Leerverkäufe

Wenn Händler ihre Shorts schließen...

02.08.2001
, 23:30
Short Seller bekämpfen den Bullen
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Eigentlich sollte für MLP die Aufnahme in den Dax die Krönung einer erfolgreichen Börsengeschichte sein. Aber als der Aufnahmetermin über die Ticker ratterte, kannte die Aktien nur noch eine Richtung: nach unten. Innerhalb von nur vier Tagen verlor der Kurs 20 Prozent. Verantwortlich für die Dynamik der Abwärtsbewegung machten Händler auch Short-Seller. Sie verkauften die Aktie, ohne sie bereits zu besitzen, da sie von fallenden Kursen ausgingen.

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Dabei hielten sich die Spekulanten an die einfache Börsenregel: billig kaufen, teuer verkaufen. Nur, dass sich bei Leerverkäufen die Reihenfolge der Geschäfte ändert. In Deutschland ist das Fixen oder Shorten, wie es im angelsächsischen heißt, hauptsächlich den Profis vorbehalten. Sie können in Erwartung sinkender Kurse die Aktien verkaufen, um sie später billiger einzusammeln. Für die Erfüllung haben die Händler zwei Tage Zeit. Wenn sie ihre Position länger halten wollen, müssen sie sich bei Banken oder Fonds die Wertpapiere leihen, was in den liquiden Aktien aber kein Problem ist.

Unbegrenzte Verluste

In Amerika sind Leerverkäufe auch bei Privatanlegern eine gängige Praxis. Dabei stellen die Broker ihren Kunden in der Regel die Wertpapiere zur Verfügung. Die Kunden müssen für ausreichende Liquidität auf ihren Konten sorgen und führen „Margin-Accounts“. Entwickelt sich der Markt nicht in die gewünschte Richtung, müssen sie mehr liquide Mittel bei ihrem Broker hinterlegen, oder die Position schließen.

Im Gegensatz zum klassischen Aktienkauf, wo die Anleger das Papier kaufen und auf steigende Kurse hoffen, ist das Risiko bei Leerverkäufen wesentlich größer. Bei normalen Aktienkäufen kann der Investor maximal sein eingesetztes Kapital verlieren, wenn die Aktien nämlich auf null geht. Bei einem Short-Geschäft ist der Verlust theoretisch unbegrent. Beispiel MLP: Ein Anleger kauft eine Aktie bei zehn Euro, weil er glaubt, die Aktie fällt auf ein Euro. Angestrebter Gewinn wären somit neun Euro. Steigt die Aktie dagegen auf 30 Euro, so büßt der Investor 20 Euro ein und damit das doppelte seines eingesetzten Kapitals.

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Short-Seller bleiben im Hintergrund

Privatanlegern ist der Zugang zu den Leerverkäufen in Deutschland weitgehend verwehrt. Der Düsseldorfer Online-Broker Sino bietet seinen Kunden seit mehr als zwei Jahren die Möglichkeit innerhalb eines Tages Aktien zu shorten. Seit einem Monat können die Sino-Trader sogar über Nacht Short-Positionen in Dax-Werten halten, maximal sieben Bankarbeitstage. HSBC Trinkaus & Burkhardt leiht den Investoren die notwendigen Titel. Ingo Hillen, Vorstand bei Sino betont jedoch, dass sich das Angebot an professionelle Anleger richtet: „Wir haben 120 Depots, wobei unser durchschnittlicher Kunde fünf Millionen Euro im Monat umsetzt.“ Dies entspreche dem 1.750-fachen, was ein Comdirect-Kunde im Monat umsetzt. Als Obergrenze gilt, dass ein Sino-Anleger nicht mehr als 25 Prozent seines Vermögens in eine Short-Position stecken darf.

Short-Seller schweigen am liebsten über ihre Geschäfte, nur wenige geben sich zu erkennen (siehe Interview mit Manuel Asensio). Zum einen schieben Börsianer ihnen oft die Schuld für fallende und sehr volatile Kurse in die Schuhe, was sie zu Buhmänner auf dem Parkett macht. Zum anderen könnte sich der Markt versuchen, den Short-Seller zum Eindecken zu zwingen. Steigt der Kurs nämlich über eine vorher festgelegte Höhe hinaus, so ziehen die Leerverkäufer die Notbremse und kaufen Aktien, was die Aufwärtsbewegung wiederum beschleunigt. Denn wenn Händler ihre Shorts schließen, geht der Markt nach oben.

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Quelle: @ank
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