Hedge Fonds

In Manhattan werden die Götter knapp

17.08.2005
, 13:37
Das explosive Wachstum der Hedge-Fonds-Branche treibt in Amerika kuriose Blüten. Nicht nur gehen manchen Fonds-Managern wegen der wachsenden Konkurrenz die lukrativen Anlageideen aus, sondern auch die Namen.

Als Fondsmanager Alan Ware vor drei Jahren einen Hedge-Fonds in New York gründete, hatte er keine Schwierigkeiten damit, Anleger zu finden und ein geräumiges Büro anzumieten. Sein größtes Problem war es, daß alle griechischen Götternamen schon von anderen Hedge-Fonds belegt waren, erzählte Ware dem „Wall Street Journal“. Auch Namen von Tieren, Gebirgsketten, Flüssen, Straßen und sogar Sonnensystemen waren schon vergeben.

Nach längerer Überlegung taufte Ware seinen Hedge-Fonds Pike Place Capital Management. Das ist der Name eines Bauernmarktes in Wares Geburtsstadt Seattle. „Das war schwieriger, als Namen für meine Kinder zu finden“, sagt Ware.

Fauna und Flora werden geräubert

Der Wettbewerb um die Namen ist in den vergangenen Jahren hart geworden. Der Wettbewerb ist besonders groß um Bezeichnungen, die etwas Aufstrebendes, Mächtiges oder Majestätisches signalisieren sollen. Amerikanische Flora und Fauna wie Blue Spruce (Blautanne), Aspen (Espe) oder Sequoia (Mammutbaum) sind bereits registriert. Das gilt auch für mythische Figuren wie Unicorn (Einhorn) und das geflügelte Pferd Pegasus. Ein Hedge-Fonds nennt sich Orca (Killerwal), wohl um mit aggressiven Anlagemethoden zu locken. Ein anderer heißt Ursus. Das lateinische Wort für Bär deutet an, daß der Fonds auf fallende Kurse wettet. Der New Yorker Hedge-Fonds Omega Advisors ist ein Beispiel für Fonds, die nach dem griechischen Alphabet benannt sind. Auch diese Buchstaben sind alle vergeben.

Manche Namen wie Beacon Hill (Leuchtfeuer-Hügel) und Granite Partners wären strahlende Alternativen für die Namensgebung. Aber die Nachfrage nach ihnen dürfte nicht groß sein, weil die gleichnamigen Fonds wegen schlechter Entwicklung geschlossen worden sind. Ähnliches gilt für Long-Term Capital Management. Die Schieflage dieses Fonds hatte 1998 das Finanzsystem bedroht. Der Fonds hat sich inzwischen in JWM Partners umgetauft. Das sind die Initialen des Gründers John W. Meriwether.

Der Name des Gründers gilt als die einfachste Variante der Fonds-Taufe. „Einen Fonds nach sich selbst zu benennen ist die sicherste Sache“, meint Steve Nadel, ein auf Hedge-Fonds spezialisierter Jurist in New York. Einer der Stars der Branche, Steven A. Cohen, hat für seinen Fonds SAC Capital auch auf seine Initialen zurückgegriffen. Einer seiner früheren Händler, Michael Zimmerman, hat jüngst ebenfalls einen eigenen Fonds gegründet. Zimmerman hatte offenbar auch Schwierigkeiten, einen Namen zu finden, der Autorität ausstrahlt. Seine Gesellschaft heißt Prentice (Lehrling) Capital Management.

Um einen aussagekräftigen Namen zu finden, begeben sich manche Investmentmanager auch in Internetforen. Eine „Frances“ fragte im November vergangenen Jahres im Forum der Internetseite MarketingProfs.com nach Rückmeldungen zu ihren Namensideen für einen Hedge-Fonds. Einer ihrer Vorschläge war das Kunstwort Catalyte, das so ähnlich klingen sollte wie Catalyst (Auslöser/Beschleuniger). Catalyst sei weggeschnappt worden, schrieb Frances. Die Antwort eines „Nicko“ unterstrich die Tortur der Namensfindung für Hedge-Fonds: „Catalyte klingt nach der Harnwegsinfektion einer Katze.“

Quelle: F.A.Z., 13.08.2005, Nr. 187 / Seite 18
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