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Ausschüttungen an Aktionäre

Dividenden im Dax erreichen Rekordwert

Von Daniel Mohr
07.01.2023
, 17:19
Wertschaffende Tätigkeit: Mercedes-Mitarbeiter im Werk Rastatt Bild: Mercedes Benz
Die Inflation kennt auch Gewinner. Viele Unternehmen konnten dank steigender Preise ihre Gewinne erhöhen. Aktionäre profitieren mit Rekorddividenden. Mercedes liegt an der Spitze.

Das Jahr 2022 hat einige Kata­­s­trophen mit sich gebracht. Vor allem der Krieg in der Ukraine verursachte viel Leid und Unheil. Wirtschaftliche Verwerfungen ließen Nahrungsmittel und Rohstoffe deutlich teurer werden. Dass dies nicht nur zum Nachteil der Unternehmen passierte, zeigen die bisher vorgelegten Geschäftsberichte und Quartalsmitteilungen. In schwierigem wirtschaftlichen Umfeld und unter hoher Unsicherheit konnten viele Unternehmen dennoch gute Geschäfte machen. Höhere Kosten zum Beispiel für Energie haben sie über höhere Preise weitergeben können.

Früh zeichnete sich ab, dass dies zu Rekordumsätzen im Jahr 2022 geführt hat. Unklar blieb indes, wie stark die höheren Kosten eventuell die Gewinne belasten könnten. Nun zeichnet sich jedoch ab, dass auch die Gewinne 2022 Rekordniveau erreicht haben dürften.

Daraus leiten die Analysten der Banken ab, dass auch mit Rekorden bei der Gewinnausschüttung an die Eigentümer zu rechnen ist. Die durchschnittliche Schätzung der Analysten addiert sich für die 40 Dax-Unternehmen auf eine Dividendensumme von 55 Milliarden Euro, die von Februar an für das Geschäftsjahr 2022 auf die Konten der Aktionäre fließt. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 für das Geschäftsjahr 2021 würde um rund 4 Milliarden Euro übertroffen. 2020 und 2021 waren wegen der Unsicherheiten der Corona-Pandemie je nur etwa 35 Milliarden Euro ausgeschüttet worden. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es knapp 40 Milliarden Euro.

Die Dividende ist ein wichtiger Teil der Aktienrendite. Auf lange Sicht macht sie etwa die Hälfte der Erträge aus, die Kursgewinne die andere Hälfte. Die Dividende ist der wesentlich stabilere Teil der Rendite. In Relation zum Aktienkurs ergibt sich auf Basis der Dividendenschätzungen aktuell eine Rendite von 3,2 Prozent aus Dividenden.

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Die Unterschiede innerhalb des Dax sind dabei gewaltig. Die Großverdiener der deutschen Indus­trie sind trotz aller Herausforderungen weiterhin die Autokonzerne. Mercedes-Benz verteidigt seinen Platz an der Dividendenspitze und dürfte nach Analystenschätzungen abermals 5 Euro je Aktie und damit in Summe 5,3 Milliarden Euro auszahlen. Auch die Dividendenrendite ist mit 7,6 Prozent Dax-Spitze. Die Kapitalmärkte zweifeln weiterhin stark an der Fähigkeit der deutschen Autoindustrie, ihre Spitzenposition auch im Zeitalter elektrischen Fahrens zu verteidigen. Deutlich niedrigere Kurse als beispielsweise der des Elektroauto-Pioniers Tesla sorgen im Umkehrschluss für hohe Dividendenrenditen.

In der Ausschüttungssumme bricht nur die Allianz in die Phalanx von Mercedes, BMW und VW ein. Der Versicherer überzeugt seit Jahren mit verlässlichen und hohen Ausschüttungen und einer Dividendenrendite von gut 5 Prozent.

Nicht in unsere Übersicht eingeflossen ist die Sonderdividende, die Volkswagen wegen der hohen Erträge aus dem Börsengang der Tochtergesellschaft Porsche nächste Woche an seine Aktionäre auszahlt. Die 19,06 Euro je Aktie und die Summe von gut 9,5 Milliarden Euro übertreffen alle Dividendensummen und Dividendenrenditen, die es je im Dax gab.

Die meisten Dax-Konzerne erhöhen die Dividende

Etwa 30 der 40 Dax-Konzerne dürften ihre Ausschüttungen in diesem Jahr erhöhen. Den Auftakt macht traditionell Siemens. Das Geschäftsjahr endet schon im September, und die Hauptversammlung findet am 9. Februar statt – abermals rein virtuell. Mit 4,25 Euro je Aktie nach bisher 4 Euro ist eine leicht höhere Dividende geplant. Zwei Tage früher kommen die Aktionäre von Siemens Energy (virtuell) zusammen, für sie ist aber keine Dividende geplant. Der Turbinenhersteller ist der einzige bisher absehbare Dax-Konzern, der seine Ausschüttung komplett streicht. Qiagen und Zalando dürften zudem an der Tradition festhalten, trotz Unternehmensgewinnen keine Ausschüttung an ihre Anteilseigner vorzunehmen.

