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Mit höheren Zinsen

Anleger zeichnen mehr Mittelstands-Anleihen

Von Mark Fehr
 - 14:11
Katjes Produktion in Emmerich

Kleine und mittlere Unternehmen leihen sich immer mehr Geld von Anlegern, indem sie Anleihen begeben. So hat der Markt für Mittelstands-Bonds im Jahr 2019 sein Wachstum fortgesetzt, wie eine Auswertung durch das Kölner Beratungsunternehmen IR.on zeigt. IR steht dabei für Investor Relations, also die Kommunikation zwischen kapitalmarktorientierten Unternehmen und deren Investoren.

Demnach haben im vergangenen Jahr 35 Unternehmen 40 Mittelstandsanleihen begeben und auf diesem Weg 1,36 Milliarden Euro von Gläubigern eingesammelt. Das ist ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit einem plazierten Volumen von 1,14 Milliarden Euro. Die Zahl der neuen Anleihen stieg um 14 Prozent. Das plazierte Volumen ist das dritte Jahr in Folge gestiegen und hat den zweithöchsten Stand seit 2012 erreicht. Das im betrachteten Zeitraum größte Volumen wurde mit 2,6 Milliarden Euro in 2013 plaziert.

Mit dem plazierten Volumen ist der Betrag gemeint, den die Unternehmen tatsächlich aufnehmen konnten. Dem gegenüber steht das Zielvolumen, also der Betrag, den die Unternehmen maximal einsammeln wollten. Im vergangenen Jahr konnten laut IR.on 77 Prozent des Zielvolumens von insgesamt 1,77 Milliarden Euro plaziert werden. 2018 lag die Quote noch bei 71 Prozent. Eine steigende Quote spricht für einen wachsenden Anlagedruck bei den Anleiheinvestoren oder für ein gestiegenes Vertrauen in die Unternehmen.

Mittelstandsanleihen locken Anleger mit deutlich höheren Zinsen als sie die Bonds von Großunternehmen bieten. Dax-Konzerne mit hoher Kreditwürdigkeit können derzeit Anleihen zum Nullzins oder sogar zu negativen Zinsen auf den Markt werfen. Dagegen erhöhte sich der Kupon der 40 im Jahr 2019 emittierten Mittelstandsanleihen laut IR.on um 46 Basispunkte auf 5,57 Prozent. Im Vorjahr lag der Durchschnittszins bei 5,11 Prozent. Die Studienautoren sehen das gestiegene Zinsniveau als Folge der nachlassenden Konjunktur. Offenbar wollten die Unternehmen ihre Finanzen wetterfest machen und waren daher bereit, etwas höhere Zinsen zu zahlen.

Kleine Beträge ab 1000 Euro

IR.on hat für seine Auswertung Anleihen berücksichtigt, die alle drei folgenden Kriterien erfüllen: Börsennotierung, Volumen bis maximal 150 Millionen Euro sowie eine kleine Stückelung von höchstens 1000 Euro. Dank der kleinen Stückelung können auch Privatanleger zugreifen. Wer als Anleger eine Anleihe eines Unternehmens zeichnet, wird zu dessen Gläubiger. Der Schuldner muss das geliehene Geld zum Ende einer jeweils festgelegten Laufzeit zurückzahlen. Ist eine Anleihe börsennotiert, kann der Anleger sie verkaufen und sich das investierte Geld unter Umständen schon vor Ende der Laufzeit zurückholen. Die restlichen Zinsen fließen ab dem Tag des Verkaufs jedoch dem neuen Eigentümer zu. Zudem kann der tägliche Kurs der Anleihe je nach der Entwicklung des Unternehmens und abhängig von Angebot und Nachfrage deutlich vom Rückzahlungsbetrag abweichen.

Die Kurse von Anleihen sinken insbesondere dann, wenn Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Emittenten wachsen. Fällt der Kurs einer Anleihe, bewegt sich deren Rendite nach oben. Das liegt daran, dass Spekulanten sich die Zinszahlungen dann deutlich billiger sichern können als Anleger, die zu hohen Kursen eingestiegen sind oder gezeichnet haben.

Risiko des Totalverlusts

Auch der Anstieg der Kupons neuer Anleihen kann ein steigendes Risiko für Anleger signalisieren. Im Jahr 2019 fiel indes nur eine Anleihe aus – nach drei Ausfällen im Vorjahr. So hatte das Unternehmen Golfino, das Mode für Golfsportler herstellt, im November 2019 Insolvenz angemeldet. Der Kurs der 4 Millionen Euro umfassenden Golfino-Anleihe brach daher um fast 100 Prozent ein. Anleger müssen also mit einem Totalverlust rechnen.

Die insgesamt vier Ausfälle der Jahre 2018 und 2019 sind allerdings überschaubar, verglichen mit der Pleitewelle im Segment der Mittelstandsanleihen, die 2012 ihren Anfang nahm und in deren Folge viele Privatanleger Geld verloren haben. Der Negativrekord wurde im Jahr 2016 aufgestellt, als 17 Mittelstandsanleihen im Volumen von 885 Millionen Euro ausfielen.

Die meisten der insgesamt 35 mittelständischen Anleiheemittenten stammten 2019 mit 29 Prozent aus dem boomenden Immobiliensektor. Jeweils 11 Prozent der Unternehmen sind Finanzdienstleister und Beteiligungsunternehmen, weitere jeweils 9 Prozent zählen zu den Branchen Automotive und Rohstoffe. Dabei konnte das im Jahr 2017 mit großem Marketingaufwand ins Leben gerufene Börsensegment Scale keine der hier genannten Anleihemissionen verzeichnen. Scale ist eine Art Nachfolger des gescheiterten Neuen Marktes und umfasst Aktien sowie Anleihen von Wachstumsunternehmen.

Das größte Volumen sammelte laut IR.on der an der Wiener Börse gelistete Immobilieninvestor S Immo mit zwei Anleihen über insgesamt 250 Millionen Euro ein, die er jeweils voll plazieren konnte. Den mit Abstand höchsten Zins von 13 Prozent bietet die 40 Millionen Euro umfassende Anleihe der Iute Credit, einer auf Kleinkredite spezialisierten Bank aus Estland. Die Beteiligungsgesellschaft der Süßwarengruppe Katjes konnte mit 110 Millionen Euro sogar 10 Millionen Euro mehr plazieren als angepeilt. Der Katjes-Bond bietet einen Kupon von 4,25 Prozent und läuft bis 2024.

Für 2020 erwarten die neun von IR.on befragten Banken 23 Emissionen und damit deutlich weniger neue Anleihen als 2019. Dabei dürfte es sich allerdings um eine konservative Schätzung handeln – schließlich wurde schon die für das Vorjahr erwartete Zahl von 21 Emissionen mit 40 tatsächlichen Transaktionen deutlich übertroffen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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