Grüne Finanzen

Frauen handeln nachhaltiger

Von Markus Frühauf
10.12.2020
, 16:27
Für den Klima- und Umweltschutz sind unter den Mitarbeitern in Banken soziale Motive wichtiger als materielle Anreize. Nur wenige Mitarbeiter verweigern sich dem Thema ganz

Das Thema Nachhaltigkeit wird von den Mitarbeitern der Banken sehr ernst genommen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der auf die Finanzbranche spezialisierten Beratungsgesellschaft Zeb. Demnach interessieren sich von den 470 Befragten drei Viertel für das Thema. Ein Fünftel wird der Gruppe der Idealisten zugeordnet. Die der Verweigerer fällt mit 5 Prozent vergleichsweise gering aus.

Von den Befragten stammten 25 Prozent aus dem Top-Management, 22 Prozent aus dem mittleren und 26 Prozent aus dem unteren Management sowie 27 Prozent aus der Mitarbeiterschaft. Der Anteil der Frauen belief sich auf 35 Prozent. Sie zeigen in der Nachhaltigkeit mehr Konsequenz als Männer, lautet eine Kernbotschaft. Doch Klima- und Umweltschutz ist auch für die Männer wichtig, denn sie hegen die Absicht ihr Verhalten zu ändern. Je höher die Berufsposition ist, desto mehr bemühen sich Frauen um Nachhaltigkeit. Unter den Männern ist es genau umgekehrt: Je höher der Rang, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in ihrem Bemühen nachlassen.

Neben dem Geschlecht spielt unter den Mitarbeitern in Banken auch das Alter eine große Rolle. Männer im Alter von 45 Jahren an sind sehr bereit, ihr Verhalten zum Thema Nachhaltigkeit zu verändern. Berufseinsteiger zeigen sich in ihrer Einstellung sehr nachhaltig. Sie legen Wert auf nachhaltige Ernährung, doch gleichzeitig verhalten sie sich widersprüchlich, weil sie überproportional oft Langstreckenflüge nutzen. Die Mitarbeiter, die in Großstädten leben, sind für lange Flugreisen ebenfalls aufgeschlossener.

Auch die 41 Prozent Eltern unter den Befragten zeigen sich eher inkonsequent, wenn es um das Thema Auto geht. Die Autonutzung sehen Familien zwar eher skeptisch, lehnen sie aber nicht vollständig ab. Das dürfte auch mit dem Nutzen des Autos zusammenhängen, der für Familien höher ist als für so manchen Alleinstehenden in Großstädten. So verwundert es nicht, dass Familien mit Kindern eher mit dem Auto verreisen.

Nachhaltiges Verhalten wird sozial vermittelt

Eine zentrale Botschaft der Umfrage ist die Bedeutung sozialer Anreize: Nachhaltiges Verhalten wird sozial vermittelt, und nicht finanziell. Soziale Anreize durch das soziale Umfeld und relevante Vorbilder wirkten förderlicher als materielle Anreize durch Gewinn- oder Sparmöglichkeiten. Nur zusammen mit sozialen Motiven seien materielle Anreize förderlich, ansonsten seien sie eher hinderlich. Das Fazit für die Finanzbranche überrascht wenig: Banken müssen handeln.

Das ist in den vergangenen Jahren verstärkt zu beobachten gewesen. Ein wichtiger Antrieb dazu war bislang die Regulierung. So will die EU-Kommission den Finanzmarkt nachhaltig ausrichten. Doch es winken auch Ertragschancen, weshalb die Zeb-Berater den Banken empfehlen, sich durch Mitarbeiter- und Kundenanalyse zu positionieren. Ferner soll die Beratung auf die verschiedenen Verhaltenstypen beim Thema Nachhaltigkeit abgestimmt werden. Daraus folgt auch eine gezielte Kundenanalyse.

In einer Studie zum deutschen Privatkundengeschäft kam Zeb zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Erträge durch Nachhaltigkeit berührt werden. Es winkt ein Zusatzpotenzial von 1,6 Milliarden Euro.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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