Fondsmarkt

Die Kosten für Fonds steigen weiter

27.09.2004
, 19:19
Das Ziel einer neuen "Gebührenvereinheitlichung" eint offenbar Deutschlands Fondsanbieter. Der Haken an den übersichtlicheren Gebührenstrukturen: Unter dem Strich kostet es die meisten Anleger mehr Geld.

Die Preiserhöhungen in der deutschen Fondsbranche gehen in die nächste Runde: Zum Wochenauftakt gab Union Investment Privatkunden, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, bekannt, daß ab dem 1.Oktober des kommenden Jahres die Verwaltungsvergütungen ihrer Produktpalette "einheitlicher" gestalten werden. Von den öffentlich vertriebenen 190 Publikumsfonds der Union-Investment-Gruppe werden die Verwaltungsvergütungen von 33 Fonds sinken, bei 103 Fonds unverändert bleiben und in 54 Fällen angehoben, erklärte die Gesellschaft weiter. Ziel dieser Gebührengestaltung sei es, die Preise der genossenschaftlichen Fondsprodukte übersichtlicher zu gestalten. Die Zahl der verschiedenen Vergütungen werde um ein Fünftel sinken.

Das Ziel einer neuen Gebührenstruktur eint offenbar Deutschlands Fondsanbieter. Im Mai vergangenen Jahres hatte die Adig, die Fondsgesellschaft der Commerzbank, die Vergütungen für ihre Fonds angehoben. Die bisherige Systematik der Verwaltungsgebühren sei historisch gewachsen, so daß es im gesamten Fondsuniversum der Adig preislich neu strukturiert werden müsse, hieß es damals. Auch der Marktführer DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, hatte im Mai diesen Jahres ihre Gebührenstruktur mit dem Hinweis verändert, daß man die Gebühren vereinheitlichen wolle, um eine "transparentere Gebührenstruktur" zu erreichen.

Fonds mit großem Volumen sind teurer geworden

Der Haken an den übersichtlicheren Gebührenstrukturen: Unter dem Strich kostet es die meisten Anleger mehr Geld. Ein Blick auf die betreffenden Fonds, bei denen die Gebühren im Zuge der Harmonisierung angehoben beziehungsweise gesenkt wurden, zeigt, daß vor allem bei den Fonds mit großem Volumen die Kosten gestiegen sind, während sie vor allem bei kleinen Fonds gesunken sind. Für die Gesellschaften macht das Sinn, da die Höhe der Verwaltungsgebühr vom Fondsvolumen abhängt. Betrachtet man beispielsweise die Kostenanpassung von Union Investment, so wurden zwar für die beiden Fonds Geno Euro Classic I und II, die zusammen knapp 3 Milliarden Euro Volumen haben, billiger.

Doch zahlreiche andere volumenstarke Fonds wurden teurer, so beispielsweise der Uni 21. Jahrhundert (Fondsvolumen 1,5 Milliarden), der Uni Euro Aktien (Fondsvolumen 1,8 Milliarden Euro), der Uni Euro Aspirant (Fondsvolumen 1,5 Milliarden), der Uni Europa (Fondsvolumen 1,2 Milliarden Euro, der Uni EuroStoxx 50 (Fondsvolumen 2,4 Milliarden Euro), der Uni Fonds (Fondsvolumen 2,1 Milliarden Euro) und der Uni Global (Fondsvolumen 2,7 Milliarden Euro). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Adig: "In erster Linie wurden die Verwaltungsgebühren angehoben, in wenigen Fällen jedoch auch gesenkt", schrieb die Gesellschaft in einer Pressemitteilung zur Änderung der Gebühren.

Vermögen der vier größten Fonds rund 8 Milliarden Euro

Es waren in der Tat nur wenige Fälle - vor allem wenige kleine Fälle. So wurden die Gebühren für die beiden Adig Best-in-one Europe Balanced-Fonds, die ausweislich der Adig je rund 35 Millionen Euro Fondsvolumen haben, den Adig Fund North American Medium Term Bond N, der rund 15 Millionen Euro schwer ist, sowie den Adig Fund Euro Corporate Bond N - mit einem Volumen von 0,52 Millionen Euro ein Leichtgewicht - gesenkt.

Bei der DWS senkte man im Zuge der Gebührenvereinheitlichung die Kosten für die gesamte Palette der Invest-Produkte - laut Gesellschaft ein Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro. Aber alleine die Erhöhung der Kostenpauschale für den 6,6 Milliarden schweren Vermögensbildungsfonds I dürfte die damit verbundenen Einnahmeausfälle wettgemacht haben. Das Vermögen der anderen Fonds, deren Kosten gesenkt wurden, beläuft sich auf rund 4,4 Milliarden Euro - das Vermögen der vier größten Fonds, deren Kosten erhöht wurden, beläuft sich alleine schon auf rund 8 Milliarden Euro. Auch der Deutsche Investment Trust (Dit), die Fondsgesellschaft der Allianz, hat per Oktober für vier frühere Allianz-Rentenfonds die Gebührenstruktur angepaßt - nach oben. Die Gesellschaft hatte bereits im vergangenen Jahr die Gebühren angehoben und zugleich verstärkt erfolgsabhängige Gebühren für seine Produkte angehoben. Dieser Strategie könnten Experten zufolge in der nächsten Zeit weitere Gesellschaften folgen.

Quelle: hbe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2004, Nr. 226 / Seite 25
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