Machtkampf in Wiesbaden

Hedgefonds Petrus sucht Konfrontation mit Aareal Bank

Von Hanno Mußler
14.04.2021
, 18:18
Der Hedgefonds erhöht mit Gegenvorschlägen für den Aufsichtsrat den Druck auf den Immobilienfinanzierer. Seine jetzt genannten Kandidaten sind vorzeigbar und könnten auch andere Aktionäre überzeugen.

Der Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat der Wiesbadener Aareal Bank und dem britisch-österreichischen Hedgefonds Petrus Advisers spitzt sich zu. Nicht ganz unerwartet hat Petrus für die am 18. Mai anstehende Hauptversammlung drei Aufsichtsräte zur Wahl vorgeschlagen, die die Aufsichtsratsvorsitzende Marija Korsch und die Aufsichtsräte Christof von Dryander (ehemals Chefjustiziar der Deutschen Bank) und Dietrich Voigtländer (früher Vorstandsvorsitzender der West LB) ersetzen sollen. Dieses Vorschlagsrecht hat Petrus dank seines Aktienpakets von 9,4 Prozent, obwohl bisher keine Wahlen auf der Tagesordnung standen, weil alle acht Aufsichtsräte der Aktionäre bis zu den Jahren 2023 oder 2024 gewählt sind.

Petrus erhöht mit seinen Gegenvorschlägen den Druck auf Korsch und will nun um Unterstützung anderer Aktionäre für seine Kandidaten werben. Inhaltlich fordert Petrus von der Aareal Bank unter anderem höhere Eigenkapitalrenditen von 8 bis 10 Prozent nach Steuern, eine niedrigere Vergütung für den sechsköpfigen Vorstand und einen Verkauf der IT-Tochtergesellschaft Aareon. Diese Forderungen, die von einigen Beobachtern geteilt werden, sucht Petrus durch mehr Kontrolle im Aufsichtsrat auf den Vorstand durchzusetzen. Dies geschieht in einer Zeit, in der während der Corona-Pandemie das nicht zuletzt auf Einzelhandel und Hotels fokussierte Kreditgeschäft des Immobilienfinanzierers Aareal einem Belastungstest ausgesetzt ist. Die Aareal-Bank-Aktie musste im März vom M-Dax in den S-Dax absteigen.

Laber im Profil

Als Nachfolger für die frühere Metzler-Partnerin Korsch schlägt Petrus nun den 67 Jahre alten Heinz Laber als neuen Aufsichtsratsvorsitzenden vor. Laber war bis Ende 2017 vierzig Jahre lang für die Hypo-Vereinsbank und deren Vorgängerinstitute wie die Bayerische Vereinsbank tätig – davon zwölf Jahre als Vorstand für Personal und IT. Laber kam kurz nach dem Kauf der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredit in den HVB-Vorstand und erwarb sich dort damals den Ruf eines Managers, der mit viel Nervenstärke, Geschick und Härte Personalabbau und IT-Migration abgebrüht durchfocht. So war Laber als Personalchef nicht unbeteiligt, als 2006 etwa der Abgang der heutigen UBS-Deutschlandchefin Christine Novakovic (Licci) aus dem HVB-Vorstand mit vielen Schlagzeilen und recht unsanft erfolgte. Auch Marc Heß, der als Finanzvorstand der Aareal Bank derzeit den erkrankten Vorstandsvorsitzenden Hermann Merkens vertritt, hat zur Zeit von Laber für die HVB gearbeitet: Hess war dort für die Kontakte zu Anlegern (Investor Relations) zuständig.

Derzeit ist der gebürtige Münchener Laber unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der BVV, der mit 30 Milliarden Euro größten Pensionskasse Deutschlands. Mit seinem Profil scheint Laber gut zu Petrus und seinen Vorstellungen zu passen. Als weiteres neues Aufsichtsratsmitglied schlägt Petrus die Österreicherin Marion Khüny vor, die im Aufsichtsrat der Erste Group sitzt und früher bei der Commerzbank beschäftigt war, sowie den ehemaligen Zurich- und Swiss-Re-Manager Thomas Christian Hürlimann.

Die Aareal Bank hatte schon vor einigen Tagen die Kritik von Petrus abermals zurückgewiesen. Korsch erklärte, sie sehe keinen Grund, ihr Mandat niederzulegen. Ihr Vertrag läuft noch bis 2023. Wie der Machtkampf mit Petrus ausgeht, erscheint offen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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