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Lettische Kreditplattformen

Deutsche Anleger lieben osteuropäische Kredite

Von Airisa Adamsone
Aktualisiert am 10.05.2017
 - 16:44
Wo sind Ersparnisse am besten angelegt?
Das kleine Lettland ist einer der größten europäischen Fintech-Märkte. Zwei Kreditplattformen sind auch bei deutschen Anlegern aufgrund hoher Renditechancen beliebt.

In Zeiten von Niedrigzinsen suchen Anleger alternative Investitionsmöglichkeiten, die höhere Rendite versprechen. Eine Möglichkeit ist das sogenannte Peer-to-Peer-Lending. Hier verleihen Privatpersonen Geld an andere Privatpersonen oder kleine Unternehmen. Das geschieht nicht über klassische Finanzinstitute, sondern über Plattformen im Internet.

Diese alternativen Finanzplattformen, die zu den sogenannten „Fintechs“ gehören, sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Zu den größten europäischen Märkten gehört dabei neben Großbritannien, Frankreich und Deutschland erstaunlicherweise das deutlich kleinere Lettland, zeigt etwa eine im vergangenen Dezember veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens KPMG. Im Bereich Peer-to-peer Lending sind es die Plattformen Twino und Mintos, die nicht nur lettische, sondern zu einem wesentlichen Teil auch deutsche Kunden gewonnen haben.

Auf der zwei Jahre alten Kreditplattform Twino können Anleger in unbesicherte Konsumentenkredite investieren, die Twino über Tochtergesellschaften in Polen, Georgien, Dänemark, Russland und Spanien vergibt. “Deutsche Investoren haben bislang mehr als 35 Millionen Euro in Kredite auf unsere Plattform investiert“, sagt Twino-Chef Jevgenijs Kazanins. Das entspricht einem Viertel der investierten Gelder. 3000 deutsche Anleger haben sich bei Twino registriert, die Hälfte davon in den vergangenen sechs Monaten. Im Durchschnitt haben sie 3150 Euro investiert, das Spitzenwert liegt bei 500.000 Euro.

Der Mindestanlagebetrag sind 10 Euro, Anleger können aber auch Kredite komplett finanzieren. Twino empfiehlt den Anlegern die Investitionen auf mehrere Kredite zu verteilen, um das Risiku zu streuen. Zum Schutz der Investoren bietet Twino eine Zahlungs- und eine Rückkaufgarantie an. Ist der Kreditnehmer mit den Zahlungen im Rückstand, streckt Twino die Zahlungen vor. Verspätet sich die Rückzahlung um mehr als 30 Tage, erstattet Twino den investierten Betrag sowie die entgangenen Zinsen. Obwohl es auf Twino auch Kredite ohne Garantien gibt, entscheiden sich die meisten Investoren für das kleinere Risiko: 98 Prozent der vergebenen Kredite habe eine Rückkauf- oder eine Zahlungsgarantie.

Twino-Chef Kazanins vergleicht die Investitionen in der Plattform mit den Unternehmensanleihen. Der Unterschied sei, dass Twino-Investoren Zins und Tilgung monatlich erhielten.

„So wie Amazon“

Etwas anders ist das Geschäftsmodell von Mintos. Auf der Plattform sind verschiedene Nicht-Banken-Kreditgeber registriert, die Investoren anbieten, in vergebenen Darlehen anzulegen. Es handelt sich dabei um spezialisierte Darlehensgeber von Auto-, Hypotheken- oder Geschäftskrediten, aber auch von Factoring- und kurzfristigen Investmentdarlehen.

Mintos-Chef und Mitgründer Martins Sulte vergleicht das Geschäftsmodell mit dem des Internethändlers Amazon: So wie Amazon Verkäufer und Kunden bringe Mintos Investoren und Kreditgeber zusammen, die Kredite an Privatpersonen und auch kleine Unternehmen vergeben.

