Anleihen, Aktien und Gold

Was ist sicher, was bringt Rendite?

Von Dyrk Scherff
04.12.2011
, 08:29
Wie viel ist mein Geld noch wert? Die Deutschen haben das eigene Haus oder die eigene Wohnung als Geldanlage neu entdeckt
Die Börse spielt verrückt: Staatsanleihen sind Risikopapiere. Der Euro steht am Scheideweg. Wo ist das Geld noch sicher?
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Anleihen

Dass Staatsanleihen aus dem Euroraum nicht mehr sicher sind, ist seit dem vergangenen Jahr klar, als die Griechenland-Krise sich zuspitzte. Staatsanleihen können ein beträchtliches Risiko haben, teilweise fast so hoch wie das von Aktien. Wenn das Land pleitegeht, verlieren die Gläubiger oft mehr als 70 Prozent ihres geliehenen Geldes. Ähnliche Verluste drohen auch Aktienbesitzern bei einer Insolvenz des Unternehmens. Immerhin gibt es für die höheren Risiken auch wieder einen höheren Zins. Wer an Italien glaubt, kann derzeit immerhin fast sieben Prozent im Jahr verdienen – aber eben nicht mehr risikolos.

Bild: F.A.Z.

Es gibt auch noch solide Staatsanleihen. Bundesanleihen sind das derzeit, aber auch das kann sich ändern, wenn Deutschland für andere Euroländer voll haften muss. Außerhalb des Euro-Gebietes sind zum Beispiel die Schweiz, Norwegen und Schweden sicher. Hohe Renditen darf man aber hier nicht erwarten, zudem gibt es Währungsrisiken. Und wenn der Euro-Raum kränkelt, werden auch diese Staaten zum Teil betroffen sein.

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Außerhalb Europas lohnt sich etwa ein Blick nach Australien, Neuseeland und Kanada, die eine viel geringere Staatsschuld haben als die europäischen Länder. Aber Währungsrisiken gibt es natürlich auch hier. Schwellenländer-Anleihen bieten viel Zins, geringere Schuldenstände und wachsende Volkswirtschaften, dafür sind die politischen Risiken nicht zu unterschätzen. Dennoch gehören diese Staaten ebenfalls ins Anleihendepot. Genauso wie Firmenanleihen. Seriöse Unternehmen bieten teilweise eine höhere Sicherheit als Staatsanleihen

Sicherheit: gering bis hoch

Renditechance: klein bis mittel

Aktien

Die als so riskant verschriene Anlageklasse kann solider sein, als mancher denkt, und auch noch Geld einbringen. Es sind nicht die konjunkturabhängigen Aktien wie Auto- und Maschinenbauer. Aber die defensiven Werte, die von einer Rezession nicht so getroffen sind. Also Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé, Gesundheitskonzerne wie Fresenius oder Fresenius Medical Care oder Konsumgüterhersteller wie Unilever.

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Sie erwirtschaften stabile Einnahmen ohne allzu große Schwankungen, auch ihre Aktienkurse bleiben recht stabil. Ihr Insolvenzrisiko ist kleiner als das mancher Staaten. In der Regel zahlen sie auch noch überdurchschnittlich hohe Dividenden – und das sehr verlässlich über viele Jahre. Es gibt Unternehmen, die seit Jahrzehnten ihre Ausschüttung fast nie gesenkt haben. Manche als defensiv geltende Aktie ist aber erstaunlich riskant. Etwa Pharmaaktien, deren Kurs kräftig einbrechen kann, wenn ein wichtiges Medikament keine Zulassung bekommt. Oder deutsche Versorger wie Eon und RWE, deren Aktienkurse in diesem Jahr sehr unter dem Atomausstieg leiden.

Sicherheit: mittel bis niedrig

Renditechance: mittel bis hoch

Gold

Das Edelmetall gilt als die sicherste Form der Geldanlage. Denn selbst in der größten Krise gibt es dafür Käufer – basierend auf jahrhundertelangem Vertrauen in die Werthaltigkeit. „Sicher“ heißt hier allerdings nur, dass Gold nicht wertlos wird. Aber es kann durchaus an Wert verlieren. Selbst in unruhigen Zeiten, in denen es normalerweise gefragt ist. So geschieht es derzeit: Seit August hat sich der Goldpreis kaum verändert, obwohl die Euro-Krise sich deutlich zugespitzt hat. Denn Goldbesitzer sind auch normale Anleger, die mit anderen Wertpapieren Verluste erlitten haben und als Ausgleich dafür ihre gewinnbringenden Goldbestände verkaufen.

Bild: F.A.Z.

