Check 24

Streit um Bank neuen Typs

Von Christian Siedenbiedel
Aktualisiert am 27.10.2020
 - 14:20
Zentrale des Vergleichsportals Check 24
Volksbanken und Sparda-Banken begehren auf gegen die neue Bank von Check 24. Sie kritisieren, ein Unternehmen könne nicht gleichzeitig neutrale Vergleiche von Girokonten versprechen und selbst eines anbieten.

Die neue Bank, mit der das Internet-Vergleichsunternehmen Check 24 um Privatkunden für Girokonten wirbt, sorgt offenbar für Streit. Wie aus einem Brief des Verbands der Sparda-Banken und des Genossenschaftsverbands Bayern an zwei Bundesministerien hervorgeht, der der F.A.Z. vorliegt, sind manche Banken offenbar nicht damit einverstanden, dass Check 24 gleichzeitig die einzige öffentlich zertifizierte Vergleichsplattform für Girokonten anbietet, und selbst auch Girokonten führt. Die Verbands-Chefs Florian Rentsch (Sparda-Banken) und Jürgen Gros (Genossenschaftsverband Bayern) beklagen sich darüber beim Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und bei Christine Lambrecht (SPD), der Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz.

Schreiben an die Regierung

In dem Schreiben heißt es, Check 24 sei nach der so genannten Vergleichs-Website-Verordnung die einzig zertifizierte Vergleichsplattform für Girokonten in Deutschland. Die vom Verordnungsgeber angedachte Förderung des Wettbewerbs durch diese Vergleichswebsites sowie die Schaffung eines objektiven Kostenvergleichs für die Bankkunden sei bisher kaum eingetreten. Stattdessen habe Check 24 erhebliche Fehler bei seinen Vergleichen eingestellt. Zudem habe sich die Situation insofern verändert, als dass Check 24 mit seinem eigenen mobilen Bankingangebot C24 nun direkt in den Wettbewerb eingreife. Dieser Markteintritt verzerre nicht nur in unzulässiger Weise die Wettbewerbssituation, er stellt auch die Objektivität von Check 24 als zertifizierten Anbieter einer Vergleichswebsite „massiv in Frage“. „Wir bitten Sie, entweder die Verordnung in dem Sinne nachzubessern, dass diese Interessenkonflikte von vornherein ausgeschlossen werden, beispielsweise mit der Einführung einer Unvereinbarkeitsklausel hinsichtlich der Doppelrolle von Anbieter von Bankingprodukten und Vergleichswebsitebetreiber, oder Check 24 aufzufordern, dass diese nun als Mitbewerber auf das Angebot einer Vergleichswebsite verzichten“, schreiben die Bankenverbände. „Wir halten eine privatwirtschaftliche Vergleichswebsite nach wie vor für den richtigen Ansatz, allerdings darf der Vergleich nicht in Händen von Anbietern liegen, die wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgen.“

Check 24 verteidigt sich

Eine Antwort der Ministerien auf das Schreiben aus der vergangenen Woche liegt den Verbänden noch nicht vor. Check 24 reagierte verwundert auf die Kritik. Man arbeite ansonsten mit den Banken gut zusammen, die für die Vergleichsplattform ja Partner des Unternehmen seien. Eine Sprecherin von Check 24 sagte: „Unser grundsätzliches Ziel ist, den Verbraucher durch unseren transparenten Service zu stärken. Mit der ersten zertifizierten Vergleichsplattform für Girokonten haben wir verwirklicht, was Politik und Regulierung gefordert haben. Es gibt ganz klar definierte Standards an die wir uns strengstens halten.“ Das Unternehmen habe sich im Vorfeld zu seinen Plänen mit seinen langjährigen Bankpartnern ausgetauscht. „Check 24 ist und bleibt eine offene Plattform für seine Kooperationspartner“, versicherte die Sprecherin. „Unser Kerngeschäft ist der Vergleich und die damit verbundene Vertriebspartnerschaft mit unseren langjährigen Bankpartnern.“ Die C24 Bank stärke als „Open Banking Plattform“, also als Plattform zur Vermittlung der Produkte unterschiedlicher Banken, dieses Modell und biete den Partnern eine weitere Vertriebsoberfläche.

Das Bundesfinanzministerium reagierte diplomatisch. „Wir nehmen die Hinweise der Volksbanken und Sparda-Banken ernst und gehen Ihnen nach“, sagte eine Sprecherin. „Auch wir erachten es als wünschenswert, dass es mehr als einen Anbieter einer Vergleichswebseite gibt.“ Nach den Vorgaben der europäischen Zahlungskontenrichtlinie sei es allerdings ausreichend, wenn Verbraucher entgeltfreien Zugang zu mindestens einer Webseite hätten, die einen Vergleich der Entgelte ermögliche.

Seit rund zwei Wochen am Start

Das Vergleichsportal Check 24 ist seit rund zwei Wochen mit seiner eigenen Bank am Start. Unter dem Namen „C24“ hat das Unternehmen ganz offiziell eine Banklizenz beantragt und wirbt nun um Kunden für Girokonten. Es gibt drei Konto-Typen, darunter ein Gratiskonto mit einer kostenlosen Debitkarte von Mastercard. Mit der sollen Kunden an praktisch allen Geldautomaten in Deutschland unentgeltlich Geld abheben können, allerdings ist die Zahl der Gratis-Abhebungen im Monat je nach Kontomodell in unterschiedlicher Höhe begrenzt. Über die Bank sollen Kunden auch Baukredite, Ratenkredite und Geldanlagen wie Tages- und Festgeld bekommen - allerdings bietet die Bank diese Produkte nicht selbst an, sondern vermittelt sie über ihre Vergleichsplattformen von anderen Banken ("Open banking"). So sollten Kunden an attraktivere Zinsen kommen als bei ihrer Hausbank, sagte Christoph Röttele, Vorstandsvorsitzender und Sprecher der Geschäftsführung bei Check 24.

Die neue Bank sorgt auch deshalb für einige Aufmerksamkeit, weil Check 24 nach eigenen Angaben etwa 15 Millionen Kunden hat und über große Werbebudgets verfügt. Das Unternehmen spricht aber nicht davon, dass man jetzt den deutschen Bankenmarkt aufrollen wolle, und will auch noch nicht sagen, ob man gar eine Kundenzahl wie die ING Deutschland oder Deutsche Bank und Commerzbank anstrebt: „Wir wollen bei Kunden als die Bank wahrgenommen werden, bei der Kunden mehr aus ihrem Geld machen“, sagte Röttele.

Quelle: FAZ.NET
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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