Hedge Fonds

Deutsche Dach-Hedge-Fonds enttäuschen im ersten Jahr

12.08.2005
, 18:47
Eine enttäuschende Wertentwicklung belastet den Absatz bei Dachfonds. Die Zugangsregelung des Gesetzgebers für Privatanleger hat sich bislang als kontraproduktiv erwiesen.

Die Einschränkung des deutschen Gesetzgebers, Privatanlegern, soweit es geht, nur über Dachfonds einen Zugang zu Hedge-Fonds zu gewähren, hat sich bislang als kontraproduktiv erwiesen. Im ersten Jahr ihres Bestehens haben Dach-Hedge-Fonds im Vergleich zu den klassischen Anlagen in Aktien- oder Rentenfonds unterdurchschnittlich abgeschnitten und damit die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt.

Die Marktbedingungen für Hedge-Fonds waren in den vergangenen zwölf Monaten wegen niedriger Kursschwankungen schwierig. Zudem haben Dachfonds auch den Nachteil einer doppelten Gebührenbelastung, weil sowohl auf Dachfondsebene wie auch auf der Ebene der Einzelfonds Kosten anfallen.

Hinter herkömmlichen Fonds zurückgeblieben

Unter den neun Dach-Hedge-Fonds, die inzwischen eine Wertentwicklung über zwölf Monate vorweisen können, haben sogar zwei einen Verlust erwirtschaftet. Am erfolgreichsten schnitt mit einem Zuwachs von 7,7 Prozent im ersten Jahr seines Bestehens nach eigenen Angaben der Dach-Hedge-Fonds des unabhängigen Kölner Fondsmanagers Eckhard Sauren ab. Allerdings liegt auch dieser Wert auf dem Niveau eines durchschnittlichen Rentenfonds und weit hinter gängigen europäischen Aktienfonds im gleichen Zeitraum.

Die Argumentation, daß Hedge-Fonds eine Wertentwicklung versprechen, die sich von der allgemeinen Marktentwicklung abkoppelt, kehrt sich vor diesem Hintergrund ins Gegenteil des gewünschten Effekts. Während der Startphase der für deutsche Anleger neuen Produkte hatte der Bundesverband Investment (BVI) die Wertentwicklung der neuen Produkte in den ersten sechs bis zwölf Monaten und die gleichzeitige Kursentwicklung auf dem Aktienmarkt als maßgebliche Faktoren für den Markterfolg genannt. „Ansonsten werden die Anleger in Aktien investiert bleiben und weniger Mittel für Hedge-Fonds zur Verfügung stellen“, lautete damals die Befürchtung.

Diese ist nun Wirklichkeit geworden. Der Absatz von Hedge-Fonds-Anteilen ist inzwischen zum Stillstand gekommen. Im vergangenen Monat gab es sogar leichte Nettomittelabflüsse. Insgesamt wurde per Ende Juni nach Angaben des BVI in den 17 bei ihm registrierten Hedge-Fonds ein Vermögen von einer Milliarde Euro verwaltet. In den konkurrierenden Hedge-Fonds-Zertifikaten - die im Vergleich zu den deutschen Dach-Hedge-Fonds allerdings wesentlich intransparenter sind, vor allem was die Kosten für den Anleger betrifft - sollen dagegen zwölf Milliarden Euro liegen.

Offenbar Konzeptproblem

Zu den teilweise erfolgreicher agierenden Einzelfonds - die drei Einzel-Hedge-Fonds der DWS weisen etwa im Gegensatz zum glücklos agierenden Dachfonds ausnahmslos Zuwächse zwischen sieben und 16 Prozent seit Auflegung aus - haben Privatanleger dagegen nur mit Schwierigkeiten Zugang.

Fondsanbieter dürfen diese nur über den Weg der Privatplazierung verkaufen, das heißt nicht aktiv bewerben. Daß die unterdurchschnittliche Wertentwicklung von Dach-Hedge-Fonds kein deutsches Phänomen ist, machte vor einem Jahr schon eine Studie der Investmentbank Merrill Lynch deutlich, die sich unter anderem mit den Gewinnaussichten in steigenden und fallenden Märkten befaßte. Danach blieben die untersuchten internationalen Fonds in der Zeit steigender Kurse zwischen Januar 1994 und August 2000 in der Wertentwicklung hinter dem Marktdurchschnitt zurück.

In der Zeit fallender Kurse war die Überrendite im Marktvergleich nur marginal. Die Merrill-Lynch-Analysten sahen zwei Gründe für diese Entwicklung. Zum einen drücke die schon angesprochene doppelte Gebührenbelastung. Zum anderen tun sich Dachfonds-Manager offenbar schwer damit, ein erfolgreiches Portfolio aus Einzelfonds zusammenzustellen - wobei vor allem eine Auswahl nach den Anlageerfolgen der Vergangenheit (Track Record) für negative Ergebnisse sorge. Im schlechtesten Fall für den Anleger kommen beide Probleme zusammen.

Quelle: F.A.Z., 13.08.2005, Nr. 187 / Seite 17
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