Interview

Horst Zirener zu einzelnen Fondsprodukten

17.05.2001
, 06:00
Voller Lob für die Anleger: Investment-Verbandschef Horst Zirener
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FAZ.NET hat Horst Zirener gezielt nach einzelnen Fondsprodukten gefragt. Trotz aktueller Schwächen: Der Verbandschef gibt sich zuversichtlich.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Fonds, die am Neuen Markt anlegen? War das Desaster mit Kursverlusten von 70 Prozent und mehr in nur 12 Monaten eine Art Bankrotterklärung zumindest eines Teilbereichs der Branche?

Ein klares „Nein“. Anleger, die über die Direktanlage oder über einen Fonds in dieses Marktsegment investieren, sind sich, wenn sie vernünftig beraten wurden, des überdurchschnittlichen Risikos bewusst und sollten Kursausschläge in beide Richtungen einkalkulieren. Außerdem ist der Betrachtungszeitraum von zwölf Monaten für ein Langfrist-Investment wie die Aktienfondsanlage zu kurz gewählt. Entscheidend ist, welche Wertentwicklung in einem Zeithorizont von zehn oder 20 Jahren erreicht wird.

Aber einige Fonds werden doch Jahre benötigen, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen?

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Das mag zutreffen, wenn Sie den Vergleich zu den höchsten Notierungen dieser Fonds im Jahr 2000 ziehen. Anders sieht es für Anleger aus, die in den letzten Wochen „eingestiegen“ sind und sich über eine positive Performance freuen können. Die Frage ist also individuell sehr unterschiedlich zu beantworten. Wie schon gesagt, sollten sich Investmentsparer gerade in diesem Segment einen langfristigen Anlagehorizont setzen. Wer mit der Volatilität der Märkte leben kann, wird auf längere Sicht von den überdurchschnittlichen Chancen profitieren - gerade bei Branchenfonds, die auf langfristige Megatrends setzen.

Wie sehen Sie die Situation bei den Dachfonds, die die zum Teil hochgesteckten Erwartungen bisher nicht erfüllen konnten und jetzt wieder stärker in die Kritik geraten?

Dachfonds ermöglichen eine breit gefächerte strukturierte Vermögensanlage und bilden dabei verschiedene Märkte in einem einzigen Wertpapier ab. Sie folgen daher logischerweise der Entwicklung dieser Märkte. Durch die breite Streuung des Fondsvermögens werden Kursrückgänge in einzelnen Teilmärkten abgefedert, so dass die Entwicklung moderater als bei Fonds mit einer enger gefassten Anlagepolitik verläuft. Für den Anleger ist dies in Phasen rückläufiger Börsenkurse vorteilhaft. Was Dachfonds zu leisten vermögen, wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren zeigen. Eine Historie von zwei Jahren - so lange werden Dachfonds in Deutschland angeboten - ist für ein fundiertes Urteil sicherlich noch zu kurz.

Aber auch die AS-Fonds haben in letzter Zeit nicht gerade geglänzt, weder durch ihre Wertentwicklung, noch durch hohe Mittelzuflüsse als Signal der Anleger für ihr Vertrauen in dieses Produkt?

Wie bei den Dachfonds gilt auch hier: Eine Historie von zweieinhalb Jahren ist zu kurz für ein abschließendes Urteil. Angesichts der volatilen Märkte haben sich AS-Fonds gut gehalten, auch dank ihrer ausgewogenen Mischung aus Aktien-, Renten- und Immobilien-Anlagen. Was die Mittelzuflüsse betrifft, so muss gesagt werden, dass sie zum Großteil aus regelmäßigen Sparleistungen gespeist werden. Hierbei ist von einem kontinuierlichen Prozess auszugehen. Verständlich also, dass die Bäume nicht sofort „in den Himmel wachsen“ können.

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Horst Zirener ist Mitglied des Vorstands und gleichzeitg Sprecher des Bundesverbands Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) in Frankfurt. Das Gespräch führte Hans Heuser.

Quelle: @hh
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