Wohnen im Alter

Wenn das Herz über die Vernunft siegt

Von Kerstin Papon
27.01.2021
, 19:11
Mit dem Alter schwindet oft die Bereitschaft zum Umzug. Vor allem ein Wohnungswechsel weg vom Land hinein in die Stadt fällt so manchem schwer – auch wenn die Infrastruktur dort meist besser ist.

Wahre Umzugsfans dürfte es vermutlich nur wenige geben. Denn selbst wenn das neue Heim viel schöner, moderner und besser gelegen ist, mit jedem Wohnungswechsel sind eine Menge Arbeit, Zeit und auch Kosten verbunden. Das gewohnte Umfeld verändert sich bisweilen stark. Dennoch kann es gerade für viele ältere Menschen sinnvoll sein, den Arzt, die Apotheke oder einen gut bestückten Supermarkt ganz in der Nähe und damit zu Fuß erreichbar zu wissen, um im Alter besser versorgt zu sein.

Üblicherweise ist dies im Umfeld von Städten eher der Fall als in vielen ländlichen Regionen, vor allem wenn diese dünn besiedelt sind. Häufig leben auch die Kinder und Enkel in urbaneren Gegenden, was ebenfalls ein wichtiges Argument für einen Umzug sein könnte. Eine repräsentative Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zeigt, dass aber nur für eine Minderheit der derzeit in ländlichen Regionen wohnenden Befragten ein Umzug vom Land in die Stadt aus Altersgründen in Frage kommt. Zwei Drittel dieser Gruppe könnten sich das eher oder gar nicht vorstellen, nur ein Viertel ist mehr oder weniger bereit dazu.

Die geringe Neigung, im Alter den Wohnort noch einmal zu wechseln, sei insgesamt weit verbreitet, und das nicht nur unter der Dorfbevölkerung, sagt ein Sprecher des DIA. Mit zunehmendem Alter wächst bei vielen die Abneigung gegen einen Umzug. Dies zeigt auch die Umfrage. In der Gruppe der weniger als 50 Jahre alten Befragten lehnte gut die Hälfte einen Wohnortwechsel aus Altersgründen ab. Rund ein Fünftel konnte und wollte sich noch nicht festlegen. Ziemlich eindeutig war dagegen das Meinungsbild in der Gruppe der mehr als 50 Jahre alten Umfrageteilnehmer. Unter ihnen konnten sich rund drei Viertel eine Änderung der Wohnsituation nicht vorstellen. Sie zeigten sich bestrebt, auch im Alter das gewohnte Wohnumfeld zu behalten.

Die Ausdünnung der Versorgungsinfrastruktur, die seit einiger Zeit in vielen ländlichen Regionen zu beobachten sei, treffe vor allem ältere Einwohner, sagt das DIA. Ihre Mobilität nehme auch durch den Abbau des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Land ab. Kommunen und Länder sollten sich daher Gedanken machen, wie sie Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum aufrechterhielten. Für die Umfrage des DIA wurden in Deutschland gut 3000 Personen befragt.

Mieter und Eigentümer gleichermaßen betroffen

Die Frage des besten Wohnens im Alter trifft Mieter wie Eigentümer gleichermaßen. Für ein Drittel der älteren Hauseigentümer sei die Infrastruktur des meist ländlichen Wohnorts das Problem und ein Umzug in die nächstgelegene Kleinstadt die beste Alternative, sagen die Fachleute von McMakler. Dies habe vor gut anderthalb Jahren eine Umfrage unter den damals gut 250 Maklern des Hauses gezeigt. Mit abnehmender Mobilität sei es hilfreich, wenn Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzte fußläufig zu erreichen seien. Zudem ist längst nicht jede Immobilie und Wohnung altersgerecht. Laut der McMakler-Umfrage entscheidet sich weit mehr als die Hälfte der älteren Eigentümer für den Verkauf ihrer Immobilie, die manchmal einfach nur zu groß ist. Vor zehn Jahren tat dies nur ein Viertel.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Papon, Kerstin
Kerstin Papon
Redakteurin in der Wirtschaft.
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