Technische Analyse

Anleiherendite als Weihnachtsgeschenk

Von Wieland Staud
24.12.2021
, 13:16
Klassische Weihnachtsgeschenke: Barbiepuppe, Feuerwehrauto – und für Anleger der Renditechart der Bundesanleihe.
Eine gute Nachricht zum Jahresende: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe dürfte bald steigen. Die Hinweise darauf zeigen sich in der technischen Analyse mit seltener Klarheit.
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Heute ist Weihnachten – und morgen und übermorgen auch. Endlich. Nicht unbedingt, weil die vergangenen zwölf Monate wirklich viel von uns gefordert haben und eine Pause bestimmt guttun wird. Sondern weil ich mich noch immer ein ganzes Jahr auf den Heiligen Abend freuen kann. Ich mag es, wenn alles ruhig und langsamer wird, man sich mit mehr Achtsamkeit begegnet, jeder versucht, seinen Liebsten nach Kräften etwas Gutes zu tun, und besonders, in der Christmette „Stille Nacht, Heilige Nacht“ singen zu dürfen.

Natürlich gehören Geschenke auch dazu. Warum sollte es anders sein? Schließlich ist auch das Christkind ein Geschenk an uns alle. Warum sollten wir diese Freude nicht weiterreichen? Ich will auf keinen Fall ein Stillhalteabkommen, das angeblich alle von der Last befreit, etwas schenken zu müssen. Geschenke und Heiliger Abend gehören untrennbar zusammen.

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Deshalb dreht sich dieser Beitrag heute, am Heiligen Abend, um einen Chart, den man bestimmt als Geschenk begreifen kann. Er zeigt für mich mit seltener Klarheit, was er will. Die Rede ist von den Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen. Die Hinweise darauf, dass diese schon in nicht allzu ferner Zukunft abheben, sind mittlerweile beeindruckend gut geworden.

Elliot-Wellen in Sicht

Ein Kernelement dieser Pro­gnose bilden die Ziffern im Chart. Sie stehen für die an dieser Stelle vor zwei Wochen schon einmal etwas ausführlicher erwähnten Elliott-Wellen: Einem ersten, nicht selten ziemlich dynamischen Anstieg (1) folgt eine diesen ersten Anstieg oft sehr weitgehend und langwierig korrigierende Phase (2). In dieser Zeit spüren die meisten Investoren zwar schon, dass etwas Neues in der Luft liegt. Sie können diesen grundlegenden Paradigmenwechsel im Chart aber noch nicht beobachten. Auch deshalb geht es in dieser Zeit, oft nachrichtengetrieben, unerquicklich hin und her, ohne dass einer der an den Märkten immer widerstreitenden Parteien, Bullen und Bären, in der Lage wäre, das Kommando nachhaltig zu übernehmen.

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Genau in dieser Zeit staut sich meist enorm viel Energie an, die nur darauf wartet, sich entladen zu können. Deshalb geschieht oft, gerade wenn sich alle auf eine ewige Schaukelbörse eingestellt haben und niemand mehr an irgendeinen Trend glaubt, das glatte Gegenteil: Die „Elliott 3“ beginnt, und die Charts schießen nach oben.

Bild: Staud Research Bad Homburg / F.A.Z.-Grafik Niebel

In ebendieser Situation befinden sich in meinen Augen gerade die deutschen zehnjährigen Anleiherenditen: Lange ist per saldo so gut wie nichts geschehen. Lange ging es rauf und runter, ohne dass sich ein Trend ausmachen ließ. Derweil haben sich die Marktteilnehmer neu sortiert, und die Stücke sind, mit den Worten von André Kostolany und gemessen am Renditechart, aus zittrigen Händen in starke Hände gewechselt. Sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist die Ausbildung eines neuen Aufwärtstrends. Weil die starken Hände den Braten riechen und immer früher zugreifen, fällt der Chart nicht mehr auf das jeweils vorangegangene Tief zurück, sondern macht schon früher kehrt.

Hinzu kommt eine klassische Bodenbildungsformation. Sie wird in Lehrbüchern als inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) beschrieben: Dem ersten Abtauchen bis auf minus 0,72 Prozent (Schulter) folgt nach einer Erholung ein neues Tief bei minus 0,88 Prozent (Kopf) und nach einer abermaligen Erholung ein weiterer Rücksetzer (Schulter). Typischerweise folgt als Nächstes die Überwindung der mächtigen Widerstandszone zwischen minus 0,11 und minus 0,19 Prozent und anschließend eine Rally bis zu meiner Zielzone von plus 0,30 bis plus 0,50 Prozent. Nur für den Fall, dass explizit wider Erwarten alles anders kommt: Unterhalb des Aufwärtstrends, erst recht unterhalb von minus 0,88 Prozent dürften andere Regeln gelten.

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Das Geschenk liegt also wohl unterm Baum. Es muss nur noch ausgepackt werden. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie von Herzen viel Freude beim Schenken, eine frohe, segensreiche Weihnacht und heute einen Heiligen Abend.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.
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