Welcher Fonds ist der beste?
Die Welt feiert einen Börsenrekord nach dem anderen, und was machen die Deutschen? Kaufen sie jetzt in großem Stil Aktien oder zumindest Aktienfonds? Weit gefehlt. Sie bleiben einer alten Leidenschaft treu – Anleihen. Das ist das überraschende Ergebnis einer Untersuchung, die das Analysehaus Morningstar für die F.A.S. vorgenommen hat: An der Spitze der Rangliste der zehn beliebtesten Fonds stehen tatsächlich zwei Fonds, die weitgehend auf Anleihen setzen (siehe Tabelle). Einer aus dem Hause der Allianz-Tochtergesellschaft Pimco. Und ein anderer von der britischen Fondsgesellschaft M&G, der man sicher nicht zu nahe tritt, wenn man sie hierzulande als eher unauffällig bezeichnet. Was treibt die Deutschen dazu, Milliarden in solche Fonds zu investieren?
Es ist ein Muster, das sich aus der gesamten Rangliste herauslesen lässt: Geht es um die Geldanlage, bevorzugen die Deutschen fast immer die vermeintlich sicherste Variante. Zu den fünf beliebtesten Fonds zählen neben Anleihefonds vor allem Investmentfonds, die ihren Anlegern versprechen, ihr Geld mindestens zu erhalten – ein wenig ambitionierter Anspruch in Zeiten von Börsenrekorden.
Zwar schafft es der erste reine Aktienfonds immerhin auf Platz 4. Doch dabei handelt es sich mit dem „DWS Top Dividende“ um einen Fonds, in dessen Name ein Zauberwort auftaucht, das Verkaufserfolg garantiert: die Dividende, eigentlich nur ein anderer Begriff für Gewinnausschüttung bei Aktien. Seitdem die Gesellschaften die Dividende als „neuen Zins“ bewerben, greifen die sonst so zögerlichen Deutschen gerne zu.
Nun wäre es angesichts des andauernden Börsenbooms ein Leichtes, sich über den deutschen Hang zur Vorsicht lustig zu machen. Aber zum einen sollte man nicht verschweigen, dass es mehrere reinrassige Aktienfonds immerhin auf die hinteren Plätze der Auswertung geschafft haben. Und zum anderen wäre es ungerecht, jeden vorsichtig ausgerichteten Fonds nun gleich als schlechte Anlageidee abzutun – auch wenn die Anleger manchen Fonds auf der Liste lieber nicht kaufen sollten. „Dass ein Fonds viele Milliarden einsammelt, ist für sich genommen noch kein Qualitätsmerkmal“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. Gerade große Fondsgesellschaften können durch Marketing und Provisionen für ihre Vertriebsleute steuern, welche Fonds die Banken Anlegern anbieten.
Carmignac-Fonds geht baden
Die Nummer eins auf der Liste ist jedoch ein Fonds, in dem nicht zu Unrecht europaweit 58 Milliarden Euro an Anlagegeldern liegen. Den Pimco Income Fonds, gesteuert von Chefanleger Daniel Ivascyn, als Anleihefonds zu bezeichnen ist zwar formal richtig, weil der Fonds tatsächlich nur in Anleihen anlegt. Aber anders als ein klassischer Fonds kauft der Manager eher selten sichere Staatsanleihen aus Deutschland und Amerika.
Er investiert stattdessen viel in Wertpapiere, die seit der Finanzkrise nicht mehr den besten Ruf haben: Durch Hypotheken besicherte Anleihen, auch bekannt als Mortgage backed securities, haben im Jahr 2008 enorm an Wert verloren oder fielen gar aus. Das aber ist lange her, in jüngster Zeit hat sich Amerikas Häusermarkt prächtig entwickelt. Dies ist ein Grund dafür, dass der Fonds 2017 eine Wertentwicklung von vier Prozent erzielen konnte, was ausschließlich mit Anleihen ein richtig gutes Ergebnis ist. Fondsmanager Ivascyn muss für dieses Resultat allerdings einige Risiken eingehen. So kauft er auch Anleihen aus Schwellenländern und von mitunter ausfallgefährdeten Firmen. Dass sich der Erfolg fortsetzt, ist also keineswegs sicher.
Ähnliches gilt für den zweitplazierten M&G Optimal Income Fonds, der theoretisch auch auf Aktien setzen könnte, in der Praxis aber nahezu ausschließlich in Anleihen investiert. Vor allem Firmenanleihen, gerne auch riskanterer Natur, haben dem Fonds 2017 zu einer guten Wertentwicklung von 4,3 Prozent verholfen. Schwächephasen gab es in der Vergangenheit kaum. Auch die vielbeschworene Zinswende (also ein schneller Anstieg der Zinsen) würde dem Fonds nicht so viel ausmachen, da er eher in Anleihen mit kürzeren Laufzeiten investiert. Solche Anleihen verlieren im Falle einer Zinswende typischerweise weniger stark an Wert. Wer also wie viele Deutsche unbedingt einen Fonds mit vielen Anleihen möchte, ist hier gut aufgehoben.
