Scherbaums Börse

Geld vergeht, Gold besteht?

Von Christoph Scherbaum
08.10.2021
, 09:46
Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.
Gold spielt für viele private Investoren heute nur noch eine Nebenrolle als Anlageobjekt. Dennoch könnte das Edelmetall aufgrund von Inflationssorgen wieder neue Anhänger gewinnen. Nicht ganz zu Unrecht.
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Das Thema Inflation ist an den Finanzmärkten nach langer Abwesenheit zurück. Die Inflationsdaten in den Vereinigten Staaten, in der Eurozone und in Deutschland steigen. Wie das europäisches Statistikamt Eurostat am vergangenen Freitag nach einer ersten Schätzung mitteilte, lag die Inflationsrate im September in der Eurozone bei 3,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren. Im August hatte sie 3 Prozent betragen. Wer langjähriger Fan einer Gold-Anlage ist, könnte sich nun auf den ersten Blick in seinem Investment bestätigt sehen – wird doch das glänzende Edelmetall von vielen Fans stets als Inflationsschutz angesehen.

Wer sich den Verlauf des Goldpreises in der jüngsten Zeit und auch seit Jahresanfang anschaut, muss sich aber eingestehen, dass Gold derzeit nur bedingt vor Inflation zu schützen vermag. Auf Jahressicht notiert das Edelmetall etwa neun Prozent im Minus, allein im September notierte der Goldpreis 3,5 Prozent niedriger als im Vormonat. „Der Goldpreis löst bis auf Weiteres keine Signale aus. Die Stimmung unter den Anlegern ist etwas gedrückt“, meint dazu Martin Siegel, Edelmetallexperte bei Stabilitas. „Die Seitwärtsbewegung der letzten Monate führt dazu, dass die Anleger generell Interesse an diesem Marktsegment verlieren und Gold links liegen lassen.“

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Schwieriges Anlageumfeld

Derweil stellen sich institutionelle Investoren in einem nach Corona veränderten Umfeld auf langfristig steigende Inflationsraten ein. Das ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Pureprofile-Studie, in der 100 Vermögensverwalter und professionelle Investoren aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und der Schweiz zu ihren Zukunftsprognosen befragt wurden. Fast alle (97 Prozent) sehen demnach den schon in der Corona-Krise feststellbaren Schwenk weg von der Globalisierung hin zu Produktions- und Logistikstrukturen vor Ort bereits für die nächsten drei Jahre als Preistreiber.

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Christoph Scherbaum

Raphael Scherer, von philoro Edelmetalle, sieht sich dadurch in seiner Einschätzung der künftigen Entwicklung bestärkt. Er rät auch Privatanlegern, sich wie institutionelle Investoren entsprechend abzusichern. Privatanleger wären in einem „Umfeld gefangen, das ihnen nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten lässt“, warnt Scherer. Er verweist auf den seit vielen Jahrzehnten hochgehaltenen Begriff des „sicheren Hafens“, den Gold für Anleger darstelle.

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Analysten sehen Bodenbildung

Doch der vielzitierte sichere Hafen scheint im Augenblick kaum für ein Investment attraktiv zu sein. Zumindest seitens der Charttechnik hat es den Anschein. „Gold hat sich seit August 2020 tendenziell nach unten entwickelt“, sagt Martin Utschneider, Leiter der technischen Analyse beim Bankhaus Donner & Reuschel. „Seit dem damaligen Allzeit-Hoch bei 2.075 Dollar gab der Goldpreis massiv ab“. Bei 1677 Dollar scheint sich nun aber „ein Boden gebildet zu haben“, ergänzt der Analyst.

Die markttechnischen Indikatoren würden laut Utschneider mittelfristig nach wie vor von einer herausfordernden Gemengelage zeugen. Dennoch ist er ebenfalls der Meinung, dass wenn sich die „aktuell vorherrschenden Unsicherheiten in Verbindung mit dem Corona-Virus und damit einhergehender Wirtschaftseinbußen sowie den weiter steigenden Inflationsdaten verschärfen“, dieser Mix noch zu einem Treiber für den Goldpreis werden könnte.

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Werthaltigkeit von Gold unumstritten

Auch die Helaba schreibt in ihrer aktuellen Gold-Analyse, dass „ein stürmischer Herbst Gold den entscheidenden Schub bringen“ könnte. Martin Utschneider von Donner & Reuschel nennt hierfür konkrete Kursziele: Kurz- bis mittelfristig könnten die Notierungen bis in den Bereich von 1852 Dollar klettern, langfristig könnte auch die magische 2000-Dollar-Marke wieder in den Fokus geraten. „Generell bleibt die Werthaltigkeit von Gold unumstritten, so Utschneider, allerdings zeige sich der Preis eben weiterhin recht volatil.

Wer plant, Gold über einen längeren Zeitraum im Depot zu haben, dürfte diese Woche aufgehorcht haben, als sich Analysten der amerikanischen Investmentbank Jefferies äußerten. Sie sehen in Gold und Bitcoin langfristig zwei gute Absicherungsmöglichkeiten, da das Szenario einer Stagflation weiter zunehme. Ihre langfristige Prognose für den Goldpreis liegt bei mehr und nicht weniger als 5500 Dollar pro Unze. Abseits dieses Kurszieles dürfen sich Anleger zumindest über eines bei Gold sicher sein: Wer Anlagegold (in Form von Münzen und Barren) über ein Jahr gehalten hat und anschließend verkauft, muss auf den Gewinn keine Steuern zahlen – Inflation hin oder her.

Quelle: FAZ.NET
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