Lohn-Preis-Spirale

LBBW-Chef Neske warnt vor Inflationsgefahren

Von Markus Frühauf
28.10.2021
, 18:22
Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
Die Mischung aus Teuerung und niedrigen Zinsen hält der Vorstandschef der größten deutschen Landesbank für explosiv. An der Berlin Hyp ist er interessiert.
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Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale darf in Europa nicht unterschätzt werden. Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Rainer Neske, verwies am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) auf die Bereitschaft in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft, höhere Preise zu bezahlen. Das spiegelt sich seiner Ansicht nach in den jüngsten Tarifabschlüssen. „Es ist akzeptiert, dass man deutlich höhere Lohnabschlüsse braucht, weil die Preise, nicht nur in der Energie, auch in der Miete, auch im täglichen Leben deutlich angezogen haben“, sagte er.

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Neske sieht eine große Gefahr, dass der Kreislauf ins Laufen komme. Falls dies der Fall sei, werde es schwierig, diesen zu bändigen. In Deutschland ist die Inflationsrate im September auf 4,1 Prozent gestiegen. Im Oktober beschleunigte sich die Teuerung auf 4,5 Prozent, das höchste Niveau seit August 1993. Neske geht zwar nicht davon aus, dass die Teuerungsrate durch die Decke schießen werde. Sie könnte sich Anfang des kommenden Jahres wieder etwas normalisieren. Doch werde die Inflation wahrscheinlich viel schwerer als derzeit angenommen.

Hätten die Fachleute noch vor wenigen Monaten die steigenden Preise überwiegend als vorübergehendes Phänomen aufgrund der Corona-Krise im Vorjahr betrachtet, hätten die kritischen Stimmen inzwischen spürbar zugenommen. Jedoch stellt sich der Vorstandschef der größten deutschen Landesbank nicht auf steigende Zinsen im Euroraum ein. Das Zinsumfeld werde sich auf absehbare Zeit nicht grundlegend verändern. „Dies ist eine schlechte Nachricht für die deutschen Sparer“, sagte er mit Blick auf schon längst negative Zinsen, die durch die Geldentwertung der Inflation real noch weiter sinken. Dagegen sei es eine sehr gute Nachricht für Finanzminister, fügte er hinzu.

Notenbanken müssen rechtzeitig Entwicklung dämpfen

Angesichts der hohen Sparvermögen der Deutschen sieht er im Zusammenspiel extrem niedriger Zinsen und Inflation eine explosive Mischung. Neske hält hier die Notenbanken für gefordert. Die amerikanische Federal Reserve ist in der Wahrnehmung der Inflationsgefahren seiner Ansicht nach viel weiter als die Europäische Zentralbank (EZB). „Wir können nur appellieren, dass die Notenbanken weltweit, in diesem Dilemma, in dem sie jetzt sind, rechtzeitig dämpfend auf diese Entwicklung eingehen.“

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Neske bestätigte vor dem ICFW das Interesse seiner Bank an dem Immobilienfinanzierer Berlin Hyp, der zur Landesbank Berlin Holding gehört. Diese wird von den Sparkassen kon­trolliert und besteht im Kern aus der Berliner Sparkasse. Die Sparkassen prüfen einen Verkauf der Berlin Hyp, an der neben der LBBW auch die DekaBank und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) interessiert sein sollen. Alle drei Institute sind sehr stark in der gewerblichen Immobilienfinanzierung aktiv. Die Berlin Hyp hält Neske für sehr interessant. Derzeit laufe der Prüfprozess, an dem sich die LBBW beteilige.

Mit Blick auf die Konsolidierung unter den Landesbanken sprach Neske von einem sehr komplexen Thema. Erste Aufgabe für jede Bank sei es, ihre Lebens- und Wachstumsfähigkeit gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Eigentümern zu beweisen. Neske zieht derzeit eine Bündelung der Kräfte vor. So hat die LBBW von der BayernLB und der HSH Nordbank das Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement übernommen. Gegenwärtig werde eine entsprechende Kooperation mit der Helaba geprüft.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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