Bei einem Star der Branche dagegen muss man hieran ernsthafte Zweifel haben: Der Franzose Édouard Carmignac hat sich einen legendären Ruf erworben, weil es ihm gelang, das Finanzkrisenjahr 2008 ohne Verluste zu überstehen. Davon zehrt er bis heute, sein Paradefonds Carmignac Patrimoine verwaltet immer noch mehr als 20 Milliarden Euro. Der Patrimoine hat das Jahr 2017 jedoch mit einem katastrophalen Ergebnis abgeschlossen: Er erzielte ein minimales Plus von 0,1 Prozent. Carmignac sichert fast alle seine Aktien- und Anleihekäufe durch Gegengeschäfte mit speziellen Wertpapieren ab. Er will vorbereitet sein, falls die Rally an den Börsen abrupt endet. Das ist löblich, aber solche Absicherungen kosten Geld und bringen seine Anleger um Rendite. Darüberhinaus verlangt Carmignac für seine Arbeit recht hohe Gebühren. Derzeit ist der Franzose sein Geld nicht wert.
Vorsichtig aufgestellte Fonds konnten nicht punkten
Kein gutes Jahr war 2017 auch für den bereits erwähnten Aktienfonds DWS Top Dividende. Die Anleger haben Manager Thomas Schüssler rund 20 Milliarden Euro anvertraut, doch ausgezahlt hat sich das im vergangenen Jahr nicht: Gerade einmal 0,6 Prozent hat der Fonds hinzugewonnen, das ist für einen Aktienfonds miserabel. Schüsslers Strategie, Aktien großer Firmen zu kaufen, die stetig höhere Dividenden ausschütten, ging 2017 nicht auf. Vor allem Pharmakonzerne, in die er gerne investiert, zählten zu den wenigen Branchen, die Kursverluste erlitten. Auf längere Sicht war der Fonds aber sehr erfolgreich, weswegen Anleger ihm treu bleiben sollten.
Der Nordea Stable Return, Platz fünf auf der Liste, hat ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen. Der Fonds hat viele Fans, seitdem es ihm gelang, die Anfang 2016 durch China ausgelösten Börsenunruhen ohne Verluste zu überstehen. Er folgt in gewisser Weise einem mathematischen Ansatz, indem er Aktien und Anleihen kauft, deren Kurse sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln sollen. Das soll vor Verlusten bewahren, bringt aber in starken Börsenjahren wie 2017 eben auch nur einen Gewinn von nicht einmal drei Prozent ein. Positiv hervorzuheben ist eine Entscheidung, die zunächst viele Anleger verärgert hatte. Der Fonds nimmt aktuell keine neuen Anleger auf, weil seine Manager ehrlich eingestanden, dass sie nicht wüssten, wo sie die zusätzlichen Milliarden derzeit sinnvoll anlegen sollten. Freiwillig auf Geld verzichten im Fondsgeschäft nur die wenigsten.
Es lässt sich also ein weiteres Muster erkennen: Vorsichtig aufgestellte Fonds, die die Deutschen so lieben, konnten 2017 nicht punkten. Es ist aber zu erwarten, dass solche Strategien wieder besser funktionieren, sollte die Börseneuphorie sich abschwächen. So paradox es klingt: Man hat den Eindruck, manche Fondsmanager warteten nur darauf, sich in einem Kursabschwung auszuzeichnen. Am besten entwickelt unter den vorsichtigen Fonds hat sich 2017 der „Privatfonds: Kontrolliert“ von Union Investment. Wegen der sehr hohen Gebühr von zwei Prozent ist aber vom Kauf abzuraten.
Mit einem klassischen Ansatz zum Erfolg
Naturgemäß haben sich Fonds mit einem mutigeren Ansatz im vergangenen Jahr besser geschlagen. Der Fonds Multiple Opportunities des Kölner Vermögensverwalters Bert Flossbach ist nach einer kurzen Schwächephase zur Jahresmitte wieder in der Spur: Flossbach investiert vor allem in Aktien, hält aber stets auch einen Anteil von etwa zehn Prozent des Fondsvermögens in Gold. Den Dax schlagen konnte der Vermögensverwalter 2017 allerdings nicht. Der iShares Core Dax, ein Indexfonds (ETF), der die Wertentwicklung des Dax exakt nachbildet, war um sechs Prozentpunkte besser. Dass ein Dax-ETF in der Liste der beliebtesten Fonds auftaucht, beweist: Es hat sich hierzulande herumgesprochen, dass ETF keine schlechte Wahl sind, zumal sie kaum Gebühren kosten.
Der erfolgreichste Fonds auf der Liste folgt interessanterweise aber einem klassischen Ansatz. Der DWS Deutschland unter Fondsmanager Tim Albrecht setzt allein auf deutsche Aktien. Er beschränkt sich dabei aber nicht nur auf Dax-Titel, sondern kauft auch Aktien aus dem M-Dax und S-Dax. Albrecht geht sehr offensiv vor, was mitunter zu Rückschlägen führen kann. Auf längere Sicht gibt es aber kaum einen besseren deutschen Aktienfonds. Gute Arbeit hat im vergangenen Jahr auch der Allianz Europe Equity geleistet, der in europäische Aktien investiert. Allerdings steht nun ein anderer Fondsmanager als bisher an der Spitze. Anleger müssen genau beobachten, ob sich die gute Entwicklung fortsetzt.
Alles in allem haben die Deutschen also nicht die schlechteste Wahl getroffen. Dies sollte sie aber nicht davon abhalten, schlechte Fonds ohne Zögern loszuwerden.











