Wegen Corona

Junge Biotech-Unternehmen erhalten mehr Risikokapital

Von Mark Fehr
21.01.2021
, 08:17
Mitarbeiter im Labor des Biotech-Unternehmens Navigo Proteins in einem Technologiepark in Halle, Sachsen-Anhalt
Angesichts der Pandemie stecken Wagnisfinanzierer deutlich mehr Geld in Start-ups aus der Biotech-Branche und dem Gesundheitswesen. Auch Jungunternehmen mit digitalen Geschäftsideen profitieren laut einer KPMG-Studie.
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Angesichts der Corona-Krise erhalten Jungunternehmen aus den Branchen Pharma, Biotech und Gesundheit mehr Kapital von professionellen Wagnisfinanzierern. Auch Start-ups, die Hard- und Software entwickeln, fließt mehr Risikokapital zu. Das zeigt eine Auswertung der internationalen Ströme von Venture-Kapital durch das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. Demnach stieg der Geldfluss in die Sektoren Biotech, Pharma, Gesundheit und Digitaltechnik im Jahr 2020 jeweils um zweistellige Prozentwerte.

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Am stärksten wuchsen die Risikoinvestitionen in den Sektor Biotech und Pharma mit 63 Prozent auf 44,6 Milliarden Dollar. Die Entwicklung von Medikamenten und Therapien gegen gefährliche Krankheiten hat durch den Wettlauf um einen Impfstoff gegen das Coronavirus an Aufmerksamkeit gewonnen. Auf dem Feld spielen komplizierte biotechnologische Methoden eine große Rolle, wobei Forscher etwa die Erbinformationen von Virus- oder Krebszellen entschlüsseln, um passende Gegenmittel zu entwickeln.

Die Finanzierung biotechnologischer Forschung ist aus Sicht von Investoren besonders teuer und riskant, weil sich erst nach mehreren umfangreichen Tests zeigt, ob ein Mittel nicht nur wirksam ist sondern auch verträglich für die Patienten. Laut KPMG-Studie stiegen nicht allein die Risikoinvestitionen in junge Biotech-Unternehmen, sondern auch in andere Start-ups aus dem Gesundheitswesen. So floss dem Gesundheitssektor im Jahr 2020 mit 28,8 Milliarden Dollar 32 Prozent mehr Kapital zu als im Vorjahr.

Des Weiteren profitierten Jungunternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen. Start-ups aus dem Bereich IT-Hardware erhielten 11,4 Milliarden Dollar Risikokapital – ein Anstieg um 28 Prozent, während die Investitionen in Entwickler von Software um 16,7 Prozent auf 95,5 Milliarden Dollar wuchsen. Laut KPMG-Partner Stephan Kimmel wird das Wachstum für Digitalfirmen im Jahr 2021 weitergehen. „Das Thema Digitalisierung hat durch die Corona-Krise noch einmal einen zusätzlichen Schub erhalten, was sich auch in den Investitionen in rein digitale Geschäftsmodelle zeigt“, so Kimmel.

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Spezialisierte Risikokapitalgeber spielen eine große Rolle in der Frühphase von Unternehmen, lang bevor diese eine Chance auf große Bankkredite oder gar auf einen Gang an die Börse haben. Die Spezialisten fungieren also wie eine Art Talentsucher für den Kapitalmarkt. Wer einen späteren Börsenstar schon erkennt, bevor Großinvestoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds einsteigen, kann besonders hohe Renditen erzielen. Gleichzeitig ist allerdings das Ausfallrisiko größer, da Jungunternehmen mit vielen Unwägbarkeiten zu kämpfen haben und ihre Geschäftsidee erst mühsam etablieren müssen.

Rekord für den Standort Berlin

Der Risikokapitalsektor ist vergangenes Jahr gewachsen, jedoch fiel der Anstieg um 6,7 Prozent auf 300 Milliarden Dollar laut KPMG-Studie insgesamt geringer aus als in den boomenden Bereichen Biotech, Gesundheit und Digitalisierung. Dabei ist die Zahl der Transaktionen um 14 Prozent auf 24.433 gesunken. Die einzelnen Deals haben durchschnittlich also deutlich an Umfang gewonnen.

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Unter den Investitionsstandorten verzeichnete Berlin einen Rekord: Den in der Bundeshauptstadt ansässigen Jungunternehmen flossen im Jahr 2020 rund 4 Milliarden Dollar zu – fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die größten Kapitalempfänger unter den Berliner Start-ups waren die Unternehmen Get-Your-Guide, Frontier Car Group und Tier Mobility.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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