Kolumne: "Frag den Mohr"

Soll ich die Börsenaufsteiger kaufen?

Von Daniel Mohr
02.07.2021
, 12:03
Kursgewinne mit Dax-Aufsteiger? Die Bilanz des Lieferdienstes Delivery Hero ist durchwachsen
Der Aufstieg einer Aktie in die gehobenen Indizes Dax und M-Dax versprach Kursgewinne. Doch diese Rechnung geht schon länger nicht mehr auf. Ein schneller Rat in zwei Minuten.
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Auto1 ist gerade in den M-Dax aufgestiegen. Wer ob dieser Nachricht der Deutschen Börse mit einem Kurssprung gerechnet hat, sieht sich getäuscht. Am Tag der Mitteilung lag die Aktie im Minus und am ersten Handlestag im M-Dax vergangenen Woche auch. Nun gut, was ist schon der M-Dax? Das ist ja nur die zweite Börsen-Liga.

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Aber auch die Dax-Jubelsprünge sind nicht mehr das, was sie mal waren. Siemens Energy, der jüngste Index-Neuling, hat sich im März nach der Bekanntgabe der Dax-Aufnahme von Kursen um 30 Euro auf 32 Euro geschleppt und ist nun auf knapp 26 Euro abgesackt. Euphorie sieht anders aus.

Es lohnt ein nüchterner Blick, was so eine Indexaufnahme mit sich bringt: mehr Indexfonds investieren (zwangsweise) in die Aktie, Analysten und Medien schauen genauer hin. Den Kurs belebt dies nur bedingt. Das Volumen in Dax-Indexfonds ist zu niedrig, um für einen nachhaltigen Schub für die Aktie zu sorgen. Auch viele andere Fonds orientieren sich bei der Geldanlage an den Leitindizes, was kein Ausweis besonderer Kreativität der Finanzmarktprofis ist. Aber auch das garantiert keinen guten Kurs. Siehe Wirecard. Da waren namhafte Fonds groß investiert, aber erst die auch Dax-bedingt erhöhte Aufmerksamkeit mancher Medien und Analysten ließ das Kartenhaus zusammenbrechen.

Für eine erfolgreiche Aktie braucht es mehr als die Indexmitgliedschaft. Die kann das Sahnehäubchen auf der Torte werden, bringt sie doch immerhin ein paar ETFs als neue Aktionäre mit sich. Die jüngste Vergangenheit zeigt jedoch, dass neben Wirecard auch Siemens Energy, MTU, Covestro, Pro 7 und Lanxess im Dax unterm Strich enttäuschten. Die Indexaufnahme erfolgt aufgrund guter Kurse der Vergangenheit. Eine Qualitätskontrolle, ob das Geschäftsmodell in der Zukunft Erfolg verspricht, ist das nicht. Die muss jeder Anleger selbst machen.

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Frag den Mohr

Haben Sie Fragen rund um das Thema Geld? Wenden Sie sich gern an Daniel Mohr unter fragdenmohr@faz.de

Quelle: F.A.S.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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