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Kreditwürdigkeit Griechenlands

Diskussionen über CDS auf Griechenland

Von Bettina Schulz, London
 - 18:33

Der für die privaten Gläubiger von Griechenland Anleihen geplante Anleihetausch wird mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Griechenland von den Ratingagenturen als „teilweise säumiger Schuldner“ eingestuft wird. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass damit auch Zahlungen aus Kreditausfallverträgen (CDS-Swaps) geleistet werden müssen.

Am Mittwoch senkte die Ratingagentur Fitch das Emittentenrating von Griechenland von „CCC“ auf „C“, was einen „in Kürze mit großer Wahrscheinlichkeit eintretenden Zahlungsausfall“ signalisiert. Die vom Anleihetausch betroffenen griechischen Papiere wurden ebenfalls auf „C“ abgestuft. Angesichts des nominalen Schuldenverzichts von 53,5 Prozent und der gesetzlichen Einführung von nachträglichen Kreditklauseln im griechischen Parlament an diesem Donnerstag handele es sich bei der Aktion um einen „Tausch notleidender Schulden“, betonte Fitch in einer Mitteilung. Kreditklauseln, sogenannte Collective Action Clauses (CAC), ermöglichen es einer Mehrheit der Gläubiger, widerspenstige Außenseiter zur Annahme einer Umstrukturierung zu zwingen.

Da ein Kreditereignis immer im Nachhinein festgestellt wird, kündigte Fitch bereits am Mittwoch an, dass es Griechenland nach dem Anleihetausch auf die Kategorie „teilweise im Verzug“ (restricted default) abstufen werde. Alle Anleihen nach griechischem Recht, die von den geplanten CAC-Klauseln erfasst würden, sollen auf „D“, also „im Verzug“, herabgesetzt werden. Dies alles bezieht sich auf die alten Anleihen und den Tausch. Kurze Zeit nach dem Tausch steigt Griechenland dann wie Phoenix aus der Asche und erhält wieder ein besseres Emittentenrating. Schließlich führt der Schuldentausch dazu, dass Griechenland einen geringeren Schuldenberg zu bedienen hat. Die neuen Anleihen erhalten auch eine bessere Einordnung.

Standard & Poor’s hatte bereits Anfang Februar angekündigt, dass es Griechenland im Falle einer gesetzlichen Einführung von CAC-Klauseln mit einem Rating „teilweise im Verzug“ versehen werde. Die betroffenen Griechenland Anleihen sollen auf „D“, also Verzug, herabgesetzt werden. Standard & Poor’s sieht den Anleihetausch ebenfalls als Restrukturierung notleidender Schulden an, weil die Gläubiger nicht annähernd für ihre Verluste entschädigt werden, „Freiwilligkeit“ hin oder her.

Die Entscheidungen der Ratingagenturen bedeuten jedoch nicht, dass Gläubiger automatisch aus abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen (CDS) entschädigt werden, worauf einige Hedge-fonds abzuzielen scheinen. Der zuständige Verband, die International Swaps and Derivatives Association (ISDA), betont, es gebe keinen Automatismus zwischen den Ratings und einer Zahlung aus CDS-Verträgen. „Es ist möglich, dass beides geschieht; es kann aber sein, dass das eine geschieht (Abstufung durch Ratingagenturen), aber nicht das andere (Zahlungen aus CDS-Verträgen)“, heißt es von der ISDA. Zudem muss sich nach Definitionen der ISDA ein Kreditereignis aus der schlechteren Kreditwürdigkeit des Emittenten ergeben. Das Paradoxe dabei ist, dass es Griechenland finanziell besser gehen wird, gerade weil es seine Gläubiger zu dem Anleihetausch bewegt. Deshalb wird Griechenland kurz nach dem Schuldentausch von den Ratingagenturen wieder mit höheren Kreditwürdigkeits-Noten versehen.

Die ISDA hat betont, dass lediglich die gesetzliche Einführung von CAC-Klauseln nicht automatisch zu einem Kreditereignis führen wird, möglicherweise aber ihre Anwendung. Die Anwendung müsste von einer Mehrheit der Gläubiger beschlossen werden.

Das für Europa zuständige Fachgremium der ISDA würde darüber beraten, ob der Zwang auf widerspenstige Gläubiger, sich an dem Anleihetausch zu beteiligen, einem Kreditereignis gleichkommt. Über den Fall würden nach Angaben der ISDA die Bank of America, Barclays, die Citigroup, Credit Suisse, die Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, die Société Générale, UBS und die Vermögensverwalter BlueMountain Capital, Citadel, D.E. Shaw, Elliott Management und Pacific Investment Management abstimmen.

Nach den jüngsten Daten der Depository Trust & Clearing Corporation in Amerika gibt es derzeit ausstehende CDS-Kontrakte auf griechische Staatsanleihen im Nettowert von 3,2 Milliarden Euro. Ausgezahlt würde nur der Prozentsatz, der für die Gläubiger als verloren gilt. Bei einem Schuldenverzicht von 53,5 Prozent würden an die Gläubiger also maximal 1,71 Milliarden Euro fließen. Dies würde sich auf etliche Banken, die Nettoverkäufer am Markt für CDS-Kontrakte sind, verteilen.

Quelle: F.A.Z.
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