Hedge Fonds

Die Zukunft der Hedge Fonds

Von Hanno Beck
17.08.2005
, 13:40
Mehr Transparenz am Hedge Fonds-Markt wird kommen. Doch zuviel davon könnte der Anlageklasse den Garaus machen.

Mehr Transparenz am Hedge Fonds-Markt wird kommen, glauben auch die Hedge Fonds-Manager selbst. Doch damit stehen sie natürlich vor zwei Problemen: Zum einen will man sich ungerne in die Karten schauen lassen, was die eigene Handelstaktik angeht. Zum anderen bedeutet eine zunehmende Regulierung auch wachsenden Aufwand und sinkende Investmentfreiheit - und am Ende einer solchen Veranstaltung müßten sie dann den gleichen Überwachungs- und Kontrollapparat wie eine Bank aufbauen.

Dann könne man auch gleich eine Banklizenz kaufen oder wieder dahin zurückkehren, wo die Hedge Fonds ursprünglich herkommen - nämlich aus den Banken. Aber auch auf der Aufsichtsseite hat man ein Problem mit der direkten Regulierung von Hedge Fonds, das eher pragmatischer Natur ist: Je höher das Ausmaß der Regulierung wird, um so eher werden sich die Fonds dieser Aufsicht entziehen, indem sie auf Steuer- und Aufsichtsparadiese ausweichen - dann laufen alle Regulierungsbemühungen ins Leere.

Intelligenter scheint da der Weg einer indirekten Regulierung. Eine Möglichkeit besteht darin, die long-short-Relation, also das Verhältnis zwischen gekauften Aktien und leer verkauften Aktien, für den Gesamtmarkt transparenter zu machen, wie es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten gemacht wird. Sinkt dieses Verhältnis beispielsweise, so deutet es darauf hin, daß immer mehr Marktteilnehmer Aktien verkaufen, ohne sie zu besitzen, also mit Hilfe dieser sogenannten Leerverkäufe auf sinkende Kurse wetten. Diese Information würde den Markt und die Marktstimmung transparenter machen und könnte damit dazu beitragen, das Geschehen an der Börse rationaler zu machen und die Spekulationslust einiger Marktteilnehmer zu bremsen.

Je mehr Anleger leer verkaufen, um so wahrscheinlicher wird eine Gegenreaktion, auf die dann andere Fonds wetten, womit sie die Übertreibung bremsen. "Was die Transparenz bezüglich der Leerverkäufe angeht, ist der deutsche Markt noch sehr intransparent", sagt Claus Löwe vom Hedge Fonds Arsago. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung: Die Information müßte man nicht bei jedem einzelnen Hedge Fonds dezentral abfragen - die Deutsche Börse wäre die Quelle. Allerdings wird dieses Unterfangen schwierig, sobald Transaktionen im außerbörslichen Geschäft erfolgen.

Basel III für Hedge Fonds?

Eine weitere Möglichkeit der indirekten Regulierung könnte darauf abzielen, das Ausmaß der Kreditfinanzierung der Hedge Fonds transparenter zu machen. Will man dies auch hier nicht direkt bei den Hedge Fonds, sondern indirekt erreichen, so müßte man sich an die kreditgebenden Banken wenden. Eine Aufsicht darüber, welche Kredite Banken und deren Handelspartner (Prime Broker) an Hedge Fonds vergeben und nach welchen Kriterien, könnte helfen zu verhindern, daß sich die Krise eines Hedge Fonds ins Bankensystem fortsetzt. Das Ausmaß der Kreditfinanzierung eines einzelnen Hedge Fonds bringt man dadurch zwar nicht in Erfahrung, man kann aber verhindern, daß einzelne Banken durch zu exzessive Kreditfinanzierung an Hedge Fonds - die oft die besten Kunden der bankeigenen Handelsabteilung sind - sich selbst gefährden.

„Eine solche Regulierung der Kreditfinanzierung würde im Prinzip auf eine Art Basel III für die Kreditvergabe an Hedge Fonds hinauslaufen“, sagt Arsago-Manager Löwe. Ein erster Schritt sind die 1999 beschlossenen Wohlverhaltensrichtlinien für Geschäfte von Banken mit Hedge Fonds, die der Basler Ausschuß für Bankenaufsicht bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich veröffentlicht hat. Ziel dieser Richtlinie ist eine sorgfältigere Einschätzung des Kreditrisikos im Geschäft mit Hedge Fonds sowie ein besseres Risiko-Management der Banken.

Die Zukunft

Mehr Transparenz wird kommen, das glauben auch die Hedge Fonds selbst, und die meisten von ihnen dürften auch dazu bereit sein, solange die Transparenz für sie nicht zu teuer wird und nicht dazu führt, daß ihre Handelsstrategien in Börsenmagazinen feilgeboten werden. Für die wachsende Rolle der Hedge Fonds sind die Banken mitverantwortlich: Sie gehen immer mehr dazu über, Kreditportfolios zu verbriefen und an Investoren zu verkaufen, die bereit sind, der Bank das Risiko abzunehmen - und das sind dann oft genug Hedge Fonds.

„Wir erleben es oft, daß wir mit einer Bank eine Finanzierung vereinbaren und ein paar Monate später ein Hedge Fonds kommt, der unser neuer Gläubiger ist“, hört man bei Beteiligungsgesellschaften. Inwieweit ein solches Vorgehen nicht das Geschäftsmodell einer Bank als kreditvergebende Institution in Frage stellt, steht auf einem anderen Blatt. Wenn die Bank das Risiko eines Kredites sofort weiterveräußert, verkommt sie zu einem bloßen Makler, der Kredite bei den Unternehmen einsammelt und sie an andere Marktteilnehmer weiterveräußert.

Weiterhin dürfte auch die New Economy-Blase der Investitionsstrategie von Hedge Fonds Auftrieb gegeben haben: Nachdem viele Portfolios, die sklavisch dem Markt oder einem Index gefolgt sind, heute nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, gewinnt der Gedanke eines marktunabhängigen Portfolios mit stärker diversifizierten Risiken an Attraktivität. Zu einem solchen Portfolio gehören dann eben viele Vermögensklassen und auch der Einsatz von Derivaten - womit noch keine Aussage darüber getroffen ist, wie riskant so ein Portfolio ist.

Je mehr die Portfolios mit Hilfe solcher Strategien und Derivate abgesichert werden, um so besser dürfte das nicht nur für die Anleger, sondern auch für die Stabilität der Finanzmärkte sein. Im Gegensatz zum breiten Publikum haben manche Hedge Fonds-Manager sich bereits im Jahr 2000 mit Grausen vom Aktienmarkt abgewendet und haben die Übertreibungen der Märkte den „traditionellen“ Investment-Vehikeln überlassen. Zumindest das haben die vergangenen fünf Jahre gezeigt: Gier, Übertreibung und Fehlentscheidungen machen keinen Unterschied zwischen Hedge Fonds und dem Rest des Marktes.

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Quelle: F.A.Z., 13.08.2005, Nr. 187 / Seite 18
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