Investmentfonds

Was ein Fonds wirklich kostet

18.05.2001
, 19:41
Die meisten Anleger denken beim Thema Fondskosten an den Ausgabeaufschlag. FAZ.NET zeigt, wie Anleger sich über die tatsächliche Höhe der Fondskosten informieren können.

“Hauptsache, Ihr Auto läuft, was es am Ende kostet, spielt doch gar keine große Rolle.“ Ein Autohändler, der auf diese Art mit seinen Kunden umspringt, hat bald keine mehr. Was in anderen Branchen zum Ruin führen würde, zählt in der Investmentbranche zum Alltag. Die Fondsgesellschaften sprechen gerne über gute Ergebnisse, wenn es welche gibt, über die tatsächlichen Kosten der Fondsanlage schweigen sie lieber.

Zugegeben, die gesamten Kostenpositionen eines Fonds sind in der Ertrags- und Aufwandsrechnung des Rechenschaftsberichts aufgeführt. Aber einmal ehrlich: Welcher Anleger ist schon in der Lage, aus diesem Zahlensalat eine aussagefähige Vergleichskennziffer selbst zu errechnen (siehe dazu auch den Link „Kostenrechnung Marke Eigenbau“).

Nicht alles wird offengelegt

Leichtes Spiel für Deutschlands Fondsgesellschaften. Im Zusammenhang mit dem Thema Kosten geben die ihren Kunden bisher in erster Linie nur zwei Kennzahlen an die Hand. Da ist zum einen die jährliche Verwaltungsvergütung, die die Fondsgesellschaft für das Management des jeweiligen Fonds erhält. Sie bewegt sich im Schnitt zwischen 0,3 Prozent für Geldmarktfonds, 0,7 Prozent für Rentenfonds und 1,2 Prozent für Aktienfonds, jeweils bezogen auf das Fondsvermögen insgesamt.

Dann kommt da noch die sogenannte Depotbankvergütung hinzu, über die die meist hauseigene Verwahrstelle der einzelnen Wertpapiere eines Fonds für ihre Arbeit entlohnt wird. Darüber kommen unter Umständen noch einmal 0,1 Prozent an jährlichen Kosten hinzu.

Der Anleger merkt es gar nicht

Was die Gesellschaften gerne verschweigen: Die tatsächliche jährliche Kostenbelastung eines Fonds liegt in aller Regel wesentlich höher, als es diese beiden Zahlen auf den ersten Blick erwarten lassen. In die Fondskosten-Rechnung fließen nämlich neben Verwaltungs- und Depotbankvergütung noch weitere Posten ein, die den gesamten Kostenapparat erheblich aufblähen können (siehe Link „Versteckte Kosten eines Investmentfonds“).

Zum Teil mehr als das Doppelte der freimütig ausgewiesenen Verwaltungsvergütung werden auf diese Weise Jahr für Jahr dem Vermögen eines Fonds entnommen, ohne dass der Anleger etwas davon merkt. Denn in der Performancerechnung tauchen die internen Fondskosten nicht auf, weil sie regelmäßig - bei manchen Fonds monatlich, bei anderen täglich - vom jeweiligen Anteilwert abgezogen werden. Wer genau wissen will, was sein Fonds tatsächlich kostet, muss selbst nachrechnen (siehe dazu die anhängenden Links).

Quelle: @hh
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