Tierliebe vs. Geldbeutel

Wer muss die Tierarzt-Kosten zahlen?

Von Christoph Scherbaum
29.04.2016
, 12:06
Der Besuch beim Tierarzt kann teuer werden.
Der Gang zum Tierarzt ist teuer. Für die eigene Miezekatze zahlt jeder die Rechnung wohl oder übel. Wie sieht das aber mit einem kranken Streuner aus? Das Verwaltungsgericht Gießen geht der Frage nach.
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Wir Deutschen sind tierlieb. Fast vier Milliarden Euro geben wir pro Jahr für Futter und Accessoires unserer Vierbeiner aus. Dazu gehören auch Kosten für den Tierarzt. Diese werden von jedem Tierhalter selbstverständlich gezahlt – geht es doch ums Wohl des eigenen Tieres. Was passiert aber, wenn ein engagierter Bürger fremde, herumstreunende Tiere, die sich in einem schlechten Zustand befinden, zum Tierarzt bringt? Üblicherweise ist es die Aufgabe der jeweiligen Kommune, für die Behandlung des hilflos aufgefundenen Tieres aufzukommen. Normalerweise – genau hier sollte man aufpassen, denn man könnte eventuell auf den Kosten sitzen bleiben.

Das Verwaltungsgericht Gießen hat nämlich jüngst die Zahlungsklage einer Frau gegen die Stadt Alsfeld abgewiesen. Die Klägerin hatte im Jahr 2014 mehrere, auf einem verlassenen Gehöft in einem Alsfelder Stadtteil lebende Katzen, um die sich niemand kümmerte, wegen deren aus ihrer Sicht schlechtem Zustand eingefangen und im Tierheim Alsfeld behandeln, kastrieren und chippen lassen, wofür ihr Kosten in Höhe von 1215,59 Euro in Rechnung gestellt wurden. Diesen Betrag klagte sie gegen die Stadt Alsfeld mit der Begründung ein, ihr stehe ein Aufwendungsersatzanspruch zu, weil sie mit der Unterbringung und Behandlung der Tiere im Tierheim eine Aufgabe der Gemeinde wahrgenommen habe. Dem ist das Verwaltungsgericht Gießen nicht gefolgt.

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Streuner ist nicht gleich ein „Fundtier“

In seinem ausführlich begründeten Urteil legt das Gericht dar, dass es sich bei den Katzen nach den Umständen des Einzelfalls nicht um Fundtiere gehandelt habe, so dass der Klägerin kein Aufwendungsersatzanspruch nach dem Fundrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zustehe. Eine Katze könne nur dann als Fundtier qualifiziert werden, wenn sie entweder an einem für Katzen ungewöhnlichen Ort oder einem fremden Ort oder in hilfloser Lage vorgefunden werde. Dies habe hier nicht vorgelegen. Schon die Tatsache, dass die Katzen hätten eingefangen werden müssen, um in ihren Besitz zu gelangen, belege, dass es sich nicht um Fundtiere gehandelt habe, so das Gericht weiter.

Die Entscheidung (Urteil vom 02.03.2016, Az.: 4 K 84/15.GI) ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht hat wegen grundsätzlicher Bedeutung die Berufung zugelassen. Die Konsequenz aus diesem Urteil für tierliebende und fürsorgende Bürger dürfte die folgende sein: Wer ein hilfsbedürftiges Tier auffindet, sollte dieses auf jeden Fall am Tag dem zuständigen Ordnungsamt melden – bevor der Gang zum Tierarzt erfolgt ist. In der Nacht wiederum ist die Polizei als Ansprechpartner vor Ort.

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Quelle: FAZ.NET
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