Scherbaums Börse

Das gewisse Prickeln fürs Depot

Von Christoph Scherbaum
24.12.2021
, 09:27
Was wäre eine Feier ohne Sekt? In Zeiten von Corona stellt sich eher die Frage, wie geht es den Sektkellereien ohne große Feiern? Das zeigt ein Blick auf die börsennotierte Schloss Wachenheim AG.
ANZEIGE

Die Weihnachtsfeiertage und natürlich Silvester sind – auch wenn es wegen Corona keine großen Veranstaltungen geben wird – das wichtige Jahresendgeschäft für Sektkellereien. Die Deutschen sind dem „einen Glas“ Sekt immer gerne zugeneigt. Dabei muss es gar nicht einmal das mondäne Prickelnde aus der Champagne sein. Auch aus Deutschland, genauer gesagt aus Rheinland-Pfalz, gibt es adäquaten Schaumwein von einem Unternehmen, das seine Aktionäre vor Corona noch auf den jährlichen Hauptversammlungen nicht nur mit soliden Bilanzen erfreut hat.

Die Schloss Wachenheim AG hat sich in den vergangenen knapp 25 Jahren zu einem der bedeutendsten Schaumwein- und Perlweinhersteller in Europa entwickelt. Im Jahr 1888 gegründet als „Deutsche Schaumweinfabrik in Wachenheim“ kam es 1996 zur Verschmelzung mit der Sektkellerei Faber. Dies war ein Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte. In Deutschland gehört heute die Sektkellerei Schloss Wachenheim mit Rotkäppchen-Mumm und Henkell & Co. zu den Top 3 der Branche.

Christoph Scherbaum
Christoph Scherbaum Bild: Christoph Scherbaum

Keine einfachen Marktbedingungen

Langjährige Aktionäre des Nebenwerts wissen um die Substanz des Unternehmens. Die Sektkellerei ist ein zuverlässiger Dividendenzahler, der bereits seit dem Jahr 2010 ohne Unterbrechung jährlich ausschüttet. Aktuell liegt die erwartete Dividendenrendite bei 2,1 Prozent. Das ist gerade in volatilen Kursphasen ein beruhigender Faktor – die jüngste Kursentwicklung ist ein gutes Beispiel hierfür. Als die Omikron-Covid-19-Variante Ende November Bekanntheit erlangte, brachte dies den Aktienkurs der Schloss Wachenheim AG kurzfristig stark unter Druck. Die Notierungen haben sich inzwischen stabilisiert. Offenbar glaubt der Markt, dass das Unternehmen mit den schwierigen Marktbedingungen fertig werden sollte.

ANZEIGE

Denn die vierte Corona-Welle ist hierzulande in vollem Gange und schon wird über die fünfte Welle gesprochen. Mit Omikron hält nach Delta die nächste Variante Einzug. In den Niederlanden wurde bereits als Reaktion ein Lockdown ausgerufen. Auch in Deutschland dreht sich rund um die Feiertage vieles um neue Kontaktbeschränkungen, selbst für Geimpfte und Genesene. Einmal mehr werden Weihnachten und Silvester nicht in der Art gefeiert werden können, wie wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind. Eigentlich schlechte Nachrichten für Unternehmen, die von einer allmählichen Wiedereröffnung der Wirtschaft und insbesondere der Gastronomie profitiert hatten – wie die Schloss Wachenheim AG.

ANZEIGE

Neben den Belastungen für Bars und Restaurants, die sich aus Kontaktbeschränkungen ergeben und auch die Geschäfte bei Schloss Wachenheim treffen, muss das Unternehmen auch damit kämpfen, dass sich diese Auswirkungen nicht überall in gleicher Weise zeigen. Dies wurde einmal mehr anhand der jüngsten Geschäftszahlen deutlich.

Solide Geschäfte trotz Corona

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 (per Ende September) standen höheren Absatzmengen in Frankreich und Ostmitteleuropa leichte Rückgänge im deutschen Teilkonzern gegenüber. Konzernweit lag die Zahl der verkauften Flaschen – umgerechnet in durchschnittliche 1-Liter-Flaschen – mit 53,3 Millionen Flaschen um 4,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Hier machte sich die Erholung im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 bemerkbar. Die Umsätze kletterten um 5,6 Prozent auf 86,7 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei 6,8 Millionen Euro, nach 4,5 Millionen Euro im Vorjahr.

ANZEIGE

Schloss Wachenheim muss jedoch nicht nur damit fertig werden, dass die Gastronomie durch neue Beschränkungen getroffen werden könnte. In einige Bereichen machten sich zuletzt Steigerungen bei Personal- und Sachkosten negativ bemerkbar. In Deutschland profitierte das Unternehmen dagegen auf der Ergebnisseite von rückläufigen Werbeaufwendungen. Zudem sollen sich die höheren Weinpreise laut Managementprognose erst im Geschäftsjahr 2022/23 relevant auf die Schloss-Wachenheim-Geschäfte auswirken.

Bis dahin sollten einige andere negative Effekte rund um Corona weniger werden. Auf der anderen Seite kommen die Pandemie und die Kontaktbeschränkungen dem Unternehmen im Onlinehandel auch zugute. Darüber hinaus hat die Verschärfung der Corona-Lage hierzulande den ein oder anderen dazu verleitet, sich doch noch impfen zu lassen, sodass Corona-Maßnahmen vonseiten der Regierung nicht allzu lange gelten sollten.

Ein ruhiger Chartverlauf sieht anders aus

Wer Aktionär bei Schloss Wachenheim ist, weiß um die angesprochene solide Dividende, er kennt aber auch die Volatilität im Kursverlauf der Aktie. An der Börse verzeichnete Schloss Wachenheim in den vergangenen Jahren eine steile Tal-und-Berg-Fahrt. Nachdem die Aktie im November 2017 ein neues Rekordhoch bei 22,88 Euro markierte, brachen die Notierungen bis zum März 2020 in der Spitze um 53 Prozent auf 10,70 Euro ein. Von diesem Boden aus startete eine kräftige Aufhol-Rallye, im Zuge derer es bis Mitte Dezember dieses Jahres auf zeitweise 19,80 Euro nach oben ging.

Die Aktie notiert aktuell wieder deutlich über der 200-Tage-Linie und damit im übergeordneten Aufwärtstrend. In der Dekaden-Betrachtung kommt Schloss Wachenheim unterm Strich auf einen Kursgewinn von im Schnitt zehn Prozent pro Jahr – inklusive starker Nerven für Anteilseigner wegen der zeitweisen, teils scharfen Kurseinbrüche. Diese regelmäßig wiederkehrenden Schwächephasen sind auch der Grund dafür, dass sich – noch längerfristiger betrachtet – auf Sicht der vergangenen 20 Jahre, nur eine vergleichsweise moderate Kursrendite von im Mittel fünf Prozent jährlich errechnet.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Tarifportal
Mit unserem kostenlosen Tarifvergleich sparen
Kapitalanlage
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
ANZEIGE