Fondsgebühren

Ein Schluck aus der Pulle

Von Hanno Beck
26.08.2003
, 20:41
Es gibt Dinge, über die redet man in der Fondsbranche eher ungerne - zum Beispiel über Gebühren. Dabei bieten die Fondsprospekte noch Raum für Einnahmenphantasie - zum Leidwesen der Anleger

Es gibt Dinge, über die redet man in der Fondsbranche eher ungerne - zum Beispiel über Gebühren. Daß eine Fondsgesellschaft keine karitative Veranstaltung ist, versteht sich zwar von selbst. Doch wer will schon den Anlegern in die Tasche greifen, wenn diese - auch aufgrund der schlechten Wertentwicklung der eigenen Produkte - recht leer ist?

Doch irgendwann siegt der Schmerz über die Zurückhaltung, beispielsweise beim Deutschen Investment Trust (Dit), der Fondsgesellschaft der zur Allianz gehörenden Dresdner Bank: Dort erhöhte man in der vergangenen Woche die Gebühren auf die Fondsprodukte und läutete damit innerhalb von drei Jahren die zweite Gebührenrunde ein.

Die Gründe für den tieferen Griff in die Kundenbrieftasche sind sittsam bekannt, und sie quälen auch die nicht minder gebeutelten Konkurrenten des Dit: Mit sinkenden Aktienkursen sind auch die bestandsabhängigen Verwaltungsprovisionen dahingeschmolzen wie eine Eisbombe im Backofen, und der in den Zeiten der Hausse aufgebaute Kostenapparat lastete auf den Ergebnissen der Fondsgesellschaften. Hinzu kam noch der Drang der Kunden nach provisionsärmeren Produkten und die Gier des Vertriebs, der einen immer größeren Anteil vom Gebührenkuchen für sich beansprucht.

Ein paar zehntel machen rasch ein paar Hundert Euro

"Halb so wild", mag sich der Fondskunde angesichts des Ausmaßes der Gebührenerhöhung denken: Bei den Standardprodukten beispielsweise hat der Dit die Verwaltungsvergütung von 1,25 auf 1,35 Prozent erhöht. Dieses kleine Zehntel mehr nimmt sich angesichts von Kursverlusten der vergangenen drei Jahre von mehr als 50 Prozent doch recht harmlos aus, oder? Beim ersten Blick auf die Zahlen mag man den Fondskäufern sogar recht geben. Wer für 100 Euro Fondsanteile kauft, müßte im Falle einer Anhebung der Verwaltungsvergütung um 50 Basispunkte gerade einmal 50 Cents mehr zahlen - das scheint nicht viel Geld zu sein.

Anders wird das Bild, wenn man sich einmal anschaut, wie eine solche Gebührenerhöhung im Fall eines Sparplans wirkt: Wer im Juli 1993 einen Sparplan über 100 Euro monatlich auf den DWS Vermögensbildungsfonds abgeschlossen hätte, der könnte heute rund 21500 Euro aus diesem Sparplan erlösen. Hätte die Verwaltungsvergütung zu Beginn des Sparplanes um 50 Basispunkte höher gelegen, dann hätte dies den Anleger auf die 10 Jahre betrachtet knapp 690 Euro gekostet. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man den gleichen Sparplan auf den Fidelity European Growth abgeschlossen hätte: Hier würden dem Anleger im Falle einer um 50 Basispunkte höheren Gebühr auf den zehnjährigen Sparplan heute rund 740 Euro im Portfolio fehlen. "Die Anleger sollten mehr auf die regelmäßigen Kosten eines Fonds statt auf die einmaligen Kosten beim Erwerb des Fonds achten", sagt Wolfgang Kaiser vom Münchener Finanzdienstleister Fondsconsult.

Luft in den Prospektkonditionen

Wer sich nach dieser Rechnung ein wenig mehr für die Verwaltungsvergütungen seiner Fonds interessiert, fragt sich unwillkürlich, ob weitere Preiserhöhungen ins Haus stehen. Bereits bei der ersten Gebührenrunde des Dit - der damals als erste Fondsgesellschaft den unpopulären Schritt öffentlich machte, statt ihn wie bisher klammheimlich im Bundesanzeiger zu annoncieren - haben sich viele Gesellschaften im Windschatten des Dit einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genehmigt. Die Probleme der Gesellschaften, die zu dieser Gebührenrunde führten, sind seitdem eher schärfer geworden. Aus dieser Perspektive kann man vermuten, daß auch andere Gesellschaften Lust verspüren, dem Dit zu folgen, wenngleich alle Gesellschaften dieses Begehren vehement dementieren.

Immerhin - Luft nach oben haben viele Gesellschaften noch. Sie könnten in den meisten Fällen die Verwaltungsprovisionen ohne Schwierigkeiten erhöhen. Daß dies in einer stark regulierten Branche möglich ist, liegt an den Konditionen der Fondsprospekte: Dort ist eine maximale Verwaltungsvergütung festgelegt, die über der aktuellen Verwaltungsvergütung liegt. Solange die Provisionserhöhung unterhalb der im Prospekt angegebenen maximalen Vergütung liegt, können die Gesellschaften diese ohne Probleme anheben. Erst wenn man - wie es der Dit praktiziert hat - auch die maximale Verwaltungsvergütung anheben will, müssen bestimmte Fristen eingehalten werden.

Unter diesem Aspekt lohnt sich nochmals ein Blick auf die Konditionen der Fondsprospekte. Die Union Investment verlangt beispielsweise über alle Publikumsfonds volumengewichtet eine durchschnittliche Verwaltungsvergütung von 0,79 Prozent, während die maximale Verwaltungsvergütung den Angaben zufolge 1,14 Prozent beträgt. Beim Konkurrenten Deka verlangt man im Schnitt für einen Standard-Aktienfonds ein Prozent, könnte aber laut Prospektkonditionen bis auf zwei Prozent gehen. Ein Rentenfonds mit internationalen Staatsanleihen kostet bei der Sparkassenorganisation im Schnitt 0,75 Prozent Vergütung; das Maximum liegt bei 1,20 Prozent. Bei der Münchener Activest kosten Aktienfonds im Schnitt 1,07 Prozent, das Maximum liegt bei 1,34 Prozent. Für einen Rentenfonds verlangt die Activest im Schnitt 0,96 Prozent, während die Obergrenze bei 1,16 Prozent liegt.

Bei der Betrachtung dieser Zahlen muß der Anleger allerdings Vorsicht walten lassen. Sie sind untereinander nicht vergleichbar, sondern geben lediglich eine Indikation für den unmittelbaren Spielraum, den die Gesellschaften in Sachen Gebührenerhöhungen haben. Wer die Gesamtkosten eines Fonds vergleichen will, muß auf die sogenannte Gesamtkostenbelastung (total expense ratio) achten, die mittlerweile von fast allen Gesellschaften ausgewiesen wird. Doch auf welche Kennziffer der geplagte Anleger in diesen Tagen auch blicken mag - eines wird sie ihm mit Sicherheit nicht verraten: Ob, wann und wo ihm diese Kosten auch einen anständigen Ertrag erbringen.

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