Nach Corona-Erfahrungen

40 Prozent der Mieter finden Wohnsituation nicht mehr optimal

28.12.2020
, 12:27
Bei den Immobilienpreisen und Mieten hat Corona kaum Spuren hinterlassen. Allerdings verändern sich persönliche Wohnvorlieben und mit ihnen auch die Preisstruktur.

Die Immobilienpreise in Deutschland haben sich auch von der Corona-Krise nicht stoppen lassen. Im dritten Quartal dieses Jahres waren Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt 7,8 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Das berichtete das Statistische Bundesamt am Montag und bestätigte damit seine erste Schätzung vom November.

Der Preisanstieg war der stärkste seit dem vierten Quartal 2016 mit damals durchschnittlich 8,4 Prozent. Im Vergleich zum zweiten Quartal des laufenden Jahres kletterten die Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland im Schnitt um 2,9 Prozent und damit noch 0,3 Punkte stärker als zunächst geschätzt.

Die Nachfrage nach Wohnraum wird von niedrigen Bauzinsen vor allem in den Ballungsräumen befeuert. Die Statistiker beobachteten aber auch anderenorts große Preissteigerungen. So stiegen die Preise für Wohnungen in mittleren Großstädten mit einem Plus von 10,2 Prozent am stärksten. Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen waren 9,7 Prozent teurer als vor einem Jahr und stellten damit die Preisentwicklung in den sieben größten Städten (plus 8,9 Prozent) in den Schatten.

Mieten steigen langsamer

Auch die Mieten steigen weiter. Zwar flacht der Anstieg nach Dafürhalten des Hamburger Gewos-Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung bei durchschnittlich 3,4 Prozent im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum längerfristig ab. In den sieben größten Städten, darunter Berlin, Hamburg und München, betrug das Plus 4,5 Prozent.

Der Druck auf die Mieten verschiebt sich ins Umland. Gewos-Geschäftsführerin Carolin Wandzik hält es für wahrscheinlich, dass die Mieten im Umland 2021 stärker steigen als in den Großstädten selbst. Auch für Investoren werde das Umland der Metropolen attraktiver. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt dies. „Die Corona-Krise verstärkt den Trend zur Wanderung ins Umland der Großstädte“, sagte Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Folglich könnten die Mieten in den Speckgürteln stärker steigen als in den Metropolen, wo schon viel Spielraum für Erhöhungen ausgereizt sei. Womöglich werde es eine stärkere Zweiteilung am Mietmarkt geben. Das Umland ziehe noch mehr Familien an, die Platz brauchten und in den Städten dominierten kleinere Haushalte, Singles und junge Leute. Die Metropolen seien zudem zuletzt vor allem durch den Zuzug ausländischer Fachkräfte gewachsen. Diese aber kämen mit der Corona-Krise seltener, sagt Voigtländer. Kleinere Städte mit einem guten Angebot an Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sowie einer guten Verkehrsanbindung an die Metropolen seien gefragt.

Eine stärkere Nutzung des Homeoffice verstärke den Trend noch, da die Menschen eine größere räumliche Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz in Kauf nehmen könnten. Höhere Kosten, etwa für Strom, könnten Arbeitnehmer zudem zumindest teilweise von der Steuer absetzen. Eine neue Landlust sei das aber nicht, denn dazu fehle es dort an Kitas, Schulen und Angeboten zum Einkaufen und Ausgehen.

Dass sich Wohnpräferenzen infolge der Pandemie aber geändert haben, darauf deutet eine Umfrage der Landesbausparkassen unter gut 1000 Menschen hin. 34 Prozent gaben dabei an, bei einem Umzug stärker auf Balkon oder Garten achten zu wollen, 23 Prozent hätten gerne mehr Zimmer und je 17 Prozent mehr Möglichkeiten zur Selbstversorgung sowie eine bessere Internetverbindung. Jeweils 15 Prozent wünschten sich eine bessere Nachbarschaft und eine Wohnung weiter außerhalb.

„Viele Wünsche laufen also darauf hinaus, dass es die Bundesbürger tatsächlich verstärkt ins Umland verschlagen könnte, denn dort lassen sich die meisten Ansprüche eher erfüllen als mitten in der Stadt“, folgern die Autoren. Ganze 40 Prozent der Mieter fänden ihre Wohnsituation nach den Corona-Erfahrungen nicht mehr optimal.

Der nachlassende Zustrom in die Großstädte wirkt sich laut Gewos auch auf die Bevölkerungszahlen aus, hieß es einer kürzlich vorgestellten Prognose bis 2035. Städte wie Stuttgart und Düsseldorf, aber auch das boomende München wachsen demnach langsamer. Insgesamt seien aber keine Einbrüche bei den Mieten und Preisen zu erwarten, glaubt Voigtländer. Offenbar seien Immobilien nicht so überbewertet wie gedacht und die Wohnungsknappheit bleibe.

Quelle: mho.
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