Inflation

Inflationsängste dämpfen den Risikoappetit

12.10.2005
, 19:51
An den Finanzmärkten befürchten viele deutlich höhere Leitzinsen in Amerika, die das Wirtschaftswachstum dämpfen könnten. Viele Anleger setzen daher auf Edelmetall, der Goldpreis ist auf Rekordhoch.
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Die Sorge vor zunehmender Inflation und weiter steigenden Leitzinsen in Amerika hat die Risikobereitschaft rund um den Globus gedämpft. „Das am Dienstag veröffentlichte Protokoll von der jüngsten Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed hat erhöhte Inflationssorgen der Währungshüter signalisiert“, erläutert Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Deka-Bank.

Die Kapitalmärkte stellten sich nun auf weitere Leitzinsanhebungen ein. Auch ein „großer Zinsschritt“ von 50 Basispunkten gelte nun als möglich. Diese Aussicht dämpft die Stimmung an den Aktienmärkten, hat andrerseits den Goldpreis auf das langjährige Hoch von 480 Dollar je Feinunze steigen lassen. An den Anleihe- und Kreditmärkten sind die Risikoprämien gestiegen.

„Für die Zinsmärkte wird Inflation zum zentralen Thema“, meint auch Andrei Pogudin, ein Anleihestratege bei der Deutschen Bank in London. „Die Anleger sind besorgt, daß der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise auf die Verbraucherpreise durchschlägt.“ Mit großer Spannung werden deshalb die neuen Daten zur Inflation in Amerika erwartet, die am Freitag veröffentlicht werden. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwarten die Fachleute im Mittel eine Jahresrate von 4,3 Prozent - die höchste Inflationsrate seit Anfang 1990.

Umfrage alamiert Währungshüter

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Wichtigster Grund für die zunehmende Inflation ist der Anstieg der Energiepreise. Der Preis für das Barrel Rohöl war Ende August, als sich der Wirbelsturm Katrina der amerikanischen Golfküste näherte, auf das Rekordhoch von knapp 71 Dollar gestiegen. Als Folge waren auch die Benzinpreise in Amerika - und überall auf der Welt - kräftig gestiegen. Zu den Inflationsängsten trage auch bei, daß die amerikanische Regierung ein milliardenschweres Programm zur Behebung der Wirbelsturmschäden angekündigt habe, merkt Kater an.

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Deshalb könne das ohnehin recht hohe Staatsdefizit in diesem Jahr um bis zu 200 Milliarden Dollar anschwellen. Dieses Konjunkturprogramm könne die Inflation anheizen, da die Kapazitäten der amerikanischen Wirtschaft schon jetzt mehr als ausgelastet seien. Katers Einschätzung zufolge wird sich die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte deshalb in nächster Zeit verlagern: Habe bislang der monatliche Bericht vom amerikanischen Arbeitsmarkt im Fokus der Anleger gestanden, so in Zukunft der Inflationsbericht.

Für die Fed gehe es nun darum, die Inflationserwartungen der Verbraucher in Schach zu halten, meint auch Thomas Stolper von Goldman Sachs in London. Denn andernfalls stehe zu befürchten, daß die Arbeitnehmer höhere Löhne durchzusetzen versuchen - was die Inflation verfestigen würde. Deshalb habe die jüngste Umfrage der Universität Michigan die Währungshüter alarmiert. Der Umfrage zufolge erwarten die amerikanischen Verbraucher für die kommenden zwölf Monate eine Inflation von 4,3 Prozent - soviel wie seit 1990 nicht mehr. Kater von der Deka-Bank geht deshalb davon aus, daß der Dollar-Leitzins von derzeit 3,75 Prozent bis Ende 2006 auf 4,75 Prozent steigt.

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Steigende Leitzinsen könnten das Wachstum dämpfen

Vor diesem Hintergrund sind vor allem die kurzfristigen Zinsen in Bewegung geraten. So ist die Rendite zweijähriger Treasuries seit Anfang September von 3,75 auf rund 4,25 Prozent geklettert. Zweijährige Bundesanleihen rentieren nun mit knapp 2,5 Prozent, 35 Basispunkte mehr als Anfang September. Parallel sind auch die Risikoprämien gestiegen. Beispielsweise sind die Risikoaufschläge für Anleihen von Schwellenländern von ihrem historischem Tief von 241 Basispunkten am 3. Oktober inzwischen wieder auf 262 Basispunkte gesprungen. Zu der Unruhe an den Zinsmärkten trägt auch die Insolvenz des Autozulieferers Delphi bei.

An den Aktienmärkten belastet die Sorge, daß steigende Leitzinsen das Wirtschaftswachstum und damit die Unternehmensgewinne dämpfen könnten. Zudem haben die Quartalsergebnisse einiger amerikanischer Unternehmen enttäuscht. Der Dow-Jones-Welt-Aktienindex ist daraufhin von seinem Ende September verzeichneten Hoch von 227 Punkte auf knapp 220 Punkte zurückgefallen. Auf der Flucht vor steigender Inflation schichten immer mehr Anleger einen Teil ihrer Anlagen in Edelmetalle um. Das hat sowohl den Gold- als auch den Platinpreis auf langjährige Hochs steigen lassen.

Quelle: bf., F.A.Z., 13.10.2005
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