Rohstoffe

Mehr Nachhaltigkeit – höhere Preise

Von Martin Hock
20.01.2022
, 12:06
Benötigen viel Nickel: Auto-Akkus in einer chinesischen Fabrik
Nicht nur die Ölpreise, sondern auch die vieler Metalle, besonders Nickel, ziehen zu Jahresbeginn wieder an. Investitionen in Nachhaltigkeit werden den Rohstoffbedarf in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Kurzfristig sind die Hoffnungen für Edelmetalle größer.
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Wie schon zu Beginn des vergangenen Jahres steigen derzeit zahlreiche Rohstoffpreise. So ist etwa der Preis für Nickel mit zuletzt 24.410 Dollar pro Tonne auf den höchsten Stand seit dem Sommer des Jahres 2011 geklettert. Seit 2007 seien Nickel nicht mehr so knapp gewesen wie jetzt, heißt es. Dazu beigetragen hat auch die Zinssenkung der chinesischen Nationalbank, die die Finanzierung von Rohstoffgeschäften, bei denen China eine tragende Rolle spielt, erleichtert hat. Nickel sei zudem für E-Autos derzeit sehr gefragt, so dass das verfügbare Angebot derzeit nicht mithalten könne, sagte Wang Yue, Analyst von Shanghai East Asia Futures der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auch andere Industriemetalle zeigen deutlichen Preisauftrieb. Der Aluminiumpreis Ist seit Mitte Dezember um knapp 20 Prozent gestiegen, für Zinn werden schon seit September praktisch jeden Tag neue Rekordpreise bezahlt. Ein Faktor ist auch das Bestreben Chinas sein schwächelndes Wachstum durch Infrastrukturinvestitionen anzukurbeln.

Auch Edelmetalle, die im vergangenen Jahr noch vergleichsweise wenig beliebt waren - so fiel etwa der Preis für Palladium, ausgehend von einem Allzeithoch, zwischen Anfang Mai und Mitte Dezember um fast 50 Prozent - sind wieder begehrter. Palladium hat sich mittlerweile wieder um 34 Prozent verteuert und selbst der Goldpreis hat um knapp 4 Prozent zugelegt, Was immerhin ein Zwei-Monats-Hoch ist. Am Donnerstag gibt der Preis zwar leicht nach. da aber die jüngste Goldnachfrage Vorwiegend eine Reaktion auf Kursverluste an den Anleihemärkten war und diese am Donnerstag deutlich nachlassen, ist dies verständlich. Gold reagiere jetzt endlich auf die hohen Inflationsraten rund um den Globus, sagte Fawad Razaqzada, Analyst von ThinkMarkets zu Bloomberg.

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Gegen Ende des vergangenen Jahres sei mit dem Auftauchen der Omikron-Variante der seinerzeit vorher herrschende Optimismus allerdings einer gewissen Unsicherheit gewichen, erklärt Armin Sabeur, für Investments zuständiger Vorstand beim auf Rohstoffaktienfonds spezialisierten Anbieter Optinova die schwache Entwicklung der zweiten Jahreshälfte. Aber im Dezember schon habe man im Zuge der Jahresendrally schon mehr Zuversicht spüren können.

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Ein weiterer dämpfender Faktor sei auch die Problematik der gestörten Lieferketten gewesen. „Es gab dadurch in der zweiten Jahreshälfte einen Nachfrageabbruch“, sagt Sabeur. Das bekam auch der Flaggschiff-Fonds „Metals and Materials“ zu spüren, dessen Anteile ausgehend vom Corona-Tief bis Mitte Mai zunächst mehr als 50 Prozent an Wert gewannen. Dann aber stagnierte der Preis bis Mitte Dezember und hat sich seitdem etwas erholt..

Sabeur blickt positiv ins neue Jahr. Auch wenn er für das erste Quartal insgesamt Seit- oder Abwärtsbewegung nicht ausschließen will, sei er spätestens für die zweite Jahreshälfte optimistisch. Besonders für Edelmetalle. Diese seien aus antizyklischer Sicht aussichtsreich. Und trotz der geplanten Straffung der Geldpolitik stiegen die Schulden der USA vorerst weiter, zudem seien die Inflationserwartungen vergleichsweise hoch, und das sei günstig für Gold und Silber. Und wenn die Lieferkettenproblematik erst einmal gelöst sei, werde eine steigende Nachfrage aus der Autoindustrie neue Chancen für Platin und Palladium eröffnen.

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Das Thema Lieferketten werde zwar bleiben, denn auch wenn sich die Verstopfung lösen werdet, so würden sie sich doch verändern, meint Sabeur. „Geopolitische Aspekte werden künftig eine gewichtige Rolle spielen. Wir glauben, dass einige amerikanische Unternehmen die Investitionen und Engagements in China überdenken werden. Auch die Europäer werden hier nachziehen müssen.“

Zudem bahne sich gerade ein Konflikt mit Russland an, der sich auf die Energiepreise auswirken könnte. Nicht zuletzt würden für die notwendigen Investitionen im Zuge des Übergangs zu einer nachhaltigeren Produktionsweise zunächst einmal mehr Rohstoffe benötigt – nicht zuletzt Metalle, denen in der Abkehr von der Pe­trochemie eine größere Rolle zufallen dürfte. Das sei schon ein Paradoxon. „Der Gipfel von Glasgow hat gezeigt, dass es nicht so einfach ist. Man kann das nicht so schwarz-weiß sehen, hier gibt es eine Menge Grautöne“, sagt Sabeur.

So sei die Situation für Erdgas und Uran als Brückentechnologien durchaus positiv, nicht zuletzt nach der Entscheidung der EU-Kommission sowohl Atomenergie als auch Erdgas als klimafreundlich einzustufen. Insgesamt müsse man auch erst noch sehen, wie sich das Thema technisch entwickele und welche Energiequellen dafür letztlich benötigt würden. „Und es ist auch eine soziale Frage. Wenn man Güter langlebig mit Werkstoffen wie Metallen und Holz produziert, ist das teuer. Die Frage ist, ob die Bevölkerung da letztlich mitspielt.“

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Von steigenden Rohstoffpreisen könnten Euro-Anleger unter den gegebenen Umständen besonders profitieren. Wenn sich nämlich das transatlantische Zinsgefälle infolge der unterschiedlichen Geldpolitik verstärke, werde der Euro zum Dollar weiter abwerten. Das sei angesichts dessen, dass Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, für europäische Anleger durchaus von Vorteil.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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