Schneller steigende Preise

Fast 80 Prozent Inflation in der Türkei

04.07.2022
, 10:39
Die Preise in der Türkei steigen immer schneller.
Die Teuerung in der Türkei erreicht offiziell fast die Marke von 80 Prozent. Andere Quellen beziffern sie deutlich höher.
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Die Inflation in der Türkei steigt weiter. Im Juni erhöhen sich die Lebenshaltungskosten gegenüber dem Vorjahresmonat um 78,62 Prozent, teilte das nationale Statistikamt am Montag in Ankara mit. Im Vormonat hatte die Teuerungsrate rund 74 Prozent betragen. Besonders Transportdienstleistungen und Lebensmittel verteuerten sich deutlich.

Auch die Produzentenpreise stiegen weiter: Auf Jahressicht erhöhten sich diese um rund 138 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Anstieg von rund 6,8 Prozent. Die Erzeugerpreise fließen in der Regel zeitverzögert und nur zum Teil in die Verbraucherpreise ein.

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Schön gerechnet?

Die Opposition wirft der Regierung vor, die Inflationszahlen zu schönen und geht von einer deutlich höheren Rate aus. Die in Istanbul ansässige Inflations-Forschungsgruppe Enag bezifferte die Teuerung für Juni im Jahresvergleich auf 175,55 Prozent.

Zu den Inflationsursachen gehört seit längerem die schwache Landeswährung Lira, die für erheblichen Auftrieb sorgt, da in die Türkei importierte Güter dadurch verteuert werden. Auch steigen die Preise vieler Rohstoffe, nicht zuletzt wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Die türkische Notenbank stemmt sich nach Meinung vieler Ökonomen zudem nicht entschlossen genug gegen die hohe Teuerung. Vielmehr haben die Währungshüter ihre Geldpolitik seit vergangenen Sommer gelockert. Nach gängiger ökonomischer Lehre kann eine Erhöhung der Zinsen der Inflation entgegenwirken. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan argumentiert hingegen, hohe Zinsen verursachten Inflation. Die Notenbank folgt inzwischen Erdogans Linie und verzichtete bislang auf Zinserhöhungen. Sie hält den Leitzins seit Januar bei 14 Prozent.

Auch in der Schweiz steigen die Preise

Der globale Inflationsauftrieb hat die Lage der Türkei in dieser Hinsicht ebenfalls nicht verbessert. Selbst in der Schweiz steigen die Preise in einem lang nicht mehr gesehenen Umfang. Im Juni betrug die Inflationsrate erstmals seit fast 14 Jahren mehr als 3 Prozent.

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Mit 3,4 Prozent stiegen die Verbraucherpreise überraschend stark. Verteuert haben sich vor allem Treibstoffe, Heizöl und verschiedene Lebensmittel. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hatte Mitte Juni nach mehr als sieben Jahren geldpolitischen Beharrens die Zinsen überraschend um einen halben Prozentpunkt auf minus 0,25 Prozent angehoben. Die Währungshüter gewichteten die Gefahr einer ausufernden Inflation höher als die Nachteile eines starken Franken für die exportorientierte Wirtschaft. SNB-Präsident Thomas Jordan hält wegen des anhaltenden Teuerungsdrucks eine weitere geldpolitische Straffung für wahrscheinlich.

Quelle: dpa/Reuters
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