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„Schlechtes Zeugnis“

Jugendliche wollen mehr übers Geldanlegen wissen

 - 13:11
Viele Jugendliche können sogar etwas Geld zurücklegen. Bild: Picture-Alliance

Ein starker Wunsch nach mehr Wirtschaftsunterricht, ein eher sorgloser Umgang mit persönlichen Daten, gebremster Optimismus und mehr Zufriedenheit mit den Banken – das sind die Ergebnisse der aktuellen Jugendstudie des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Mit seiner Jugendstudie fühlt der BdB der Jugend alle drei Jahre den Puls. In diesem Jahr befragte die Marktforschungsgesellschaft GfK im Auftrag des Verbands 650 14- bis 24-Jährige.

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Die Unzufriedenheit einer deutlichen Mehrheit der Jugendlichen mit der schulischen Bildung zu wirtschaftlichen Themen sticht dabei besonders heraus. Demnach sagen 71 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, dass sie in der Schule „nicht viel“ bis „so gut wie gar nichts“ über Wirtschaft lernen bzw. gelernt haben. „Die Jugendlichen stellen der Wirtschaftsbildung an deutschen Schulen ein schlechtes Zeugnis aus. Sie wünschen sich eindeutig mehr Informationen über Wirtschaft. Das ist ein klarer Appell an die Politik“, sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. „Bei einigen Themen ist es leicht besser geworden“, sagte Krautscheid, Aber die Zahlen seien immer noch „relativ überschaubar und bescheiden“.

Stimmung leicht gedämpft

Zwar hat sich das Wirtschafts- und Finanzwissen der Jugend laut dem Bericht gegenüber 2015 leicht verbessert. Doch weist es aber weiterhin große Lücken auf. 82 Prozent können nicht sagen, wie hoch zurzeit ungefähr die Inflationsrate in Deutschland ist. 53 Prozent wissen nicht, was „Rendite“ bedeutet. 67 Prozent geben an, keine Ahnung davon zu haben, was an der Börse passiert.

Sein Verband fordert deswegen seit Längerem ein eigenes Schulfach Wirtschaft, so Krautscheid. „Man merkt ganz deutlich, dass es so an den Grundbegriffen scheitert“, sagte der BdB-Vorsitzende. Deswegen sei es sinnvoll, das Fach einige Jahre einzeln zu unterrichten. Dann habe man auch mehr davon, wenn Wirtschaft später in anderen Fächern wie Geschichte oder Geografie auftauche.

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Auch die allgemeine Stimmungslage unter den Jugendlichen wird in der Jugendstudie aufgegriffen. Demnach blickt die Jugend 2018 weniger optimistisch und zuversichtlich in die Zukunft als noch 2015. Jugendliche und junge Erwachsene sind trotz der sehr guten beruflichen Perspektiven und der unverändert guten wirtschaftlichen Lage Deutschlands auch weniger zufrieden als noch vor drei Jahren.

Schulden nur bei der Familie

Datenschutz ist der Jugend 2018 zwar wichtig (47 Prozent) oder sehr wichtig (43 Prozent), sie geht aber sorgloser mit ihren persönlichen Daten um. Der Anteil der „Online-Banker“ hat in den letzten drei Jahren von 35 auf jetzt 70 Prozent verdoppelt. Online-Banking sei in der jungen Generation fast zur „Normalität“ geworden. Zwei Drittel (69 Prozent) der jungen Generation haben demnach eine positive Meinung von den Banken. 84 Prozent sind auch mit ihrer eigenen Bank zufrieden oder sehr zufrieden – erstmals seit der Finanzkrise gebe es damit einen leicht positiven Trend. Fast drei Viertel der Befragten finden Infos zu Geldanlagegelegenheiten zudem wichtig und wünschen oder erwarten sich solche auch von ihrer Bank. 76 Prozent der Befragten besitzen ein eigenes Girokonto, girocard und Sparbuch nutzen noch jeweils die Hälfte der jungen Leute. Immerhin 9 Prozent verfügen über Aktien und Wertpapiere, 6 Prozent nutzen Kryptowährungen als Anlageprodukt.

85 Prozent der Befragten kommen mit ihrem Geld „gut über die Runden“. Jeder Zweite kann sogar regelmäßig sparen – und zwar deutlich mehr als 2015. Während der durchschnittliche monatliche Sparbetrag vor drei Jahren noch bei 132 Euro lag, legen Jugendliche nun im Schnitt 179 Euro zurück. Dem Bericht zufolge spielt Konsumsparen bei Jugendlichen noch eine größere Rolle als bei jungen Erwachsenen. In beiden Gruppen habe aber das Sparen zum Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge deutlich zugenommen. Lediglich 8 Prozent haben Schulden, die allermeisten haben sich Geld bei ihren Eltern, Verwandten oder bei Freunden geliehen.

Quelle: jsa./dpa
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