lieferung Ende des Jahrzehnts investieren, wenn der Markt für die Kontrakte liquider wäre. "Ölfutures, die Ende dieses Jahrzehnts auslaufen, sind derzeit die Finanzinstrumente, deren Preis am wenigsten ihren Wert widerspiegelt", erklärt er. Öl-Futures mit Fälligkeit 2010 werden zurzeit mit 35,35 Dollar gehandelt, nach 27 Dollar im Februar. Die im Dezember 2005 fälligen Kontrakte, die Thiels Fonds hält, haben in den vergangenen zwölf Monaten 67 Prozent an Wert gewonnen und notierten am Dienstag bei 41,09 Dollar je Barrel.

Der Anstieg beim Ölpreis im August trug dazu bei, die amerikanischen Aktienkurse auf ein Jahrestief zu drücken. Investoren machen sich Sorgen, daß der Ölpreis die Unternehmensgewinne dämpft und das Wirtschaftswachstum bremst. Sollte der Ölpreis einige Monate bei rund 50 Dollar je Barrel verharren, fiele dieser Ölpreisansteig "in die Liga der voll entwickelten Ölschocks der Vergangenheit", die Rezessionen ausgelöst haben", schrieb Stephen Roach, Chefvolkswirt bei Morgan Stanley in New York, letzte Woche in einem Bericht für seine Kunden.

Quelle: Bloomberg/Bearbeitung: @thwi
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