Anlagestrategie

Renaissance der Dividendenaktien?

Von Martin Hock
09.09.2021
, 12:06
Auch für die BMW-Aktie prognostizieren Analysten eine Dividendenrendite von mehr als 5 Prozent in den kommenden Jahren.
Dividendenaktien sind während der Corona-Pandemie ein wenig unter die Räder gekommen. T. Rowe Price glaubt an eine Erholung.

Dividendenstrategien hatten es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Hoch bewertete Aktienmärkte ließen die Dividendenrenditen sinken und als die Corona-Pandemie zuschlug, wurden sogar Dividenden gekürzt und typische Dividendenaktien liefen zunächst nicht gut. Im Jahr 2020, kürzte fast jedes dritte Unternehmen, dessen Aktie im MSCI World Index enthalten ist, die Ausschüttung. Dies war der höchste Prozentsatz an Dividendenkürzungen seit der globalen Finanzkrise.

In der Folge liefen Dividendenaktien erheblich schlechter: während Nicht-Dividendenzahler Im amerikanischen S&P-500-Index auf eine durchschnittliche Wertentwicklung von knapp 40 Prozent kamen, waren es bei Dividendenaktien nur weniger als 15 Prozent, zeigen Daten der Fondsgesellschaft T. Rowe Price. Demnach hinkte auch der NASDAQ US Broad Dividend Achievers Index als Index der Aktien mit dem größten Divdendenwachstum dem marktbreiten S&P-500-Index mit einer Wertentwicklung von rund 7 gegenüber mehr als 16 Prozent deutlich hinterher. Insgesamt sei 2020 das schlechteste Jahr für Dividendenzahler gegenüber Nicht-Dividendenzahlern und für Dividendenwachstumsaktien seit 2009 gewesen.

Mit der Marktrotation hin zu Substanzwerten im Zuge des Pandemie-Optimismus zu Beginn des Jahres konnten Dividendenaktien im ersten Quartal 2021 aber aufholen, nicht jedoch Aktien mit hohem Dividendenwachstum, die vom Markttrend nicht profitieren konnten. Zu den Schwergewichten des Index gehören etwa Microsoft , aber auch Johnson&Johnson oder United Health. Diese drei Corona-Gewinner von 2020 machen allein mehr als 10 Prozent des Index aus.

Yoichiro Kai, Portfoliomanager des globalen Dividendenstrategie-Fonds von T. Rowe Price hat aber einige Argumente parat, warum Dividendenaktien derzeit eine gute Idee sind. Dabei setzt er selbstverständlich weiter auf eine starke Erholung der Weltwirtschaft und mit ihr der Unternehmensgewinne. Auch die riesigen amerikanischen Investitionspakete würden dazu beitragen.

In den Bereichen der zyklischen Konsumgüter, Transport, Infrastruktur und Unterhaltung gebe es viele Unternehmen mit starken Bilanzen und gutem Management, die Potenzial für eine starke Erholung auch der Dividendenrendite hätten. Einige dieser Renditen lägen heute noch bei 1 Prozent, könnten aber in den kommenden zwei bis drei Jahren auf 3 oder 4 Prozent steigen. Zu meiden seien indes die Aktien von Unternehmen, die ihre Dividenden gesenkt haben, weil sie schon vor der Pandemie in Schwierigkeiten steckten.

Aufgrund der möglicherweise langfristig Global steigenden Zinsen empfiehlt Kai eine Anpassung der Dividendenstrategie. grundsätzlich gebe es 2 Arten von Dividendenzahler: Zum einen die kontinuierlichen Zahler, die auch als „Anleihenersatz“ gesehen werden wie Versorger, Immobilien-REITs, Infrastruktur- oder Telekommunikationsunternehmen. Sollten die Renditen amerikanischer Staatsanleihen schneller steigen als derzeit erwartet, seien gerade diese Aktien verwundbar.

Gute Balance erforderlich

Zum anderen aber gebe es auch zyklische Dividendenzahler wie Banken, Versicherungen, Chemie-, Rohstoff- oder Immobilienaktien. Diese liefen üblicherweise in konjunkturellen Aufschwungphasen überdurchschnittlich gut, selbst wenn die Anleiherenditen stiegen.

Es gelte für die Zukunft eine gute Balance zwischen diesen beiden Typen von Dividendenaktien über den Zinserhöhungszyklus hinweg zu finden. Wenn sich der Konjunkturzyklus abschwäche, sollte man mehr traditionelle Dividendenzahler halten und während der Erholung eher zyklische Titel. T. Rowe Price versucht dies mit einem Portfolio zu lösen, in dem bei einer konstanten durchschnittlichen Dividendenrendite die Zinssensitivität variiert. Davon verspricht man sich nach einem schwierigen Jahr 2020 ein gutes Risiko-Rendite-Profil über Marktzyklen hinweg.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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