In der Eurozone

Inflation zieht wegen höherer Energiepreise auf 1,3 Prozent an

Von Christian Siedenbiedel
31.03.2021
, 11:59
In der Eurozone ist die Inflation etwas niedriger als in Deutschland allein. Unter den Euroländern liegt Deutschland zusammen mit Österreich auf Platz zwei nach Luxemburg.

Die Teuerung in der Eurozone hat im März spürbar angezogen. Nach Angaben des Statistikamts Eurostat vom Mittwoch lagen die Verbraucherpreise 1,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Vormonat hatte der Anstieg noch 0,9 Prozent betragen. Im Monatsvergleich stiegen die Lebenshaltungskosten um 0,9 Prozent.

Der Anstieg der Inflationsrate geht im Wesentlichen auf höhere Energiepreise zurück. Sie lagen 4,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Februar waren sie noch um 1,7 Prozent gefallen. Andere Komponenten wie Lebensmittel, industriell gefertigte Waren oder Dienstleistungen verteuerten sich deutlich schwächer als Energie. Dazu passt, dass die sogenannten Kernrate der Inflation ohne stark schwankende Preise wie die für Energie und Lebensmittel von 1,1 auf 0,9 Prozent zurückging.

Das Preisziel der Europäischen Zentralbank wird weiter verfehlt, allerdings nicht mehr so stark wie noch vor wenigen Monaten. Die EZB strebt auf mittlere Sicht eine Teuerung von knapp zwei Prozent an. Manche Ökonomen erwarten, dass das Ziel in den kommenden Monaten erreicht und möglicherweise überschritten wird. Die EZB hat aber bereits durchblicken lassen, dass sie den Anstieg als zeitweilig betrachtet und geldpolitisch nicht reagieren will.

Unter den Eurostaaten liegt Deutschland mit einer Inflationsrate von 2 Prozent nach der europäischen Berechnungsweise des Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI) jetzt zusammen mit Österreich auf Platz zwei. Höher ist die Teuerung noch in Luxemburg mit 2,4 Prozent.

Weiterer Anstieg der Inflationsrate erwartet

In Deutschland hatte es vor allem zum Jahreswechsel mit der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer und der Einführung eines CO2-Preises für Kraftstoff und Heizöl einen Preissprung gegenüber den negativen Inflationsraten der letzten Monate des vergangenen Jahres gegeben. Der Preisanstieg beim Kraftstoff war der höchste seit 27 Jahren gewesen. Die höhere deutsche Inflationsrate hatte sich, in abgeschwächter Form, auch auf europäischer Ebene bemerkbar gemacht.

In den nächsten Monaten wird ein weiterer Anstieg der Inflationsrate allein schon durch zwei sogenannte Basiseffekte erwartet: Unter anderem wird sich im April bemerkbar machen, dass im vorigen Jahr der Ölpreis in diesem Monat extrem niedrig war, dieser niedrige Vorjahreswert wird die Veränderungsrate auf Jahressicht hoch ausfallen lassen. Im Juli kommt dann ein zweiter Basiseffekt hinzu, dann werden auf Jahressicht die Preise mit der jetzt wieder höheren Mehrwertsteuer mit denen von damals mit der abgesenkten Steuer verglichen.

Zwischen den beiden Berechnungsweisen der Inflation, der jeweils nationalen und der europäischen, gibt es im Augenblick erhebliche Unterschiede. Dabei spielt eine Rolle, dass die Gewichtungen, mit denen die verschiedenen Warengruppen in den Index einfließen, bei der europäischen Berechnungsweise häufiger angepasst werde. Wegen der Pandemie wurde diese Umstellung sogar bewusst vorgezogen. Dort spielen jetzt etwas Pauschalreisen eine geringere Rolle, Nahrungsmittel eine höhere. Das hat zur Folge, dass im Augenblick die Inflationsrate nach der europäischen Berechnungsweise für Deutschland bereits höher ist und die 2 Prozent erreicht hat, während sie nach der nationalen Berechnungsweise noch bei 1,7 Prozent liegt. Nach der europäischen Berechnungsweise dürfte sie in diesem Jahr 3 Prozent erreichen, meint die Bundesbank.

Quelle: FAZ.NET
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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