Interview

Horst Zirener zur Entwicklung der Fondsbranche

17.05.2001
, 06:00
Voller Lob für die Anleger: Investment-Verbandschef Horst Zirener
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Deutschland hat noch Nachholbedarf, was die Fondsanlage betrifft. Einen Weg um zu Investment-Spitzenreitern wie den USA aufzuschließen, sieht Horst Zirener in der zunehmenden Verbreitung der privaten Altersvorsorge.

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Werden Investmentfonds in Deutschland jemals den Stellenwert erreichen, den sie in vielen anderen Ländern, insbesondere den USA, schon heute haben?

Vergleicht man die Verbreitung der Fondsanlage in verschiedenen Ländern, so gibt es in Deutschland - trotz des starken Anstiegs in den letzten Jahren - noch Nachholbedarf. So liegt das Fondsvermögen pro Kopf hierzulande bei 5.154 Euro. Das ist wenig im Vergleich zu den USA, wo umgerechnet 27.570 Euro auf jeden Einwohner entfallen. Dabei muss aber auch berücksichtigt werden, dass namentlich in den USA die Bedeutung des privaten Vorsorgesparens viel größer ist als in Ländern wie Deutschland, wo nach wie vor die umlagefinanzierte gesetzliche Rente dominiert. Mit zunehmender Verbreitung der privaten Altersvorsorge werden aber auch die Bürger in Deutschland auf renditestarke Anlageformen wie Investmentfonds nicht verzichten können.

Ist die Zahl von mittlerweile 5.500 in Deutschland angebotenen Fonds nicht viel zu groß, überfordert das den Anleger?

Nein. Die Angebotsvielfalt erscheint zwar auf den ersten Blick wenig übersichtlich. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass sich Investmentfonds zu teilweise höchst komplexen und hochspezialisierten Anlageprodukten entwickelt haben. Dieser Trend ist auch als Reaktion auf die wachsende Vielfalt der Anlegerpräferenzen zu verstehen. Entscheidend ist: Der Anleger kann aus einer breiten Palette wählen, muss es aber nicht. Viele Anlageziele können mit wenigen strukturierten Produkten wie zum Beispiel Dachfonds erreicht werden. Fonds mit einer speziellen Anlagepolitik, beispielsweise Branchenfonds, dienen der Abrundung des Kundenportfolios. Um hier die Anlageentscheidung zu optimieren, ist das Gespräch mit einem kompetenten Berater hilfreich.

Die ausländischen Kapitalanlagegesellschaften beklagen immer wieder die Abschottung des deutschen Marktes zugunsten inländischer KAGs. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Eine solche Abschottung sehe ich nicht. Ausländische Fonds werden nach den Bestimmungen des Auslandsinvestment-Gesetzes behandelt, womit sie deutschen Fonds in allen wesentlichen Punkten gleichgestellt sind. Auch deutsche „Spezialitäten“ wie beispielsweise AS-Fonds sind ausländischen Anbietern nicht verwehrt, wenn sie in Deutschland eine Kapitalanlagegesellschaft gründen. Jeder, der die Bestimmungen des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften erfüllen kann und will, hat Zutritt zum deutschen Markt.

Warum verkaufen die meisten Banken eigentlich immer noch ausschließlich die hauseigenen Fonds, müsste da nicht langsam ein Umdenken einsetzen?

Bei den einzelnen Banken bzw. Bankengruppen gibt es in diesem Punkt unterschiedliche Überlegungen. Natürlich kennen die Berater die hauseigenen Produkte besser und werden zeitnah über deren Entwicklung informiert. Auf der anderen Seite kann argumentiert werden, dass die Auswahl durch die Hinzunahme von Fremdfonds noch größer wird. Ein sinnvoller Mittelweg könnte darin bestehen, die hauseigene Palette in ausgewählten Randbereichen durch zuvor sorgfältig ausgesuchte Fonds spezieller Kooperationspartner abzurunden.

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Horst Zirener ist Mitglied des Vorstands und gleichzeitg Sprecher des Bundesverbands Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) in Frankfurt. Das Gespräch führte Hans Heuser.

Quelle: @hh
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