Interview

„Hedge Fonds bringen in schwierigen Märkten stabile Erträge“

30.01.2001
, 14:54
Urs Spörri kennt sich mit Hedge Fonds aus
Hedge Fonds gelten zunehmend als Alternative zur Aktie. FAZ.NET unterhielt sich mit Urs Spörri, Principal der Schweizerischen R.M.F. Investment Group, über diese Anlageklasse.
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Das Jahr 2000 hat viele Anleger aus ihren Träumen geholt. Nicht nur die Privatanleger, sondern auch die institutionellen Investoren hatten sich von den vorhergehenden Jahren geradezu verwöhnen lassen: Stiegen doch die Börsen mit zweistelligen Zuwachsraten förmlich in den Himmel. Einzelne Sektoren und Aktien geradezu komentenhaft. Mit den - zumindest teilweise drastischen - Korrekturen im vergangenen Jahr fielen viele Luftschlösser in sich zusammen.

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Der unsichere Ausblick auf die Zukunft bringt nun viele dazu, sich nach Anlagealternativen umzusehen. Immer mehr geraten dabei auch die einst so geschmähten Hedge Fonds wieder ins Blickfeld. FAZ.NET unterhielt sich mit Urs Spörri, Principal der Schweizerischen R.M.F. Investment Group, über Chancen und Risiken dieser Anlageklasse.

Herr Spörri, wie würden sie einen Hedge Fonds definieren?

Zunächst einmal kann man sich anschauen, welche Merkmale traditionelle Pensionskassen und Anlagefonds haben. So sind ihre Anlagepolitik und die verwendbaren Finanzinstrumente durch gesetzliche Vorschriften eingeschränkt. Die Anlagestrategie sieht nur „Kaufen und Halten“ vor und ist mittelfristig ausgerichtet. Die Erträge hängen von der Anlagekategorie und der Marktentwicklung ab. Dabei ist die Korrelation zwischen den traditionellen Investments hoch. Das heißt, steigen beispielsweise die Aktien, so ziehen auch die Bonds an und umgekehrt. Der Ertrag wird an einer Benchmark - oft einem Index - gemessen.

Ist das bei Hedge Fonds nicht so?

Nein. Denn ihre Anlagestrategie und die verwendeten Instrumente unterliegen keinerlei Restriktionen. Jeder einzelne Fonds hat seine eigene Philosophie. Damit hängen die Erträge weitgehend vom Know How der Manager ab. Ihre Ertragsziele richten sich nicht nach Vorgaben oder der Entwicklung des Marktes, sondern sie sind absolut. Die Manager wollen auch bei volatilen oder fallenden Märkten Geld verdienen - und können das auch. So sind die Erträge relativ wenig mit den herkömmlichen Anlageformen korreliert.

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Wie verdienen dann die Hede Fonds ihr Geld?

Da gibt es unterschiedliche Ansätze. Einmal haben wir die Equity Hedge Strategie. Das sind gewissermaßen die Turbos der Hedge Fonds. Sie erzielen in Märkten, die sich bewegen, überdurchschnittliche Erträge. So haben zum Beispiel die „Short Sellers“ im vergangen Jahr glänzend verdient. Ferner gibt es die Relative Value Strategie und den sogenannten „Event Driven“ Ansatz. Beide nützen Marktineffizienzen aus, um Gewinne zu erzielen. Ihre Erträge sind nicht zu extrem, allerdings sind sie beständig. Die Global Macro Fonds versuchen volkswirtschaftliche Ungleichgewichte zu nutzen. Allerdings sind ihre Erträge ziemlich volatil. Als letztes haben wir die CTA's. Das sind Profis, die mit komplexen Handelsmodellen vor allem im Futures-Handel aktiv sind. In bestimmten Marktphasen sind sie recht erfolgreich.

Das klingt ziemlich kompliziert. Da bringt's wohl eine gesunde Mischung aus den verschiedenen Ansätzen?

Ganz genau. Das ist unser Job hier bei R.M.F. Auch wenn wir einige Jahre selbst als Hedge Fonds Manager tätig waren, sind wir hier kein Hedge Fonds mehr, sondern verwalten „Funds of Funds“ auf Hedge-Fonds-Basis und beraten unsere Kunden bei der Zusammenstellung von Hedge-Fonds-Portfolios. Um einen hohen Ertrag zu erzielen, müssen Equity-Hedge-Strategien und Relative Value Fonds übergewichtet, Event Driven und Macro Fonds sollten dagegen eher untergewichtet werden. Damit in einem Portfolio das Risiko und die Korrelation mit den Märkten vermindert werden, sollte der Investor Relative Value und Managed Futures übergewichten, dagegen Equity Hedge und Macro Fonds untergewichten.

