10,7 Milliarden Dollar wert

Klarna steigt zum wertvollsten Finanz-Start-up Europas auf

Von Antonia Mannweiler
Aktualisiert am 15.09.2020
 - 16:39
Ein Leuchtschild des Zahlungsdienstleisters Klarna hängt: Das Unternehmen zählt zu den wertvollsten Fintechs weltweit.
Das Unternehmen aus Schweden führt nun mit Abstand die Liste der wertvollsten europäischen Fintechs an. Doch während schon etabliertere Start-ups in der Corona-Krise profitieren können, geht den kleineren langsam das Geld aus.

In der Mythologie sind Einhörner magische und äußerst seltene Wesen. In der Wirtschaft hat sich der Name Einhorn dagegen für nicht börsennotierte Start-ups etabliert, die eine Bewertung von mehr als 1 Milliarde Dollar aufweisen. Sie sind selten, kommen aber doch häufiger vor als ihr mythologischer Namensgeber. Eines dieser Einhörner, das Finanz-Start-up Klarna aus Schweden, hat am Dienstag bekanntgegeben, in einer neuen Finanzierungsrunde 650 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Damit hat sich die Bewertung des Fintechs von 5,5 Milliarden Dollar auf 10,65 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt.

Klarna, das vor allem für Rechnungskäufe bekannt ist, führt nun mit großem Abstand die Liste der wertvollsten Fintech-Einhörner in Europa an. Platz zwei und drei teilen sich die Neobank Revolut und der Zahlungsdienstleister Checkout.com aus Großbritannien. An der Spitze der am höchsten bewerteten privaten Fintechs steht jedoch der amerikanische Paypal-Konkurrent Stripe mit rund 36 Milliarden Dollar, gefolgt von dem indischen Fintech One 97 Communications, das 16 Milliarden Dollar wert ist.

Während Klarna in der neuen Finanzierungsrunde, die von der amerikanischen Investmentgesellschaft Silver Lake angeführt wurde und an der sich auch Investoren wie der Staatsfonds GIC aus Singapur oder Blackrock beteiligt haben, mit frischem Kapital ausgestattet wurde, wird es dagegen für Fintechs in frühen Gründungsphasen („Early Stage“) zunehmend schwer, frische Mittel zu erhalten. Auch wenn zuletzt wieder mehr Geld an Finanz-Start-ups geflossen ist, handelte es sich dabei zumeist um schon etabliertere Fintechs in einer späteren Gründungsphase, auch „Later-Stage“ genannt.

Amerikanische Investoren nutzen die Lage

Insgesamt seien mehr Investoren während der Corona-Krise auf die Spielfläche getreten, sagt Christian Hoppe von der Silicon Valley Bank, die Start-ups mit Kapital versorgt. Und es sei derzeit viel Geld im Venture-Capital-Markt. Vor allem amerikanische Investoren nutzen die Situation, um sich leichter an europäischen oder deutschen Start-ups zu beteiligen, sagt Hoppe. „Die deutschen Investoren sind vorsichtiger und das Bewertungsniveau der Start-ups ist derzeit sehr attraktiv.“ Das Geld erhielten aber nicht alle Fintechs gleichermaßen, so Hoppe. Die Investoren seien selektiver in ihrer Auswahl. Es werde genauer geschaut, wohin das Geld fließe. Dafür seien die Runden aber auch größer.

Im zweiten Quartal 2020 gehörte zu den großen Deals etwa die Finanzierungsrunde von Stripe im April in Höhe von 850 Millionen Dollar. Auch in Europa erhielten einige wenige Fintechs ein großes Stück vom Finanzierungs-Kuchen. So konnte die Berliner Neobank N26 dieses Jahr eine Runde von 570 Millionen Dollar abschließen. Und auch für das dritte Quartal zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. So erhielt etwa die amerikanische Trading-Plattform Robinhood im August 320 Millionen Dollar an neuen Mitteln, und erst vergangene Woche sammelte der niederländische Zahlungsdienstleister Mollie 90 Millionen Dollar ein und stieg zu einem Einhorn auf. In Deutschland sammelte Anfang September die Kreditplattform Auxmoney 150 Millionen Euro ein.

Dieser Trend sei jedoch auch schon vor der Corona-Krise erkennbar gewesen, sagt Hoppe. Das habe auch mit Erfahrungswerten zu tun und damit, welche Unternehmen sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt hätten. Bei beispielsweise 20 Robo-Advisors könnten zwangsläufig nicht alle überleben. Das werde auch zu einer Zunahme von Konsolidierungen führen, ergänzt er – unter der Annahme, dass es nicht abermals zu einem Lockdown komme. Zu den Profiteuren könnten dann auch die Fintechs gehören, die derzeit besonders leiden – aber eben nicht so sehr wie die Konkurrenz. Etwa dann, wenn sie durch Übernahmen ihre Marktanteile ausbauen können.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mannweiler, Antonia
Antonia Mannweiler
Redakteurin in der Wirtschaft.
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