Preis im Abwärtstrend

Jetzt Heizöl kaufen?

Aktualisiert am 14.09.2020
 - 15:24
Der niedrige Preis lockt zu bestellen.
Der Heizölpreis ist auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren gefallen. Lohnt es sich jetzt zuzugreifen oder zu warten? Käufer sollten nicht zuletzt die amerikanischen Präsidentenwahlen im Auge behalten.

Der Heizölpreis ist in Deutschland flächendeckend unter die Marke von 40 Euro gefallen und liegt damit auf einem ähnlichen Niveau wie vor mehr als 16 Jahren. Das Info-Portal Heizoel24 gibt den Durchschnittspreis mit 37,30 Euro je 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. Mehrwertsteuer) an, Esyoil sogar nur mit 37 Euro.

Auch wenn das Portal Tecson einen bundesweiten Durchschnittspreis von 39,90 Euro nennt, sind dies nicht nur gut 27 Euro oder rund 40 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Vielmehr sind dies - abgesehen von wenigen Tagen im Januar und Februar 2016 - die niedrigsten Heizölpreise seit Juli 2004.

Wer als Hausbesitzer seinen Tank mit 3000 Litern füllen kann, muss dafür nicht einmal mehr 1200 Euro zahlen. Er spart gegenüber dem Jahresbeginn mehr als 800 Euro.

Zwei Gründe spielen zusammen, die den anhaltenden Preisverfall seit Jahresbeginn verursachen. Zum einen ist der Preis für Rohöl gesunken, seit Jahresbeginn von mehr als 60 auf rund 40 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent. Der Rückgang ist primär eine Folge des Einbruchs der weltwirtschaftlichen Aktivität durch die Corona-Krise, aber auch die anhaltend hohe Förderung durch die Staaten der erweiterten Opec und der Vereinigten Staaten, die sich nicht auf nachhaltig wirksame Kürzungen der Förderung verständigen konnten.

Zum anderen ist der Euro stark und der Dollar schwach. Seit Mai hat der Eurokurs um fast zehn Prozent zugelegt, von 1,08 auf rund 1,18 Dollar. Weil Öl in Dollar bezahlt wird, können sich die Europäer mehr Öl für den gleichen Betrag an Euros kaufen. In Euro gerechnet, hat sich der Rohölpreis für Brent von 60 auf weniger als 35 Euro je Barrel verbilligt. Das merken nicht nur Heizöl-Käufer, sondern auch Autofahrer. Der Liter Diesel ist etwa in Mönchengladbach oder Velbert nach Angaben des Portals clever-tanken.de derzeit für weniger als einen Euro zu bekommen.

Die Heizöl-Händler melden zu Beginn der Heizsaison eine rege Nachfrage, obwohl viele Heizöl-Kunden schon im Frühjahr nach einem ersten Preisrutsch ihre Tanks gefüllt haben. Das hatte seinerzeit zunächst trotz niedriger Ölpreise ein stärkeres Nachgeben des Heizölpreises verhindert.

Oliver Klapschus, Geschäftsführer von heizoel24.de, schreibt zwar am Montag, dass „die herbstliche Heizölbevorratung Fahrt aufnimmt“, die Zahl der Bestellungen bleibe aber von etwaigen Rekordmarken weit entfernt. Es sei ungewöhnlich, dass die Heizölpreise ausgerechnet im September so niedrig seien. Normalerweise sei dies nicht der beste Monat, um den Tank zu füllen.

Es könnte sich sogar lohnen, auf noch weiter fallende Preise zu spekulieren. Aber das ist riskant. Was aber immer möglich ist, ist jetzt eine Teilfüllung vorzunehmen. Selbst wenn die Preise wieder anziehen sollten, kann man sich auf diese Weise einen Teil der aktuell niedrigen Preise sichern.

Denn langfristig werden die Heizölpreise eher selten noch niedriger sein. Zwar erwägt Klapschus, dass Corona die globale Ölnachfrage dauerhaft sinken lassen könnte, allzumal ja die Verringerung des CO2-Ausstoßes ein erklärtes Ziel der Politik in zahlreichen Staaten ist. Doch hätten es alternative Energien umso schwererer, je billiger Öl sei.

Hinzu kommt, dass der Dollar im Vorfeld amerikanischer Präsidentschaftswahlen meistens zur Schwäche neigt, besonders dann, wenn die Wahlen heikel oder knapp sind. Nach den Wahlen aber folgt fast durchgängig eine überproportionale Aufwertung. Das letzte Mal blieb diese im Jahr 1976 aus - und das kann man nicht wirklich heranziehen, weil erst 1973 der Goldstandard aufgegeben wurde. Insofern sollten Heizölspekulanten auf das Wahlergebnis achten. Im Falle klarer Verhältnisse ist eine Aufwertungsrally nicht unwahrscheinlich.

Ansonsten gilt beim Heizölkauf wie bei allen größeren Anschaffungen: Vergleichen lohnt. Dabei sind Internet-Plattformen hilfreich. Und auch dass im Internet bestelltes Heizöl von schlechterer Qualität sei, ist eher eine Mär. Wer nicht gerade bei einem dubiosen Schwarzhändler bestellt, erhält stets DIN-genormtes Heizöl in einem amtlich geeichten Tankwagen.

Zwar gibt es Bio-Heizöl, Super-Heizöl und Ecotherm-Heizöl - die manchmal auch anders heißen - damit lassen sich Emissionen und je nachdem auch Heizkosten einsparen, weil etwa die Ölsorten besser verbrennen. Auch diese sind genormt. Bei niedrigen Heizölpreisen könnte aber eine bessere Verbrennung allein aus ökologischen Gesichtspunkten eine Option sein.

Günstiger werden kann Heizöl auch im Zuge einer Sammelbestellung mit der Nachbarschaft.

Quelle: FAZ.NET
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