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Wie gehen sie bei der Auswahl der einzelnen Hedge Fonds konkret vor?

Wir benutzen sowohl den Top Down als auch den Bottom Up Ansatz. Zunächst bestimmen wir anhand quantitativer Modelle ein optimiertes Portfolio aus den verschiedenen Anlagestilen, das in der Vergangenheit über mehrere Jahre die besten risikoadjustierten Erträge erzielt hat. Dann sehen wir uns die Märkte qualitativ an und versuchen, die Ertragaussichten der verschiedenen Stile für die kommenden sechs bis zwölf Monate vorauszusagen. Der Bottom Up Ansatz besteht dann einfach in der Auswahl der verschiedenen Hedge Fonds nach festgelegten quantitativen und qualitativen Kriterien. Dabei verlassen wir uns nicht nur auf zum Teil unzuverlässige Datenbanken, sondern gehen auch regelmäßig vor Ort und prüfen die gemachten Angaben auf Plausibilität.

Was sagt die Erfahrung?

Sie besagt, dass die Asset Allocation - die Art der Aufteilung eines Portefeuilles auf verschiedene Anlagestile - vor allem das Risiko minimiert und die Sharpe Ratio erhöht. Diese Kenngröße fasst die Rendite und das Risiko eines Portfolios in einer Zahl zusammen. Eine hohe Ratio bedeutet, dass mit einem relativ geringen Risiko ein hoher Wertzuwachs erzielt wurde.

Das heißt, optimierte Hedge Fonds Portfolios haben eine hohe Sharp Ratio?

Genau. Insgesamt weisen Hedge Fonds langfristig attraktive Erträge aus, vor allem unter Berücksichtigung eines relativ geringen Risikos. Zieht man die geringe Korrelation mit den normalen Anlageformen in die Überlegung mit ein, so eignen sie sich hervorragend, um die Risiken eines traditionellen Portfolios zu reduzieren und gleichzeitig die Erträge zu steigern.

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Sie würden also die Beimischung empfehlen?

Ja, die Frage ist nicht mehr, ob Investoren Hedge Fonds brauchen, sondern wie lange vor allem institutionelle Anleger darauf strategisch verzichten können.

Gilt das auch für den Privatanleger, sollte er sich für die auf den Markt gekommenen Hedge-Fonds-Zertifikate interessieren?

Auf jeden Fall zahlt es sich auch für den Privatanleger aus, sein Portfolio zu diversifizieren. Seit einigen Jahren sind Instrumente für den Retailinvestor auf dem Markt; ich möchte die Beteiligungs-Gesellschaften erwähnen, die seit 1996 an der Schweizer Börse regelmässig gehandelt werden. In jüngster Zeit haben einige Grossbanken Zertifikate für Deutsche Privatanleger auf den Markt gebracht. Wie bei jeder Investition muss der seriöse Anleger das Produkt genau durchleuchten; nicht nur auf den Portfolioinhalt sondern auch auf Liquidität und auch Gebührenstruktur.

Welche Hedge Fonds Strategien glauben Sie werden über die nächsten sechs bis zwölf Monate eine gute Performance haben?

Wir glauben generell, dass die Relative Value Manager weiterhin eine gut Performance erreichen werden; man muss allerdings bei den Stilen differenzieren. Im Event Driven Bereich glauben wir dass Distressed Securities wieder attraktiv werden. Unsere Allokation zu Managed Futures lassen wir unverändert, da sie in den letzten paar Monaten ihren Diversifikationseffekt bewiesen haben.

Die Frage zum Abschluss: Die meisten der Hedge Fonds operieren in Nischen der Finanzmärkte. Können sie die exzellenten Renditen der Vergangenheit auch in Zukunft wiederholen, wenn ihnen immer mehr Gelder zufließen, und wenn sie damit immer größer werden? Werden die Nischen nicht ganz einfach zu klein werden oder trocknen aus?

Die Frage ist berechtigt. Sie wird genau so auch von vielen Hedge-Fonds-Managern gesehen und beantwortet: Immer mehr schließen ihre Fonds und nehmen keine neuen Gelder mehr zur Verwaltung an.

Das Gespräch führte FAZ.NET Redakteur Christof Leisinger

Quelle: @cri
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