Zudem gilt: Kommt es zu einer größeren Krise, haben Privatmenschen nicht mehr so viel Geld für Goldkäufe, weil ihr sonstiges Vermögen schrumpft – so geht etwas Auftrieb für die Preise verloren. Umgekehrt stieg in den vergangenen Jahren der Goldpreis gerade auch in guten Börsenjahren.

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Sicherheit: mittel bis niedrig

Renditechance: klein bis mittel

Rohstoffe

Gold zählt zwar zu den Rohstoffen, gilt aber als Edelmetall eher als eine Fluchtgeldanlage für unsichere Zeiten denn als Industriemetall, das von der Konjunkturentwicklung abhängt. Auch die Industriemetalle können hohe Gewinne abwerfen wie die vergangenen Jahre gezeigt haben. Denn wenn die Weltkonjunktur brummt, braucht sie Metalle für ihr Wachstum. Kupfer ist dafür der Klassiker, weil es in vielen industriellen Anwendungen und beim Ausbau der Infrastruktur benötigt wird. Der Preis von Rohstoffen hängt daher auch stark von der Entwicklung der Schwellenländer ab, die am stärksten ihre Infrastruktur ausbauen. Aber die Preise fallen auch schnell, wenn die Wirtschaftslage sich eintrübt.

Bild: F.A.Z.

Das merkt man derzeit. Eine sichere Geldanlage sind Metalle also nicht. Auch Öl hat bis zum April schöne Gewinne beschert, befeuert auch durch die Revolutionen in Nordafrika, wo viel Öl lagert. Doch mit den verstärkten Konjunktursorgen und der Entspannung in Libyen fiel der Ölpreis. Und ein weiterer Anstieg ist auch in den kommenden Monaten nicht zu erwarten. Denn die Förderung scheint auszureichen. Die Investition in Nahrungsmittel ist vor allem langfristig interessant, denn die Weltbevölkerung wächst stärker als die Produktion von Nahrungsmitteln. Die Kurse von Zucker, Weizen & Co. schwanken allerdings stark, Anleger sollten auf jeden Fall auf einen Korb von Agrarrohstoffen und nicht auf einzelne Rohstoffe setzen.

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Sicherheit: gering

Renditechance: hoch

Wald

Immer mehr in Mode kommt die Geldanlage in Wald. Die Motive sind ähnlich wie die für Immobilien: Sachwerte seien sicher in der Krise. Das stimmt insofern, als der Preis des Waldgrundstücks steigt, wenn sich das allgemeine Preisniveau erhöht. Die Bäume bieten also einen Inflationsschutz. Aber ob in einer größeren Krise jemand seinen Wald auch immer los wird, wenn er Geld braucht, ist eher fraglich. Die Renditeaussichten sind zudem begrenzt. Wald kostet erst mal viel, weil er laufend bewirtschaftet werden muss und der Besitzer dazu meist Hilfe von extra engagiertem Personal braucht. Wer Waldzertifikate oder geschlossene Waldfonds kauft, hat solche Kosten zwar nicht. Aber er bekommt oft wenig Rendite – wenn die Kalkulation überhaupt seriös ist.

Sicherheit: hoch bis mittel

Renditechancen: klein

Immobilien

Die Deutschen haben das eigene Haus oder die eigene Wohnung als Geldanlage neu entdeckt. Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise suchen sie im Vermögen aus Stein die Absicherung vor einem möglichen Zusammenbruch des Euro und Inflation. Die Steine versprechen Sicherheit, denn sie haben einen realen Wert, der mit der Inflation mitsteigt. Und sie bietet ein Dach über dem Kopf, selbst wenn es ganz dick kommt. Die Sicherheit ist allerdings geringer als gedacht. In Krisenzeiten kauft niemand ein Haus, weil dann meist das Geld dafür fehlt. Man kann es dann höchstens selbst bewohnen und sich daher Miete sparen.

Bild: F.A.Z.

Und selbst in normalen Zeiten bekommt man Immobilien nur gut los, wenn sie sich in wachsenden Großstädten in guten Vierteln befinden. Wer ein Haus weit außerhalb der Ballungsräume besitzt, kann Schwierigkeiten bekommen. In den vergangenen Jahren haben Immobiliengeschäfte zudem wenig Gewinn gebracht. Teilweise fielen die Preise sogar. Erst seit 2009 steigen die Preise etwas. Weiterer Haken: Wer eine Immobilie kauft, bindet einen großen Teil seines Vermögens oder sogar alles an ein Objekt. Das ist eine ganz schlechte Risikoverteilung.

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Sicherheit: hoch bis mittel

Renditechance: klein bis mittel

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Scherff, Dyrk
Dyrk Scherff
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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