Märkte im Herbst

Deutsche Aktien sind günstig bewertet

26.08.2005
, 16:19
Dividendenpapiere gelten auch im Vergleich zu Anleihen als attraktivere Anlagen. Und der Trend auf dem deutschen Parkett ist unverändert stabil.
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An den großen Aktienbörsen geht es seit gut zwei Jahren aufwärts. Dieser Trend hat in diesem Jahr nochmals an Dynamik gewonnen, wenngleich es in dieser Woche einen kleinen Rückschlag gab: Der Deutsche Aktienindex Dax liegt zwölf Prozent höher als noch zu Jahresbeginn. Trotz der teils deutlichen Kursaufschläge gelten Aktien nach allgemeinen Maßstäben nach wie vor als günstig bewertet.

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„Von allen möglichen Problemen am Aktienmarkt sind die Bewertungen derzeit das kleinste Problem“, sagt Rolf Elgeti, Aktienmarktstratege bei ABN Amro. Aktien seien gemessen an Maßstäben wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) niedrig bewertet. Auch kompliziertere Bewertungsgrößen wie das Verhältnis zwischen Umsätzen und Gewinnmargen untermauerten dieses Bild.

Bewertungen immer noch moderat

„Die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten wurde fast ausschließlich von den steigenden Unternehmensgewinnen getragen“, sagt Roland Ziegler von der BHF-Bank. Während die Unternehmensgewinne und die Kurse gestiegen seien, habe sich das von den Anlegern akzeptierte KGV nicht verändert. Es habe also noch keinen „Bewertungshebel“ gegeben. Und genau hieraus ergebe sich weitere Kursphantasie.

Bild: F.A.Z.

Von seinem Tiefpunkt im März 2003 bei knapp 2200 Punkten hat sich der Dax mehr als verdoppelt. Die Bewertungen der Aktien befänden sich, gemessen am KGV, noch immer auf dem gleichen Niveau wie Anfang 2003, sagt Ziegler. Auf Basis der erwarteten Unternehmensgewinne für die nächsten zwölf Monate betrage das KGV im Dax 12,3 und für die europäischen Titel im MSCI Europa 13.

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Die Aktienkäufer zahlen also im Durchschnitt etwa das Dreizehnfache des geschätzten Unternehmensgewinns. Zum Vergleich: Zur Jahreswende 1998/1999 hatte das Dax-KGV bei etwa 20 gelegen und war im Frühjahr 2000 bis auf 30 geklettert.

Teure Anleihen

Gegenüber der wichtigsten Anlagealternative, den Anleihen, wirken Aktien erst recht attraktiv. Eine beliebte Methode zum Vergleich der beiden Anlagen ist das sogenannte Fed-Modell. Hierbei wird die Anleiherendite in ein KGV umgerechnet, in dem der Anleihekurs von 100 Prozent durch die Rendite geteilt wird. Bei zehnjährigen Bundesanleihen ergibt sich ein KGV von 31.

Angesichts der in den Vereinigten Staaten höheren Leitzinsen sieht es bei den amerikanischen Staatstiteln mit 24 etwas günstiger aus. Nach dem Fed-Modell wären Anleihen hierzulande mehr als doppelt so teuer wie Aktien, sagt Elgeti. Allerdings versage in Niedrigzinsphasen das Modell erfahrungsgemäß.

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Doch nicht nur das KGV macht europäische Aktien interessant. Auch die Gewinnausschüttungen der Unternehmen, sei es durch Aktienrückkäufe oder Dividenden, sprechen für ein Aktieninvestment. Die Dividendenrendite europäischer Aktien auf Basis der zuletzt gezahlten Dividende beträgt für die Werte des Euro Stoxx 50 derzeit rund 3,3 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag mit 3,2 Prozent, also auf ähnlichem Niveau.

Deutsche Aktien übergewichten

Und welche Märkte sollten Anleger nun bevorzugen? "Seit etwa zehn Jahren haben deutsche Aktien gegenüber europäischen abgewertet", erläutert Elgeti. Sei dies in den ersten fünf Jahren noch durch die vergleichsweise schlechte Rentabilität deutscher Unternehmen zu rechtfertigen gewesen, so sei dieser Nachteil zunehmend geschwunden.

Diesen Bewertungsabschlag sieht Elgeti nun als Hauptgrund dafür, deutsche Aktien innerhalb Europas überzugewichten. Auch Ziegler favorisiert daher Deutschland. In den vergangenen sechs Monaten habe sich jedoch die Bewertungslücke zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zunehmend geschlossen, amerikanische Titel seien nicht mehr um so vieles teurer als europäische, sagt Elgeti. Insgesamt seien die etablierten Aktienbörsen günstiger bewertet als viele der aufstrebenden Länder, der sogenannten Emerging Markets.

Quelle: F.A.Z., 27.08.2005, Nr. 199 / Seite 21
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