Indizes

Royal Dutch Shell dürften von Indexänderungen profitieren

28.06.2005
, 19:00
Ölaktien gehören zu den großen Kursgewinnern dieses Jahres. Ein Wert, für den es unabhängig von der weiteren Entwicklung des Rohölpreises in den nächsten Wochen weiter aufwärtsgehen könnte, ist die neue Royal-Dutch-Shell-Aktie.

Ölaktien gehören zu den großen Kursgewinnern dieses Jahres. Ein Wert, für den es unabhängig von der weiteren Entwicklung des Rohölpreises in den nächsten Wochen weiter aufwärtsgehen könnte, ist die neue Royal-Dutch-Shell-Aktie. Durch die geplante Zusammenlegung zweier Aktiengattungen wird ihr Gewicht in dem britischen FTSE-All-Share-Index und dem FTSE-100 erheblich zunehmen.

Institutionelle Investoren, die sich in ihren Anlagen an diesen Indizes orientieren oder die Kursbarometer nachbilden, müssen Analystenschätzungen zufolge mehrere Milliarden Pfund aufwenden, um auf die geänderten Indexgewichte zu reagieren.

Royal Dutch Shell wird ein Schwergewicht im FTSE-100

Im Zuge der Verschmelzung des britisch-niederländischen Mineralölkonzerns zu einer Einheit soll künftig nur eine Aktie der Royal Dutch Shell plc. gehandelt werden. Am Dienstag segneten die Anteilseigner von Royal Dutch und Shell auf den jeweiligen Hauptversammlungen dieses Vorhaben ab. Royal-Dutch-Aktionäre sollen für einen alten Titel zwei neue Royal- Dutch-Shell A-Aktien erhalten, für die bisherigen Shell-Aktionäre gibt es 0,287 neue B-Aktien. Ist der Zusammenschluß nach dem bisherigen Zeitplan am 20. Juli vollzogen, avanciert Royal Dutch Shell im FTSE-100 der Londoner Börse mit einem Anteil von voraussichtlich 8 bis 9 Prozent zu einem Schwergewicht. Gemeinsam mit dem größeren Konkurrenten BP werden beide künftig 18 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen, meint Dresdner Kleinwort Wasserstein. Bisher waren es 14 Prozent.

Nach Schätzungen von Merrill Lynch müssen alleine britische Index-Fonds voraussichtlich neue Shell-Aktien im Volumen von 7,4 Milliarden Pfund, das sind umgerechnet 11,1 Milliarden Euro, kaufen, um sich an die neue Gewichte anzupassen. Beziehe man auch die aktiven Fonds in die Berechnung mit ein, so ergebe sich eine Summe von mehr als 22 Milliarden Pfund (33 Milliarden Euro). Weitere Folge der Zusammenlegung: Royal Dutch scheidet aus dem Euro Stoxx 50 aus und Shell aus dem Stoxx 50. Durch Änderungen in europäischen Indizes dürfte sich ein Verkaufsdruck von etwa 5,6 Milliarden Pfund (8,4 Milliarden Euro) ergeben, heißt es bei Merrill Lynch.

Ölbranche wird im Moment positiv betrachtet

Doch auch die Aussichten für die gesamte Ölindustrie scheinen positiv. Am Dienstag erhöhten Analysten von Morgan Stanley ihre langfristigen Ölpreisprognosen. Zugleich setzten sie die Kursziele für zahlreiche europäische Ölaktien deutlich nach oben, die trotz des wieder sinkenden Ölpreises mit kräftigen Aufschlägen reagierten. Royal Dutch und Statoil gewannen jeweils mehr als 2 Prozent - in einem wenig veränderten Markt. Der Preis für die Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) rutschte deutlich unter die Marke von 60 Dollar je Barrel (rund 159 Liter).

Nach Ansicht der Analysten soll WTI in den Jahren 2005 und 2006 im Durchschnitt 50 Dollar kosten, was einem Plus von 16 Prozent im Vergleich zu den bisherigen Prognosen gleichkommt. Dies nehme großen Einfluß auf die Bewertung des gesamten Ölsektors, da bisher von einem deutlich geringen Ölpreis ausgegangen worden sei. In diesem Umfeld sollten die Unternehmensgewinne in nationaler Währung in den kommenden Jahren deutlich höher ausfallen als bisher erwartet. Morgan Stanley rechnet zudem mit einer Welle großer Fusionen und Übernahmen. Positiv zu werten sei auch die Euro-Schwäche. Dies rechtfertigte eine Heraufstufung der gesamten Ölbranche in Europa von "durchschnittlich" auf "attraktiv". Topempfehlungen von Morgan Stanley sind Royal Dutch/Shell und Repsol mit einem Kurspotential von jeweils 17 Prozent sowie Statoil (plus 20 Prozent) und Norsk Hydro (11 Prozent).

Quelle: kpa., F.A.Z., 29.06.2005, Nr. 148 / Seite 22
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