Von vier weiteren Dax-Konzernen nehmen die Analysten an, dass sie ihre Dividenden kürzen. SAP dürfte der bisher größte Zahler sein, bei dem das der Fall ist. Hier hatte es im Vorjahr eine Sonderzahlung von 50 Cent je Aktie zum 50. Unternehmensjubiläum gegeben. Neben ihrem Wegfall rechnen die Analysten aber auch bei der üblichen Dividende mit einer leichten Kürzung. Nach einem schwierigen Jahr 2022 wird für Adidas eine Halbierung der Dividende erwartet, ebenso für Covestro. Der Autozulieferer Continental könnte seine Auszahlung um 30 Prozent reduzieren.

Die größten Zugewinne, wenn auch auf niedrigem Niveau, werden von der Deutschen Bank erwartet. Nach 20 Cent je Aktie im Vorjahr könnten nun 31 Cent zur Auszahlung kommen, in Relation zum Aktienkurs immerhin 2,7 Prozent. Auch für die Porsche Automobil Holding wird eine kräftige Dividendenerhöhung erwartet. Als Mehrheitsaktionär von VW und neu auch als direkter Großaktionär der Porsche AG profitiert die Stuttgarter Holding gleich mehrfach vom Börsengang des Stuttgarter Sportwagenherstellers. Der Börsenneuling Porsche AG will gleich im ersten Geschäftsjahr in Anlehnung an sein legendäres Modell 911 Millionen Euro Dividende zahlen, was angesichts des gestiegenen Aktienkurses indes gerade einmal 1 Prozent Dividendenrendite ergibt.

Daimler Truck steigt hoch ein

Neu unter den Zahlern ist auch Daimler Truck, die nach ihrem Börsengang rund 1,1 Milliarden Euro ausschütten könnten, was einer Rendite von 4,4 Prozent entspricht. Der Schwung neuer Dax-Konzerne aus Stuttgart, früher war es nur Daimler, heute sind es Mercedes, Daimler Truck, Porsche Holding und Porsche AG, führt zu einer Dividendensumme für Unternehmen aus Baden-Württemberg von 11 Milliarden Euro, wie die Deka Bank berechnet hat. Nordrhein-Westfalen kommt auf 14,8 Milliarden Euro und Bayern an der Spitze auf 18 Milliarden Euro.

„Die Unternehmen können sich die hohen Ausschüttungen leisten“, stellt die Deka in ihrer Studie fest. „Sie sind von Rekordgewinnen gedeckt.“ Diese gibt die Deka mit 148 Milliarden Euro an nach 141 Milliarden Euro im Jahr 2021. Vor Corona wurden nur im Jahr 2017 Gewinne von mehr als 100 Milliarden Euro erwirtschaftet, knapp 102 Milliarden Euro. Auch für das Jahr 2023 gehen die Analysten trotz eines schwierigen Umfeldes von leicht steigenden Gewinnen auf 149 Milliarden Euro aus. „2023 sind die Unternehmensgewinne einer Belastung ausgesetzt, und einzelne Quartale können rückläufig werden“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie der Deka Bank. „Ein Einbruch wie in anderen Krisenzeiten ist aber nicht zu erwarten.“ Entsprechend seien die Dividendenaussichten stabil. Die Ausschüttungsquote von 37,2 Prozent der Gewinne sei ein leichter Anstieg zum Vorjahr, bleibe aber noch unter dem langjährigen Durchschnitt von 41 Prozent. Die Ausschüttungsquote bezeichnet die Deka als angemessen.

Dem Dax bringen die Dividenden im Jahr 2023 ungefähr 500 Indexpunkte an Zugewinn. Während die meisten Aktienindizes die Dividenden in ihrer Berechnung nicht berücksichtigen, fließen sie beim Dax ein und kommen damit auch allen Besitzern von Dax-Indexfonds zugute. Wer Indexfonds auf andere Aktienindizes besitzt, geht deswegen aber nicht leer aus. In der Regel werden die Dividenden auf Fondsebene eingerechnet oder im Fall von ausschüttenden Fonds direkt an die Fondsbesitzer ausgezahlt. Im M-Dax werden für dieses Jahr mit 7,5 Milliarden Euro deutlich geringere Ausschüttungen als im Dax erwartet. Auch die Dividendenrendite liegt hier mit gut 2 Prozent deutlich niedriger.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft.
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