Immobilienaktien

Bankenkrise setzt Hypothekenfinanzierer unter Druck

17.09.2007
, 17:40
Die Bankenkrise wirkt sich auch auf die deutschen Hypothekenanbieter aus. Nachdem der britische Baufinanzierer Northern Rock in Schwierigkeiten geraten ist, verkauften viele deutsche Anleger ihre Immobilienaktien. Die Banken beschwichtigen die Sorgen ihrer Kunden.

Die auf den britischen Hypothekenfinanzierer Northern Rock übergeschwappte Bankenkrise hat am Montag Sorgen über Refinanzierungsschwierigkeiten deutscher Immobilienbanken aufkommen lassen. Die Anleger verkauften Aktien aller Kredithäuser, die mit jeglicher Immobilienfinanzierung in Berührung gebracht werden. „Der Markt differenziert nicht mehr zwischen Immobilienunternehmen, privaten Hypothekenanbietern und gewerblichen Immobilienfinanzierern“, resümiert Thomas Stögner, Analyst von Sal. Oppenheim.

Ganz weit oben auf der Verkaufsliste stand die Hypo Real Estate, die freilich anders als die in die Krise geratene britische Northern Rock gar nicht auf dem privaten Baufinanzierungsmarkt tätig ist.

Northern Rock ist - im Unterschied zu zahlreichen amerikanischen Instituten - nicht wegen Kreditausfällen von bonitätsschwachen Schuldnern in der Krise. Vielmehr konnte sich das Institut nicht mehr bei anderen Banken Geld beschaffen. Ein derartiger Engpass wurde nun auch für andere Immobilienfinanzierer befürchtet. Die Analysten der Citigroup setzten die Aktien der Münchener Hypo Real Estate auf „Verkaufen“. Sie verwiesen darauf, dass das Volumen der vergebenen Kredite die Einlagen der Bank fast um das Sechsfache übertreffe. Dass mache die Bank in ihrer Refinanzierung äußerst abhängig vom Interbankenmarkt, vermuten die Analysten. Ähnliches gelte für die Eurohypo, deren Muttergesellschaft Commerzbank laut Citigroup mehr als das Doppelte des Einlagenvolumens an Krediten ausgegeben hat.

Mit ausreichend Liquidität eingedeckt

In Bankenkreisen wurde allerdings darauf verwiesen, dass sich diese Kredithäuser anders als manche britische Finanzierer wie Northern Rock oder HBOS überwiegend langfristig und vor allem über die in anderen Ländern unbekannten Pfandbriefe refinanzierten. Zwar ist auch dieser Markt arg unter Druck geraten. Aber wie zu hören ist, haben sich Hypothekenbanken wie Aareal Bank, Eurohypo und Hypo Real Estate schon lang vor der Krise mit ausreichend Liquidität eingedeckt und müssen im laufenden Jahr keine Pfandbriefe mehr emittieren.

„Wir müssen uns nicht die Blöße geben, zu den schlechteren Konditionen an den Markt zu gehen“, heißt es im Umfeld dieser Banken. Die Eurohypo hat zum Jahresbeginn zwei Jumbo-Pfandbriefe im Volumen von 2,5 und 3 Milliarden Euro begeben, die Aareal Bank hat sich im März über diesen Weg eine Milliarde Euro besorgt. Seit dem Wegfall des Hypothekenbankgesetzes vor einigen Jahren dürften diese Banken zwar zur Refinanzierung auch klassisches Einlagen- und Filialgeschäft mit Privatkunden betreiben. Alle drei Banken, die auch kein privates Baufinanzierungsgeschäft haben, entschieden sich aber in Deutschland gegen diesen Weg.

Krise als Ausrede für schlechtere Konditionen

Dagegen hat die Deutsche Postbank über die Bausparkasse BHW ein starkes Standbein in der privaten Hypothekenfinanzierung. Deren Refinanzierung ist nach Angaben eines Postbank-Sprechers überwiegend durch Einlagen und die Postbank selbst gesichert. Nur 6 Milliarden Euro von 32 Milliarden Euro Verbindlichkeiten werden über andere Banken refinanziert. Besorgte Anrufe von Kunden oder ähnliches habe es in den vergangenen Tagen nicht gegeben, sagten Sprecher von Postbank und Commerzbank, die ebenfalls in der privaten Baufinanzierung aktiv ist. „Da ist keine Reaktion zu sehen.“

Mancher Bank könnte die Krise sogar zum Vorteil gereichen In einzelnen Segmenten des Hypothekenmarktes steigen die Margen, die jahrelang unter Druck gestanden haben, wieder. Einige Vermittler nutzten die Krise in Amerika und Großbritannien als Ausrede, um den Kunden schlechtere Konditionen zu vermitteln, warnen Beobachter. Dass das Geschäft für private Hypothekenfinanzierer dennoch nicht leichter wird, zeigt die Gewinnwarnung der auf die Online-Vermittlung von Baudarlehen spezialisierten Interhyp vom vergangenen Freitag.

Quelle: da., F.A.Z., 18.09.2007, Nr. 217 / Seite 23
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