Neue Anleihen

Holen, was zu holen ist

Von Gregor Brunner
23.01.2022
, 12:59
Sie scharren nicht, sie galoppieren schon: Am Anleihemarkt will sich nun noch jeder schnell günstig mit Geld versorgen.
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Zwar steht der Prozess der Zinserhöhungen gerade noch am Anfang. Dennoch stürzen sich Unternehmen noch ein letztes Mal während der Niedrigzinsphase in den Anleihemarkt.
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In der vergangenen Woche war nicht mehr nur Hufescharren zu vernehmen, die Pferde am Anleihemarkt waren längst losgaloppiert. 23 Unternehmen begaben 38 Euro-Anleihen zu insgesamt 22,2 Milliarden Euro. 2021 gab es kein höheres wöchentliches Volumen. Die sich abzeichnende Zinswende treibt die Unternehmen dazu, sich noch schnell zu refinanzieren, auch wenn Zinserhöhungen seitens der Notenbanken in den Vereinigten Staaten noch bevorstehen und in Europa wohl noch auf sich warten lassen werden.

In Großbritannien, Osteuropa und Teilen Ostasiens sind Zentralbanken sozusagen im Vorgriff auf die amerikanische Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) schon zur Tat geschritten. Dennoch, ein Vorbote steigender Zinsen ist die Entwicklung der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die am Mittwoch erstmals seit Mai 2019 wieder oberhalb der Null lag. Am Markt ist ihr sowie ihrem US-Pendant gegenüber eine taktische Neupositionierung zu beobachten. Nach der kalten Nacht jahrelang ultraniedriger Zinsen wittern Investoren die Morgenluft jüngerer, besser verzinster Alternativen.

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Wenig überraschend beteiligen sich Staaten und supranationale Organisationen am Rennen. Die Europäische Union (EU) sichert sich mit einer 15-jährigen grünen Euro-Anleihe noch den relativ niedrigen Zinssatz von 0,4 Prozent. Die Renditeerwartung hält sich damit zwar in Grenzen, aber die Mindeststückelung von einem Euro bei gleichzeitiger Bewertung mit der Note „AAA“ durch die Rating-Agentur Fitch suggeriert zumindest Stabilität, auch für kleines Geld. Auch Belgien ist mit von der Partie. 0,35 Prozent Zinsen auf zehn Jahre greifen etwas kürzer als die EU, aber mit einer Mindeststückelung von einem Cent eine nochmals liquidere Alternative.

Die Entwicklungsbank des Europarates platziert zwei Anleihen in Fremdwährungen, jeweils mit höheren Zinsen, als es vielleicht in Euro notwendig wäre. Sowohl die Norges Bank als auch die Bank of England hatten Ende des vergangenen Jahres schon ihre Zinsen erhöht und weitere Schritte könnten in diesem Jahr folgen. Die Pfund-Anleihe sichert der Entwicklungsbank für gut viereinhalb Jahre 1,25 Prozent, die Anleihe, die auf norwegische Kronen lautet, für ein halbes Jahr länger 1,99 Prozent Zinsen.

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In Deutschland wie Österreich melden sich auch zum Ende der Niedrigzinsphase mehrere Banken nochmals mit Neuemissionen. Die besten Zinsen sind bei der Bayern LB zu holen, die mit 0,51 Prozent lockt. Allerdings ist die Einstiegshürde mit 50 000 Euro recht hoch, aber die fünfjährige Laufzeit eher kurz. Zwei der größten Sparkassen Deutschlands und Österreichs warten mit 0,45 Prozent auf. Die Erste Group hat mit einer Laufzeit bis 2029 den längeren Atem, während die Schuldverschreibung der Hamburger Sparkasse 2028 fällig wird. Letztere ist mit 10 Euro gegenüber 1000 Euro aber günstiger zu haben. Die Berlin Hyp, welche kurz vor ihrem Verkauf steht, bietet zu einer Mindeststückelung von 100 000 Euro eine fünfjährige Anleihe mit 0,375 Prozent Zinsen.

Amerikanische Banken, die gerade eine maue Berichtssaison hinter sich gebracht haben, suchen Abnehmer, bevor die Fed ernst macht. Goldman Sachs begibt eine neue Anleihe in Dollar mit variablem Zins, die Citigroup in Euro, zu 1 Prozent. Wer noch zehn Jahre lang der Niedrigzinsen gedenken möchte, greift zur neuen Anleihe der österreichischen Raiffeisen Bank International. Hier bekommt man am Ende nur wieder heraus, was man gezahlt hat.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Brunner, Gregor
Gregor Brunner
Redakteur in der Wirtschaft.
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