Frankfurt profitiert

Krypto-Boom an der Deutschen Börse

Von Daniel Mohr
22.04.2021
, 18:40
Die Trendthemen nutzen auch den etablierten Börsen. Frankfurt profitiert von Börsenrekorden, Krypto und Nachhaltigkeit. Coinbase bleibt zudem handelbar.

Die Deutsche Börse AG profitiert und leidet durch die Rekordkurse an den Börsen. Sie profitiert, weil höhere Notierungen für Wertpapiere stets auch höhere Umsätze mit sich bringen. Sie leidet gleichzeitig, weil die derzeit entspannt-optimistische Stimmung an den Börsen zu einem wenig aufgeregten Handel führen und damit die Handelsaktivitäten weitaus niedriger sind als noch vor gut einem Jahr, als die Angst vor der Corona-Pandemie die Aktienkurse in die Knie zwangen und die Anleger zu hektischem Aktionismus anregten.

Unterm Strich konnte die Börse damit im ersten Quartal gutes Geld verdienen. Weniger als im ersten Quartal 2020 zwar, aber mehr als in allen anderen Quartalen der Unternehmensgeschichte. 855 Millionen Euro Nettoerlöse wurden erzielt, 7 Prozent weniger als im ersten Quartal 2020, aber deutlich mehr als in den anderen drei Quartalen 2020. Auch der Gewinn stieg im Vergleich mit den vorherigen Quartalen, lag aber mit 330 Millionen Euro 13 Prozent unter Januar bis März 2020.

BTCetc meistgehandeltes Produkt

Einige Punkte fallen auf, die der Börse Hoffnung machen können. Das ist der Aufschwung der Kryptowährungen, der sich mittlerweile auch in Heller und Pfennig bei der Börse niederschlägt. Im Juni 2020 war sie die erste, die ein Bitcoin-Wertpapier im regulierten Börsenhandel und mit zentraler Abwicklung anbot. Der Erfolg des „BTCetc - Bitcoin Exchange Traded Crypto“ mit der Wertpapierkennnummer A27Z30 ist phänomenal. Es hat im ersten Quartal einen Handelsumsatz von 2,5 Milliarden Euro erzielt und damit mehr als jeder börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf den Dax oder den MSCI World. Die Pionierleistung des zentralen Clearing der Krypto-Papiere reduziert die Risiken in der Handelsabwicklung und macht es für viele institutionelle Investoren überhaupt erst möglich, in Krypto-Wertpapiere zu investieren.

Mittlerweile gibt es vier börsengehandelte Bitcoin-Papiere an der Frankfurter Börse, drei auf Ethereum, eines auf Bitcoin Cash und eines auf Litecoin. Die neu handelbare Aktie der Kryptoplattform Coinbase wird zudem auch weiterhin in Frankfurt gehandelt. Zwischenzeitlich hatte es diese Woche so ausgesehen, dass der Handel am Freitag wieder eingestellt werden müsste, aber die fehlende Zuordnungsnummer ist mittlerweile eingetroffen.

Neben dem Trendthema Krypto profitiert die Börse aber auch zunehmend von einem weiteren großen Anlagetrend: Unter den börsengehandelten Fonds hat sich im ersten Quartal der iShares Global Clean Energy an die Spitze geschoben. Damit hat ein betont nachhaltiger Indexfonds die lange Zeit dominierenden Fonds auf den Dax von der Spitze verdrängt. Der Fonds mit der Kennnummer A0MW0M kam im ersten Quartal auf ein Handelsvolumen von 2,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal vollzog die Deutsche Börse zudem die Mehrheitsübernahme des amerikanischen Finanzdienstleisters ISS, von er sich der Frankfurter Börsenbetreiber einen weiteren Schub für das Geschäft mit nachhaltigen Finanzprodukten erhofft.

Privatanleger stürmen auf Tradegate

Wachstum beschert der Börse zudem das immer reger werdende Interesse von Privatanlegern am Aktienmarkt. Spürbar wird dies für die Börse vor allem durch ihre Beteiligung an der Handelsplattform Tradegate, die überwiegend von Privatanlegern genutzt wird und hohe Wachstumsraten aufweist. In den Quartalszahlen schlug sich dies in einem höheren Wert der Beteiligung nieder. An dem Tradegate-Anteil wolle man in jedem Falle festhalten, sagte Finanzvorstand Gregor Pottmeyer in der Investoren- und Analystenkonferenz am Donnerstag.

Der Börsenbetreiber sondiere zudem, wie er sich im Geschäft mit Privatanlegern verstärken könne. Die Deutsche Börse bekräftigte, an Wachstums- und Gewinnzielen ihrer Mittelfristplanung „Compass 2023“ festzuhalten, auch wenn das erste Quartal im Vorjahresvergleich schwächer ausfiel. Der Aktienkurs zeigte sich in einem ruhigen Handel am Donnerstag kaum verändert.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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