Discount-Zertifikate

Verdienen an der Langeweile

Von Dyrk Scherff
06.06.2016
, 11:35
Deutsche Börse in Frankfurt
Der Dax pendelt seit Monaten hin und her. Mit Discount-Zertifikaten lässt sich davon profitieren. Doch wie funktioniert das Ganze eigentlich und für welchen Anlegertyp interessant?
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Am Montag rauf, Dienstag und Mittwoch wieder runter, dann wieder nach oben, Freitag runter - per saldo kommt der Dax nicht vom Fleck. Und das seit März. Deutschlands wichtigster Aktienindex pendelt seitdem zwischen 9500 und 10.500 Punkten. Anleger haben nichts verdient.

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Für solche Zeiten wurden Discount-Zertifikate erfunden. Sie gewinnen, wenn der Dax keine klare Richtung kennt. Innerhalb der Zertifikatewelt gelten sie als Klassiker, als seriös im Vergleich zu manch komplizierten, undurchschaubaren Konstruktionen, die den Banken vor allem eine schöne Marge bescheren, bei denen der Anleger aber nicht wirklich nachvollziehen kann, wann er wie viel verdient. Die Discount-Zertifikate der einzelnen Banken hingegen sind vergleichbar, es herrscht hoher Wettbewerb - hohe Gebühren kann sich kein Anbieter leisten.

Die Unsicherheit der Abstimmung der Briten

Das Funktionsprinzip der Papiere ist einfach: Anleger kaufen einen Index wie den Dax oder den europäischen Euro Stoxx 50 mit einem Rabatt auf den aktuellen Indexstand. Dieser Discount dient als Sicherheitspuffer. Der Käufer verdient also auch etwas, wenn sich die Kurse zum Fälligkeitstermin kaum bewegt haben wie derzeit, und sogar bei leichten Verlusten, solange sie kleiner als der anfängliche Preisnachlass sind. Natürlich gibt es das nicht ohne Gegenleistung. Der Haken: Die Gewinne sind auf eine bestimmte Obergrenze (den sogenannten Cap) begrenzt. Steigt der Index darüber, haben die Anleger davon nichts. Für sehr optimistische Anleger ist ein Discount-Zertifikat also das falsche Produkt. Sie setzen lieber direkt auf den Dax, zum Beispiel mit einem Indexfonds (ETF). Fallen die Kurse stark, rutscht auch das Discount-Zertifikat ins Minus - allerdings später und nicht so stark. Entscheidend ist der Indexstand zum Ende der Laufzeit. Was dazwischen passiert, ist nur wichtig bei vorzeitigem Verkauf.

Die Banken bieten diese Zertifikate mit kurzen Laufzeiten von wenigen Monaten bis zu mehr als einem Jahr an. Für langfristige Anleger gibt es aber keine entsprechenden Papiere. Die Finanzhäuser konstruieren die Zertifikate mit Hilfe von marktüblichen Optionen. Es existieren Hunderte von Varianten mit vielen verschiedenen Cap-Schwellen, so kann ein Anleger leicht ein Produkt finden, das seiner Risikoneigung entspricht.

Bild: F.A.Z.

Sehr konservative Zertifikate können trotzdem noch fünf Prozent im Jahr einbringen. Das ist derzeit der Fall, wenn der Dax in einem Jahr nicht unter 9000 Punkten notiert. Derzeit steht er bei 10.100 Punkten. Etwas riskantere Varianten bringen mehr als zehn Prozent ein, nämlich dann, wenn der Dax in einem Jahr auf 11.000 Punkte gestiegen ist. Noch riskanter sind kürzere Laufzeiten von einem halben Jahr (siehe Tabelle). Hier spielt die Unsicherheit der Abstimmung der Briten am 23. Juni über einen Austritt aus der EU (Brexit) eine große Rolle. Sollte es zu einem Brexit kommen, würden die Aktienkurse wohl fallen. Solche Verluste können die Discount-Zertifikate in einer kurzen Laufzeit schwerer wieder aufholen als bei längeren Laufzeiten.

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Im Preis eingerechnete Gebühren von rund 0,5 Prozent

Die Chancen sind dementsprechend aber auch höher. Steigt der Dax bis Jahresende leicht auf 10.500 Punkte, haben Anleger 16 Prozent Jahresrendite erzielt, also für diese sechs Monate acht Prozent. Dabei wäre noch nicht einmal schlimm, wenn der Dax im Juli etwa wegen einer Mehrheit für den Brexit auf 9000 Punkte fällt und sich dann wieder erholt.

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Vorsichtiger ist es sicherlich, wenn Anleger die Abstimmung in zweieinhalb Wochen abwarten und dann erst kaufen. Wurde dann aber gegen den Brexit entschieden, entweicht die Unsicherheit aus den Zertifikatpreisen und die Renditechancen sind bei den kurzen Laufzeiten kleiner. Bei den längeren Laufzeiten dürfte sich das nicht so stark bemerkbar machen.

Bei der Auswahl des richtigen Papiers sind die beiden Börsen Euwax (Stuttgart) und Frankfurt führend. Welche Bank die Papiere ausgibt, ist derzeit eigentlich unerheblich. Zwar erleiden Zertifikate im Pleitefall der Bank einen Totalausfall - bei den Marktführern Deutsche und Commerzbank, BNP oder Citigroup ist die Gefahr aber derzeit klein. Auch die Handelbarkeit ist bei allen Banken gleich gut gegeben. Nur im Falle eines Börsencrashs wäre sie bei den Marktführern vermutlich etwas größer. Die im Preis eingerechneten Gebühren von rund 0,5 Prozent sind ebenfalls überall ähnlich.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Scherff, Dyrk
Dyrk Scherff
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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