Kolumne: „Frag den Mohr“

Lohnen sich Anleihen von Fußballklubs?

Von Daniel Mohr
26.05.2021
, 14:57
Die Bundesligaabsteiger Werder Bremen und Schalke 04 brauchen dringend Geld und versuchen ihr Glück am Kapitalmarkt. Das Risiko für Anleger ist immens. Ein schneller Rat in zwei Minuten.

Ob sich die Fußball-Anleihen lohnen? Gegenfrage: Lohnen sich Zahnbürsten von Schalke 04? Die Kategorie ist die gleiche. Es handelt sich jeweils um Fanprodukte, die den Verein finanziell unterstützen. Wer also seinem Verein gerne helfen will und schon genügend Tassen, Schals und Wohnzimmervorhänge in seinen Vereinsfarben hat, kann sich zur Abwechslung eine Anleihe ins Depot legen. Er sollte sich aber bewusst sein, dass er das Geld womöglich nicht wiedersieht.

Aktuelles Beispiel: Werder Bremen. Der Verein überschreibt die Pressemitteilung zu seiner Anleihe mit den Worten „Start der kontrollierten Offensive“. Das spielt auf die Erfolgszeiten unter Otto Rehhagel an, der diesem Spielkonzept zu Ruhm und Werder Bremen zu zwei Meisterschaften verhalf. Rehhagel ist nun allerdings 82 Jahre alt und die letzte Meisterschaft unter ihm 28 Jahre her. „Werder Bremen zählt zu den erfolgreichsten Vereinen der Bundesliga-Historie“, wirbt der Verein um Geldgeber. Betonung auf „Historie“. Die Realität sieht anders aus. Werder ist gerade in die zweite Liga abgestiegen. Der Zinssatz der Anleihe, die bis zum 1. Juni gezeichnet werden kann und die bis zu 30 Millionen Euro in leere Werder-Kassen spülen soll, beträgt 6 bis 7,5 Prozent. Jeder halbwegs zahlungskräftige Schuldner muss bei seiner Bank weniger zahlen.

Auch Schalke will eine neue Anleihe begeben, um die Schulden einer alten Anleihe zu begleichen. Der Zins, den der Tabellenletzte zahlen will, beträgt 5,75 Prozent. Angesichts der rekordhohen Verschuldung des Absteigers ein fast schon niedriger Wert. Die abgelöste Anleihe war mit 4,25 Prozent verzinst. Werder und Schalke wollen sich das Geld für fünf Jahre leihen. Eine professionelle Bonitätseinschätzung einer Ratingagentur gibt es für Werder Bremen nicht. Der FC Schalke 04 wurde von Creditreform Ende März mit einem B- Rating mit negativem Ausblick eingestuft und damit in den Bereich der Anleihen mit „höherem Ausfallrisiko“..

Die Geschichte von Fußball-Anleihen ist wenig ruhmreich. Manche konnten nicht zurückgezahlt werden, manchmal baten die Vereine um Stundung oder Verzicht auf Zinsen. Eine Zitterpartie ist es fast immer. Leider landet das Geld oft in einem Fass ohne Boden. Das sollte jeder wissen, der seinen Verein nun unterstützen will. 1000 Euro ist der Mindestbetrag für die Anleihen. Die Zahnbürste wäre da die günstigere Lösung.

Haben Sie Fragen rund um das Thema Geld? Bitte an Daniel Mohr unter fragdenmohr@faz.de

Quelle: F.A.S.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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