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Produkttest

Wo gibt’s das beste Haarwachs?

Von Martin Lechtape
 - 11:27

Aus der Elvis-Tolle tropfte einst die Pomade, und die Glam-Rocker der 80er Jahre veredelten die Toupierfrisur gerne mit Haarspray. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. „Will der Mann von heute sein Haar in Form bringen, ist seit einigen Jahren Wachs das Stylingmittel der Wahl“, sagt Attila Can, Gewinner der deutschen Friseurmeisterschaften 2017. Haarwachs verleihe ein natürliches Aussehen. Im besten Fall sei gar nicht erkennbar, dass der Mann welches benutze. Die Regale in Drogeriemärkten spiegeln den Trend: Haarwachs verdrängt Gel und Spray zunehmend. Vielfältig sind die Varianten. Doch welches Wachs ist das beste?

Im Test treten sieben Marken, darunter ein Bioprodukt, gegeneinander an. Dichtes, mittellanges und leicht welliges Haar gilt es, in einen vorzeigbaren Zustand zu bringen. Die Preisspanne ist breit. Das teuerste Haarwachs im Test ist mehr als 30 Mal teurer als das günstigste. Grundlage sind die Preise, die die Hersteller auf ihrer Internetseite angeben. Da Sante, L’Oréal und Schwarzkopf dort keine Preise nennen, gelten für sie die Durchschnittspreise aller Online-Shops, die auf ihrer Homepage zu finden sind.

Das Stylingergebnis ist zwiegespalten

Die erste Probe: Deckel aufschrauben, mit der Fingerspitze etwas Wachs aus der Dose streichen und im Haar verteilen. Schon hier gibt es Probleme. Das mit Abstand teuerste Wachs „Oud Royal Perfect Finish Shaping Fiber“ von Philip B zieht widerspenstig Fäden, wenn es die Dose verlassen soll. Dafür reicht schon eine Fingerspitze, um das Haar perfekt zu stylen. Die günstige „Styling Creme Matt Paste“ der dm-Eigenmarke Balea zeigt eine bröselige Konsistenz und muss gründlich verrieben werden, damit die winzigen Körner verschwinden. Besonders leicht lässt sich dagegen die „Style2Create Beach Break Matt Paste“ der Rossmann-Eigenmarke Isana entnehmen und in den Haaren verteilen. Auch das mittelteure „TXT Flame Modellier Cream-Wax“ von L’Oréal schneidet sehr gut ab – hier genügt eine Fingerspitze.

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Waghalsige Maschine
Schnipp, schnapp, Haare ab

Das Stylingergebnis ist zwiegespalten. Die fünf konventionellen Produkte bringen das Haar gut in Form und hinterlassen dabei keine Rückstände. Ein lockerer Halt, der sehr natürlich wirkt. Frisuren, die hingegen mit dem Bio-Haarwachs in Form gebracht wurden, enttäuschen. Das „Natural Wax“ von Sante verklebt die Haare und lässt sie fettig aussehen. Das Öko-Produkt wird aus Bienenwachs und Kokosöl hergestellt. Aber auch Traubenkernöl und Wollwachs, das aus den Talgdrüsen von Schafen gewonnen wird, finden sich unter den Inhaltsstoffen.

Konventionelles Haarwachs dagegen hat viel mehr Zutaten. Neben Bienenwachs und Kokosöl finden sich auf vielen Dosen Hinweise auf Stoffe wie Paraffinum Liquidum, Petrolatum und Ozokerit. Hinter diesen Begriffen verbergen sich Mineralöle. In drei der getesteten konventionellen Produkte sind sie enthalten. Die günstigen Haarwachse von dm und Rossmann sind laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mineralölfrei.

Zertifizierte Naturkosmetik

Mineralöle haben für Hersteller große Vorteile: Sie sind geschmeidig, billig, geruchlos und machen Kosmetikprodukte lange haltbar. Doch die Stoffe bergen Risiken. Die umstrittenste Gruppe der Mineralöle heißt MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet diese Mineralöle als erbgutverändernd und krebserregend.

Vor allem in Lebensmitteln sehen Experten die Verwendung kritisch. Jedoch ist bisher unklar, ab welcher Menge gesundheitliche Effekte eintreten können. Die Stiftung Warentest hat in Kosmetika bis zu 15 000 Mal so viel MOAH festgestellt wie in Lebensmitteln. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist eine Gesundheitsgefahr aber „nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand unwahrscheinlich“. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt trotzdem: „Wer auf Nummer Sicher gehen will, steigt auf zertifizierte Naturkosmetik um.“ In der Praxis zeigen die Öko-Varianten typische Schwächen: Nach der Regensimulation mit einer Sprühflasche bildet sich ein öliger Film auf den Haaren. Dieser bleibt, auch nachdem sie wieder getrocknet sind. Ein ähnliches Bild beim Joggen: Die Haare saugen den Schweiß auf und sind eine halbe Stunde nach dem Sport immer noch nicht getrocknet.

Die „got2b Strand matte Matt-Paste“, die Schwarzkopf als meistverkaufte Männer-Haarpaste im eigenen Produktsortiment nennt, fällt beim Regentest ebenfalls durch: Schon wenige Spritzer aus der Sprühflasche spülen die elegante Männerfrisur hinfort. Auch nach einer halbstündigen Laufeinheit oder nach dem Tragen einer Wintermütze für 20 Minuten ist die Frisur zerstört.

Es muss nicht teuer sein

Nächster Test: Fahrradfahren. Die Frisur sitzt beim Start – und auch am Ziel. Der Fahrtwind kann keinem der Testhaarwachse ernsthaft etwas anhaben. Wie gut aber übersteht die wachsgestärkte Frisur den Tag? Hält sie bis zum Feierabend oder sogar länger? Enttäuschend schneidet der Schwarzkopf-Bestseller ab. Schon vier Stunden nach dem Auftragen verliert das Haar deutlich an Fülle. Einzelne Strähnen fallen haltlos ins Gesicht, und nach zwölf Stunden hängen die Haare schlaff herunter. Besser ist das Bild bei der Rossmann-Variante. Die „Matt Paste“ zeigt sich von den Härtetests unbeeindruckt, auch nach zwölf Stunden hält die Frisur noch gut. Noch bessere Ergebnisse liefern das Cream-Wax von L’Oréal aus dem mittleren Preissegment und das Wachs von Philip B. Das Edel-Stylingprodukt hält die Haare selbst nach dem Mützen- und Sporttest noch in Form.

Für sportliche Männer oder Männer, die gerne Kappen tragen, lohnt es sich, mehr Geld für ein Haarwachs auszugeben. Ansonsten gilt: Weniger ist mehr. Das günstige Isana-Wachs von Rossmann ist Testsieger. Zwar lässt sich damit keine Elvis-Tolle frisieren. Doch diese Zeiten sind ja ohnehin längst vorbei.

Quelle: F.A.S.
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