Konto und Depot

Die Flut der kleinen Gebühren

29.08.2005
, 17:30
Beim Girokonto und beim Depot sind die Gebühren transparent. Denn sie stehen vollständig im Preisverzeichnis. Aber wer kennt sie alle? Kaum jemand. So schafft die Masse der Einzelposten eine neue Unübersichtlichkeit und überfordert den Normalbürger.
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Beim Girokonto und beim Depot sind die Gebühren transparent. Denn sie stehen vollständig im Preisverzeichnis. Aber wer kennt sie alle? Kaum jemand. So schafft die Masse der Einzelposten eine neue Unübersichtlichkeit und überfordert den Normalbürger.

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Welcher Kunde der Volks- und Raiffeisenbanken kann schon wissen, daß er am Geldautomaten einer anderen Volksbank Gebühren bis zu drei Euro bezahlt, wenn die Maschine nicht den Aufdruck "Bankcard Service Netz" hat? Und wem ist klar, daß er einen Kontoauszug entgeltlich per Post zugeschickt bekommt, wenn er ihn wochenlang nicht am Kontoauszugsdrucker abruft? Und daß die Einrichtung eines Dauerauftrages in einigen Banken noch bis zu 1,50 Euro kostet?

Kostenlos - manchmal doch nicht

Sigrid Herbst von der Finanzberatung FMH kann den Kunden nur raten, genau das Preisverzeichnis zu studieren. "Ein als kostenlos beworbenes Girokonto kann durchaus einige Nebengebühren haben", warnt sie. So sind manche Kreditkarten nur dann umsonst, wenn im Jahr ein Mindestumsatz erreicht wird. Bei der SEB sind das zum Beispiel 750, bei der Citibank sogar 2500 Euro. Manchmal probieren die Banken auch, unerlaubt Gebühren zu berechnen. Etwa, wenn ein Dauerauftrag oder eine Überweisung nicht ausgeführt wurde, weil das Konto nicht gedeckt war.

Auch beim Wertpapierdepot gibt es solche unzulässigen Gebühren. Zum Beispiel für Kunden, die ihre Bank wechseln und dabei ihre Wertpapiere ins neue Depot umbuchen wollen. Dafür darf nichts berechnet werden. "Aufpassen müssen Anleger auch bei Teilausführungen", betont Sigrid Herbst: Beim Handel von Aktien auf Xetra verlangen einige Banken immer noch höhere Gebühren, wenn der Kauf- oder Verkaufsauftrag nicht auf einmal, sondern in mehreren Teilen umgesetzt wurde. Das ist zwar erlaubt, muß aber nicht sein: Viele Banken buchen auch bei Teilausführungen die Handelsprovision nur einmal ab. Ähnliches gilt für kleine Gebühren von bis zu zwei Euro für das Vormerken eines Limits, ab dem eine Aktie gekauft werden soll.

Versteckte Kosten auch beim außerbörslichen Aktienhandel

Versteckte Kosten lauern auch bei dem von den Banken organisierten außerbörslichen Aktienhandel. Diese entstehen oft in Form eines schlechteren Kurses als beim direkten Kauf an der Börse. An der Börse selbst gilt: Anleger sollten auf den Spread achten, also die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs. Auch sie ist eine Form von Gebühr - des Aktienhändlers. Je größer der Unterschied zwischen den Kursen, desto teurer für den Anleger. Bei kleinen Aktien sind diese Differenzen am größten.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.08.2005, Nr. 34 / Seite 47
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