Steigende Energiepreise

Die EZB in der Zwickmühle

EIN KOMMENTAR Von Markus Frühauf
18.10.2021
, 16:57
Muss die Inflationssorgen in den Blick nehmen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Immer mehr Notenbanken widmen sich den Inflationssorgen. Nur die EZB nicht, weil sie Rücksicht auf die Lage in Südeuropa nehmen muss.
ANZEIGE

Ob die Inflation nur vorübergehend oder doch nachhaltig ist, diese Diskussion kann den Autofahrern egal sein. Die Teuerung und damit die Geldentwertung können sie täglich an den Tankstellenpreisen ablesen. Der Liter Diesel kostet so viel wie noch nie, der Benzinpreis steht kurz vor einem Rekord. Zusammen mit den gestiegenen Preisen für Gas und Heizöl wird schnell klar: Der Inflationsschub erfasst die breite Bevölkerung.

ANZEIGE

Alle großen Notenbanken außer der Europäischen Zentralbank (EZB) sind nun im Vorteil, weil sie nicht Rücksicht auf die unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Interessen in den Ländern einer Währungsunion nehmen müssen. So können sich die amerikanische Fed oder die Bank von England schon jetzt einer geldpolitischen Straffung widmen, um die Inflationssorgen einzuhegen. Die EZB hofft dagegen weiterhin auf einen vorübergehenden Effekt, der schon bald wieder abklingen möge.

Doch sollte das nicht der Fall sein, was die steigenden Rohstoffpreise nahelegen, riskiert die EZB ihre Glaubwürdigkeit im Kampf für die Geldwertstabilität. Das wäre ein Problem, weil das Vertrauen der Bevölkerung für Notenbanken unerlässlich ist. Es geht verloren, wenn sich der Eindruck durchsetzt, die EZB meidet es, die Käufe von Staatsanleihen zu beenden und die Zinsen zu erhöhen, weil es sich die hoch verschuldeten Staaten in Südeuropa nicht leisten können. Die EZB muss sich aus dieser Zwickmühle befreien.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE