Junge Sparer

Die Eltern machen es vor

Von Kerstin Papon
20.10.2021
, 10:52
Fast jeder fängt mit dem Sparen erst einmal klein an.
Viele junge Erwachsene in Deutschland wollen sparen. Doch nicht nur die Mängel im eigenen Finanzwissen bremsen sie dabei.
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Die mageren Zinsen machen wenig Lust auf Sparen. Und gerade in jungen Jahren gesellen sich zudem oft vergleichsweise geringe Einkünfte zu einer Vielzahl von Wünschen und Träumen, die man sich doch oft gerne so schnell wie möglich erfüllen möchte. Dennoch ist Sparen hierzulande auch unter jungen Erwachsenen keinesfalls aus der Mode gekommen, doch die regionalen Unterschiede sind nicht nur im Wollen groß. Dies jedenfalls ergibt eine repräsentative Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment.

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Das insgesamt wichtigste Sparziel ist demnach die finanzielle Unabhängigkeit, was die meisten Umfrageteilnehmer unter anderem mit dem Sparbuch, Investmentfonds und Disziplin erreichen wollen. Besonders in Sachsen, Berlin und Bayern sparen viele junge Erwachsene regelmäßig. Allerdings sei es mit den Kenntnissen in Gelddingen nicht besonders weit her, denn viele junge Menschen verfügten selbst in ihrer eigenen Wahrnehmung nur über ein schwaches Finanzwissen, heißt es von Union Investment.

Berliner mit schlechten Noten

Besonders Berliner geben sich hierbei schlechte Noten, gefolgt von den Bewohnern Schleswig-Holsteins. Mehr als jeder Vierte der jungen Hauptstädter etwa beurteilt das eigene Finanzwissen als ungenügend oder sogar mangelhaft. Im Durchschnitt ergibt sich unter dem Strich gerade noch ein „befriedigend“ (Note: 3,4). Einig sind sich die Befragten gleichwohl bei den Verantwortlichen. Schulen sollten das notwendige Finanzwissen vermitteln – das sagen 85 Prozent der Umfrageteilnehmer. Knapp zwei Drittel geben den Schulen für die Vermittlung von Finanzwissen allerdings bisher nur die Note „mangelhaft“ bis „ungenügend“. Für die Analyse hat das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment mehr als 2000 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren online befragt.

Obwohl nur knapp die Hälfte der jungen Erwachsenen angibt, dass die eigene finanzielle Situation gut sei, schaffen es demnach sehr viele, in irgendeiner Form zu sparen (91 Prozent). Gut die Hälfte der Befragten spart regelmäßig jeden Monat, ein Drittel tut dies immerhin unregelmäßig. Besonders eifrige Sparer gibt es in Sachsen und in Berlin, wo jeweils rund 70 Prozent regelmäßig sparen (siehe Grafik). Das geschieht etwa in Niedersachsen und Bremen zwar weit weniger häufig. Hier gibt es laut Umfrage jedoch viele, die eben das sparen, was schließlich übrig bleibt. Die Bundesländer mit den meisten Nichtsparern sind Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland mit einem Anteil von jeweils 11 Prozent.

Die Zahlen zeigten, dass es eine große Bereitschaft gebe, Geld auf die hohe Kante zu legen, und junge Bundesbürger Sparen keinesfalls als spießig oder altmodisch betrachteten, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer von Union Investment. Der Blick in die Zukunft falle zudem optimistischer aus, wenn es die jungen Erwachsenen schafften zu sparen.

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Im Durchschnitt knapp zwei Drittel dieser Altersgruppe sparen, um finanziell unabhängig zu sein. Besonders ausgeprägt ist dieses Sparziel in Bayern und Schleswig-Holstein, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Mehr als die Hälfte der Befragten legt Geld für Notfälle zurück. Für die Mehrheit sind auch größere Anschaffungen ein Sparziel, für viele schon in jungen Jahren auch die eigene Altersvorsorge.

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Und auch wenn das Finanzwissen einige Lücken aufweist, gibt es Ausnahmen. Am besten kennen sich die jungen Erwachsenen demnach beim Thema Zinsen aus, schlechter sieht es dagegen mit dem Begriff der Rendite aus. Möglicherweise sei fehlendes Wissen ausschlaggebend dafür, dass junge Erwachsene oft auf das Sparbuch setzten, heißt es von Union Investment. Laut der Umfrage besitzen 42 Prozent der Befragten ein solches Bankkonto. Ein Drittel der jungen Menschen spart demnach auch mithilfe von Investmentfonds, allen voran tut das die befragte Altersgruppe in Bayern und Baden-Württemberg.

Es zeige sich deutlich, wie sich Wissen oder Nichtwissen auf das Handeln beim Sparen auswirke, sagt Gay. Wer etwa mit dem Begriff Rendite nichts anfangen könne, kenne möglicherweise auch Sparformen mit Rendite nicht. Am schlechtesten seien dabei die Kenntnisse ausgerechnet bei dem für Berufseinsteiger wichtigen Thema der vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers.

Als ein Rezept, um erfolgreich zu sparen, gilt vor allem Disziplin – das sagen 90 Prozent der Befragten. Es folgen unter anderem ausreichend finanzielle Mittel (86 Prozent) und eigenes Finanzwissen (84 Prozent). Mehr als drei Viertel halten es auch für wichtig, dass man in der eigenen Familie lernt, wie Sparen richtig funktioniert. Für die Vermittlung von Finanzwissen bekommen Eltern dabei bessere Noten als Schulen – im Durchschnitt immerhin ein „gut“ bis „befriedigend“ (2,8). Auf den weiteren Plätzen zum Erfolgsrezept folgen gewinnbringende Geldanlagen, professionelle Beratung und nicht zuletzt auch Risikobereitschaft.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Papon, Kerstin
Kerstin Papon
Redakteurin in der Wirtschaft.
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