Fonds

Widerstand gegen Hedge-Fonds-Pläne

14.06.2005
, 19:17
Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigte Initiative für eine schärfere Regulierung der Hedge-Fonds stößt auf Widerspruch aus der Branche. „Die deutschen Kapitalmärkte sind ohnehin schon überreguliert“, heißt es.
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Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekündigte Initiative für eine schärfere Regulierung der Hedge-Fonds stößt auf Widerspruch aus der Branche. Zwar wird eine Angleichung an internationale Standards bei den Meldepflichten für die Aktienleihe für sinnvoll erachtet.

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Allerdings führten einseitige Schritte bei Veröffentlichungsschwellen von Aktienbesitz zu mehr Bürokratie: "Die deutschen Kapitalmärkte sind ohnehin schon überreguliert", moniert Dirk Söhnholz, Managing Director des Fondsanalysehauses Feri Trust. Schröder hatte auf einer SPD-Wirtschaftskonferenz angekündigt, die Transparenz des Marktes für Hedge-Fonds erhöhen zu wollen.

Einführung zusätzlicher Meldeschwellen angedacht

Eine Maßnahme sei die Einführung zusätzlicher Meldeschwellen für den Erwerb "wesentlicher Beteiligungen" an Unternehmen, hatte Schröder gesagt. Bislang schreibt das Gesetz vor, den Anteilsbesitz eines Aktionärs zu veröffentlichen, wenn dieser die Schwellen von 5, 10, 25, 50 und 75 Prozent des Kapitals überschreitet. Welche neuen Pflöcke die Bundesregierung einschlagen will, sagte Schröder nicht. Eine ab 2007 gültige Europarichtlinie sieht drei weitere Schwellen (15, 20 und 30 Prozent) vor. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Arbeitsgruppe hatte jedoch eine Meldeschwelle unterhalb der 5 Prozent angedacht. "Jede weitere Meldepflicht schadet dem Finanzplatz", beklagt Achim Pütz, Vorstandschef des Bundesverbands Alternative Investments. Aktionärsschützer begrüßten die Pläne: "Ich habe schon immer ein Vermummungsverbot für Hedge-Fonds gefordert", sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Bundesfinanzminister Hans Eichel hatte zudem mehr Überprüfungsrechte für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Aussicht gestellt, um gegen ein abgestimmtes Verhalten von Anteilseignern vorzugehen. Dazu solle die Bafin Zugang zu Büroräumen der Hedge-Fonds-Gesellschaften und Einsicht in ihre Akten erhalten. Derzeit ermittelt die Bafin gegen den Hedge-Fonds TCI und dessen Chef Christopher Hohn wegen vermuteter Absprachen im Zuge der Ablösung von Werner Seifert, dem ehemaligen Chef der Deutschen Börse. Mit dem Vorhaben, die Aktienleihe meldepflichtig zu machen, würde sich Deutschland den Vereinigten Staaten und Großbritannien angleichen.

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Mögliche Meldeplicht für Aktienleihe

In Nordamerika schreibt die Finanzmarktaufsicht SEC den Hedge-Fonds schon seit einem Jahr vor, geliehene Aktien zu melden. Diese Daten werden ohne die Namen der Hedge-Fonds veröffentlicht. Eine der zahlreichen Strategien von Hedge-Fonds ist es, Aktien zu leihen, diese zu verkaufen und auf einen Kursverfall zu spekulieren. Geht die Wette auf, decken sich die Fonds mit den entsprechend billigeren Papieren ein und geben sie an den Verleiher zurück. Jedoch wird das Ausmaß dieser im Branchenjargon "going short" genannten Strategie in der öffentlichen Diskussion überschätzt: Lediglich 0,5 Prozent der weltweit mehr als 8000 Hedge-Fonds sind reine "Leerverkäufer".

Nach Ansicht von Söhnholz vergiftet die Debatte um die Rolle der Hedge-Fonds das Klima für institutionelle Anleger. "Versicherungen können ihre Investitionen in Hedge-Fonds kaum aufstocken, weil sie um ihr Image fürchten müssen." Derzeit investierten deutsche Versicherungen lediglich 0,3 bis 0,5 Prozent ihrer Anlagegelder in Hedge-Fonds. In Ländern wie Frankreich sei die Quote höher - und damit auch die Rendite der institutionellen Anleger.

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Von den glänzenden Renditen der vergangenen Jahr haben sich die Hedge-Fonds zuletzt freilich weit entfernt. Nach Zahlen von Standard&Poors haben Hedge-Fonds, die weltweit mehr als eine Billion Dollar verwalten, seit Jahresanfang eine magere Rendite von 0,76 Prozent erzielt. Seit längerem wird in der internationalen Finanzwelt diskutiert, ob diese in ihrer Investitionsstrategie weitgehend freien Fonds eine Gefahr für die internationalen Finanzmärkte sein können.

Quelle: da., F.A.Z., 15.06.2005, Nr. 136 / Seite 16
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