Anleger aus Deutschland haben über Mintos bislang etwa 46 Millionen Euro in Kredite investiert. Das macht ein Viertel des Gesamtvolumens aus. Mit 8000 Investoren stellt Deutschland zudem fast ein Drittel aller Anleger. Welche Summen sie investieren, hängt auch von ihrem Alter ab: 20-Jährige investieren durchschnittlich mehr als 500 Euro, Über-60-Jährige durchschnittlich mehr als 5500 Euro. Sulte meint, dass die Deutschen ihre Investitionen gut überlegten: die Investitionsportfolien würden vorsichtig gebildet und seien zwischen verschiedenen Kredittypen, -gebern und Ländern diversifiziert.

„Die deutschen Investoren in den ersten Arbeitsmonaten der Plattform spielten eine unschätzbare Rolle,“ sagt Sulte. Er sieht auch für die Zukunft großes Potential. Bis zum Ende des Jahres könnte sich die Zahl der deutschen Investoren verdoppelt haben. Sulte möchte aber nicht nur neue Investoren, sondern auch Kreditgeber aus Deutschland anlocken, deren Darlehen über Mintos finanziert werden könnten. Zur Zeit beziehen 22 Kreditgeber von Georgien über Dänemark bis Spanien Mittel über Mintos.

Im Unterschied zu Twino haftet Mintos weder für Kreditnehmer, die den Kredit nicht bedienen können, noch für verspätete Zahlungen. Es gibt aber einige Maßnahmen, um das Risiko bei der Investitionen zu vermindern. So bleibt der Kreditgeber an jedem Kredit selbst finanziell beteiligt – die Risikobeteiligung oder „skin in the game“ des Kreditgebers beläuft sich auf 2 bis 15 Prozent der Kreditsumme. Für einige Kredite (Hypotheken, Autokredite) werden von den Kreditnehmern Sicherheiten verlangt. Für bestimmte Kredite bieten obendrein die Kreditgeber eine Rückkaufgarantie, falls sich die Rückzahlung um mehr als 60 Tage verspätet.

Dass lettische Kreditplattformen derzeit reüssieren können, liegt zu einem großen Teil daran, dass es in der Europäischen Union keinen einheitlichen Rechtsrahmen für sie gibt. Die Gesetzgebung liegt in der Verantwortung des jeweiligen Landes. Lettland arbeitet zur Zeit erst an einem Gesetz, das die Rahmenbedingungen so gestalten soll, dass das Geschäft nachhaltig ist und Investoren informiert und geschützt sind. Diskutiert wird etwa ein Mindestgrundkapital für eine Plattform, oder ein Mindesteinsatz für Eigenmittel der Kreditgeber („Skin in the game“).

Wie für jede Investition gilt auch bei Kreditmarktplattformen: je höher die Rendite, desto größer das Risiko. Die Rendite der Investitionen auf der Plattformen Mintos und Twino hängt von den ausgewählten Kredittypen und Risikoniveau ab. Durchschnittlich liege die mögliche Rendite bei elf bis zwölf Prozent jährlich, heißt es von den Plattformen.

Von der Finanzkrise beflügelt

Bei alternativen Kreditgebern suchen häufig Personen um einen Verbraucherkredit nach, deren Bonität für einen Kredit bei einem traditionellen Geldhaus nicht ausreicht. Ebenso suchen unter Unternehmen oft diejenige alternative Finanzierungsmöglichkeiten, deren Geschäftspläne Banken zu riskant erscheinen. In Lettland spielte die Wirtschafts- und Finanzkrise vor fast zehn Jahren eine bedeutsame Rolle bei der Entstehung alternativer Kreditgeber.

Nachdem die Banken einen hohen Anteil notleidender Kredite bewältigen mussten, wurde ihre Kreditpolitik solider und vorsichtiger. Auch eine stärkere Regulierung ließ ihre Risikobereitschaft deutlich abnehmen. Gleichzeitig ermöglichten technische Fortschritte neue Methoden für Bonitätsbewertung und eine schnelle Kreditvergabe über das Internet.

Quelle: FAZ.NET
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