50 Euro mehr im Jahr

Strompreis steigt auf Rekordstand

Von Christian Siedenbiedel
15.01.2021
, 14:42
Eigentlich wollte die Bundesregierung die Verbraucher von Stromkosten entlasten. Doch nun zahlen die Deutschen den wohl höchsten Strompreis auf der Welt. Was ist da schiefgelaufen?

Der Strompreis für Verbraucher in Deutschland hat einen neuen Rekord erreicht. In der Grundversorgung, also ohne Wechsel zu einem günstigeren Anbieter, zahlten Verbraucher zuletzt mehr als 33 Cent je Kilowattstunde. Das geht aus Zahlen der Vergleichsportale Verivox und Check 24 hervor. Beide kommen auf leicht abweichende Durchschnittswerte: Verivox spricht von 33,77 Cent je Kilowattstunde, Check 24 von 33,08 Cent. In jedem Fall handele es sich um Allzeithochs für Deutschland, möglicherweise sogar um den höchsten Strompreis auf der Welt. Gegenüber dem Vorjahresmonat betrage der Preisanstieg ungefähr 4 Prozent.

Interessant dabei: Eigentlich hatte die Bundesregierung angekündigt, als Ausgleich für höhere Kosten bei Kraftstoff, Heizöl und Erdgas durch die Einführung eines CO2-Preises zum Jahreswechsel die Verbraucher beim Strom entlasten zu wollen. Immerhin 11 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt wurden dazu für die Jahre 2021 und 2022 bereitgestellt. Und nun müssen Verbraucher zumindest ohne Wechsel zu einem günstigeren Anbieter sogar mehr für ihren Strom zahlen als voriges Jahr. Laut Verivox zahlt ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt jetzt 50 Euro im Jahr mehr für Strom als im vergangenen Jahr. Gegenüber dem Vorjahr werden Verbraucher also stärker belastet, statt entlastet.

Zwei Deutungen könnte man sich vorstellen: Entweder gilt die Entlastung der Verbraucher durch die Bundesregierung nicht gegenüber dem Vorjahr, sondern nur gegenüber der theoretischen Entwicklung des Strompreises in diesem Jahr ohne Bundeszuschuss. Oder: Es erweist sich als eine Schwierigkeit, dass die Bundesregierung mit ihrem Schritt zwar die administrativen Kosten der Stromanbieter etwas senkt, dass diese die Senkung aber nicht notwendigerweise auch an die Verbraucher weitergeben müssen.

Anstieg ohne Entlastung wohl noch stärker

Bei Verivox stellt man die erste Deutung in den Vordergrund: Ohne den Schritt der Bundesregierung wären die Strompreise noch viel stärker gestiegen. Ein nicht unerheblicher Anteil am Strompreis ist die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien. Im vorigen Jahr betrug sie 6,75 Cent je Kilowattstunde. Diese Umlage nun fällt wegen ihres Charakters als Preisausgleich für alternative Anbieter hoch aus, wenn der Strompreis an der Börse niedrig ist, was wegen Corona zuletzt der Fall war. Sie hätte 2021 von 6,75 auf 9,6 Cent je Kilowattstunde angehoben werden müssen, wenn die Bundesregierung nicht mit Geld eingesprungen wäre und sie auf 6,5 Cent gedeckelt hätte. Bei diesem Teil des Strompreises spart ein Durchschnittshaushalt laut Verivox gegenüber dem Vorjahr etwa 10 Euro im Jahr. Allerdings sei ein anderer Teil des Strompreises, die Netzentgelte, zumindest in manchen Regionen gestiegen. Außerdem mache sich bei dem jüngsten Rekord die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer bemerkbar.

Etwas unklar sei dagegen, ob Stromanbieter die niedrigen Preise an der Börse bisweilen verspätet weitergäben. Die Unternehmen selbst verwiesen in diesem Zusammenhang gern auf ihre eigenen langfristigen Einkaufsverträge, die es in der Tat in vielen Fällen gebe.

Auch der Stromanbieter-Verband BDEW verwies vor allem darauf, dass ohne den Bundeszuschuss die EEG-Umlage stark gestiegen wäre. Er forderte, die Umlage solle gesetzlich auf maximal 5 Cent begrenzt werden.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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